Immer mehr Menschen nutzen auch in Kasachstan das Internet, um einen Partner zu finden. Doch die virtuelle Realität und der Heiratsmarkt haben mit der Wirklichkeit oft nichts gemein. Unsere St. Petersburger Autorin Natalja Torbowa schreibt über das Phänomen.

Das Internet ist die Erfüllung eines Traumes: Um sich mit dem Nötigsten zu versorgen, braucht man das behagliche Wohnzimmer nicht mehr zu verlassen. Per Internet kann alles bestellt werden: von CD´s bis Designerkleidung und sogar Antiquitäten. Viele suchen im Netz nach einem Job, andere nach Unterhaltung, und immer mehr Leute begeben sich auch auf die Suche nach Liebe. Die Webseiten für Bekanntschaften schlagen alle Besuchsrekorde, und die reale Kommunikation wird zunehmend durch die virtuelle ersetzt.

Einige Mausklicks – und am Bildschirm flimmern Heiratsanträge, Fotos, Lebensläufe. Für die, die nach ihrer zweiten Hälfte suchen, gibt es eine Menge Angebote im Netz, z. B. www.missingheart.ru oder www.loverambler.ru. Das Registrieren ist einfach, und niemand prüft die Passangaben, darum geben sich virtuelle Bräutigame und Bräute auch die Namen von Bücher- und Kinohelden, die Spitznamen ihrer Katzen oder Hunde. Auch die Fotos der Kandidaten im Netz entsprechen nicht immer der Realität. Frauen präsentieren sich als Models, Männer stehen neben schnittigen Autos und Häusern – ob eigenes oder fremdes Hab und Gut, das verschweigen die Angaben meist. Auffällig ist, dass die Mehrzahl der Besucher dieser Webseiten offensichtlich junge, aktive und gebildete Leute sind. Im Weltnetz lassen sich nicht nur Partner auf unkonventionelle Art finden, sondern es scheinen auch allgemein übliche Regeln aufgehoben: Moral und Tabus werden in der virtuellen Realität lockerer gehandhabt. Wenn man sich nicht sieht, ist alles möglich: Leicht kann man sich vom pickeligen Halbwüchsigen in einen reichen, hübschen und selbstsicheren Supermann verwandeln.
Wie effektiv ist jedoch die elektronische Partnersuche? Es ist nicht leicht, seine zweite Hälfte im virtuellen Raum zu treffen. Aus dem Fragebogen kann man erfahren, was der Auserwählte oder die Auserwählte für ein Sternzeichen hat, ob er oder sie am Körper gepierct oder tätowiert ist, aber diese Informationen sind kaum erschöpfend. Die Fotos unterscheiden sich oft von der Wirklichkeit. Daher sollte man sich nicht genieren, viele Fragen an den virtuellen potenziellen Partner zu stellen. Wer ernste und langfristige Beziehungen wünscht, sollte besser nur die Wahrheit über sich berichten.

Können Sie schön stricken oder mit Löffeln einen Hundewalzer klopfen? Wunderschön! Ihre Talente werden bestimmt von Ihren Interessenten im Netz geschätzt. Aber wenn Sie sich virtuell genügend kennengelernt haben, versuchen Sie bald, sich real zu begegnen. Denn nur das persönliche Treffen hilft, eine endgültige Wahl zu treffen.

Von Natalja Torbowa

27/01/06