Alexander Gomonow aus Nur-Sultan hat einen schwierigen Lebensweg hinter sich. Seine jungen Jahre waren geprägt von Gefängnisaufenthalten und Alkohol. Doch irgendwann wollte Alexander etwas Positives für die Menschen tun. Heute erfreut er seine Mitbürger mit kleinen Kunstwerken.

Hunderttausende von Menschen eilen täglich durch die Stadt, um zur Arbeit zu gelangen oder private Besorgungen zu machen. Die meisten von ihnen schauen nirgendwohin oder versinken einfach in ihre Handys. Doch als vor kurzem wieder einmal eine neue Arbeitswoche begann, bemerkte ich etwas Seltsames: Auf dem Gehweg befanden sich rätselhafte Botschaften wie „Friede sei mit euch!“ oder „Schymkent, Frieden sei mit euch!“. Umgeben waren die Sprüche von großen geheimnisvollen und bunten Herzen mit einem kasachischen Ornament. Man stellte sich automatisch die Frage: Wer hat das wohl gemalt und warum?

Auch andere Einwohner entdeckten die Abbildungen. Sie dachten zunächst, dass es sich wohl um eine kommerzielle Aktion irgendwelcher Unternehmen handeln müsse, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und gute Laune zu bringen. Andere hielten das Ganze lediglich für einen Witz.

Herzchen für den Arbeitgeber

In Wahrheit aber ist der Hobby-Maler ein 57-jähriger Mann, der sich von seinen Mitmenschen „Onkel Sascha“ nennen lässt. Er verdient sich ein kleines Zubrot, indem er vor Cafés, Schönheitssalons und Läden Schnee schaufelt. Es erfordert von ihm viel Kraft, wenn er stundenlang Besen und Schaufel in der Kälte schwingt. Und dennoch findet er noch die Muße für seine kleinen Gesten. Wenn er vor der Arbeit zwischen 5 und 6 Uhr morgens seine Herzchen im Schnee hinterlässt, dann tut er das, um für sein Zubrot zu danken und einfach seine Menschenliebe zu zeigen. So tut er es bereits seit 2003, als er zum ersten Mal sein künstlerisches Talent vor seinem Arbeitsplatz „Mekhkolonna-56“ ausprobierte, später dann vor dem Kaufhaus „Eurasia“. Die Menschen freuten sich damals zwar, und Onkel Sascha selbst auch. Doch niemand außer ihm wusste, wer hinter den Aktionen stand.

Später fragten seine Arbeitgeber im Winter von sich aus, ob Onkel Sascha ein Herzchen auf dem Schnee machen könne. Eigentlich ist es nichts Besonderes für ihn – die Straße fegen, den Schnee beiseite räumen und die Menschen an die Liebe erinnern. Schließlich war er es von seiner Kindheit gewohnt, dass man Liebe durch das Herz symbolisch ausdrückt. Doch die Initiative stieß auf Sympathie bei den Leuten, die sogar bereit waren, dafür eine Kleinigkeit zu bezahlen. Sie baten Onkel Sascha, Herzchen in ihrem Hof zu malen, und gaben ihm 500, manchmal sogar 1.000 Tenge, wie Sascha erzählt. Er war dankbar auch für solche kleinen Summen, und auch darüber hinaus lohnte es sich für ihn. Denn er erfreute sich daran, zu sehen, wie die Stadtbewohner lächelten und guter Laune waren.

Schwierige Lebensgeschichte

Dabei war der Lebensweg des Alexander Gomonow, wie Onkel Sascha richtig heißt, nicht immer von so ausgeprägter Menschenfreude geprägt wie heute. Er saß ein paar Mal im Gefängnis, war Dieb und sogar dem Alkohol verfallen, bis er 2003 Vernunft annahm. Seitdem versucht er, den Menschen Nutzen zu bringen statt ihnen zu schaden. Seine Maxime: ordentlich arbeiten und um nichts bitten.

2018 fuhr er nach Borovoe, Karaganda und in andere Städte, um Geld zu verdienen, und machte mit seiner Hobbykunst dort weiter. Ab 2019 konnten die Bewohner Nur-Sultans seine Herzchen jedoch wieder auf den Gehwegen ihrer Stadt sehen. Die Rückkehr war unerwartet schön und angenehm. Alexander Gomonow kehrte auf Einladung des Ex-Akims unseres Rajons Sary-Arka zurück. Welches Interesse konnten die Behörden an ihm gehabt haben? Ganz einfach: Sie hatten die Idee, ihren Stadtteil etwas bunter zu gestalten, und boten ihm an, im Rahmen einer kleinen Tätigkeit Blocksteine auf einem Platz auszumalen. Denn die waren langweilig grau und gewannen erst dann an Leben, als Onkel Sascha sie mit kleinen bunten Herzchen dekorierte. Und so malte der Straßenmaler nicht nur für sich selbst, sondern verdiente nebenbei auch noch Geld. Es bleibt zu hoffen, dass diese Partnerschaft noch lange andauern wird.

Die Bewohner unserer Hauptstadt bezeichnen den Anblick der Bilder als positive Momente des Lebens, denn Onkel Saschas Werk strahlt Wärme aus. Und was sonst braucht man im kalten Winter nach einem langen Arbeitstag auf dem Heimweg? Man kann mit seinem Schicksal hadern oder es meistern. Der Mensch selbst entscheidet, welchen Weg er geht. Wir können das am Beispiel von diesem guten Mann sehen – besser spät als nie.

Diana Odinzowa

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