Karlygasch Makatowa hat ihre Landsleute bei einem Vortrag im Goethe-Institut, wie sie selbst sagt, auf „sarkastische Art und Weise“ beschrieben. Damit wolle die Managerin jedoch niemanden verurteilen. Vielmehr sei es ihr Anliegen, den Menschen in Kasachstan dabei zu helfen, sich zu entfalten.

Kasachen schummeln gerne, sind nicht gerade pünktlich und klettern in der Karriereleiter durch persönliche Kontakte empor. Um sich mit ihren Anliegen und Wünschen durchzusetzen, verteilen sie oft kleine Geschenke.

Ein solches Bild von ihren Landsleuten hat kürzlich in einem Vortrag Karlygasch Makatowa gezeichnet. Die Kasachin ist unter anderem Managerin des Internationalen Jazz-Festivals in Almaty. „Aber ich liebe die Menschen in meinem Land“, erklärte Makatowa den Zuhörern, die auf Einladung von Renate Schimkoreit, die deutsche Generalkonsulin in Almaty, in das Goethe-Institut kamen. Aufgrund ihrer fast 25-jährigen Lebenserfahrung in unabhängigen Staaten wie den USA wisse Karlygasch jedoch, dass Kasachen ihre Mentalität ändern müssten, wenn sie international eine größere Rolle spielen möchten. „Ich verurteile niemanden, sondern ich beschreibe meine Mitmenschen lediglich auf sarkastische Art und Weise“, sagt die Managerin. Das Anliegen ihrer Darstellung sei es, Menschen einen Spiegel vor das Gesicht zu halten: „Ich will einfach, dass sich die Menschen entwickeln“, erklärte Makatowa. Genau deshalb wolle sie die Darstellung, die das Ergebnis einer wissenschaftlich Studie sei, auch in Zukunft weiter vermitteln.

Die Mentalität des Verteilens von Geschenken beginne dabei bereits in der Universität, erläuterte Makatowa genauer. So komme es immer wieder vor, dass Studenten ihren Professoren „informelle Unterstützungsleistungen“ überreichten, um den Abschluß oder eine gute Einzelnote zu erhalten. Aufgrund eines solchen Verhaltens profitierten die in der Regel in Richtung Europa und der USA strebenden Studenten ebenso wie ihre nicht gerade besonders gutbezahlten Lehrkräfte.

Persönliche Kontakte fördern Aufstieg

Um später im Job voranzukommen, sei weniger harte Arbeit der entscheidende Schlüssel, der zum Erfolg führe, war von der 49-Jährigen weiter zu erfahren. Statt dessen würde der berufliche Aufstieg vielmehr durch persönliche Kontakte gefördert. Doch auch diejenigen, die oben angekommen seien, sorgten bei auswärtigen Geschäftspartnern häufig für Verstimmung. Unter anderem kämen ausländische Manager mit unpünktlichem Erscheinen bei Terminen, dem späten Fällen von Entscheidungen sowie der Geschenke-Mentalität nur wenig klar.

In Sachen Familie und Freunde sei es typisch für die Menschen der kasachischen Gesellschaft, sich bedingungslos gegenseitig zu unterstützen. Obwohl dies grundsätzlich positiv sei, sollte unaufrichtiges Verhalten jedoch nicht ohne Wenn und Aber akzeptiert werden, befindet Makatowa. Zwar seien die jungen Leute deutlich egoistischer und weiter von der Mentalität der Älteren entfernt. Generell seien solche Tugenden aber immer noch weit verbreitet. Ein ganz allgemeines Kennzeichen von Akzeptanz in der Gesellschaft sei sowohl im gesellschaftlichen als auch im wirtschaftlichen Bereich gutes Aussehen. So seien Menschen in Kasachstan im Gegensatz zu Vertretern anderer Nationen grundsätzlich für jeden Anlaß passend gekleidet. Außerdem sei ein freundliches und ebenso offenes Miteinander generell üblich.

Elke Kögler