Erfolgreicher Start der Russlanddeutschen Kulturtage in Nordrhein-Westfalen

In den letzten Jahren gab es viele positive Entwicklungen in der russlanddeutschen Kultur. Sie gewinnt nach und nach an Aufmerksamkeit und Anerkennung in der gesamtdeutschen Gesellschaft. Auch die Zahl der russlanddeutschen Kulturschaffenden nimmt stetig zu, und die einzelnen Bereiche entwickeln sich qualitativ weiter. Damit die russlanddeutsche Kultur in der Gesellschaft und in der kulturellen Landschaft sichtbarer wird und breitenwirksam vermittelt werden kann, gehören öffentliche Veranstaltungen dazu. Diese bieten den Kulturschaffenden eine Möglichkeit, ihre Werke zu präsentieren, sowie allen Interessierten die Gelegenheit zum Kennenlernen.

Leider legte die Corona-Pandemie in diesem Jahr viele Bereiche des öffentlichen und kulturellen Lebens lahm. Doch die Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland ließ sich davon nicht einschüchtern. Trotz aller Hürden veranstaltete die Landesgruppe unter der Leitung des Landesvorsitzenden Dietmar Schulmeister eine Veranstaltungsreihe zu unterschiedlichen Themen der russlanddeutschen Kultur.

Vielseitiges Programm aus Lesungen, Vorträgen und Diskussionen

„Aufgrund der Corona-Pandemie finden alle Termine online statt, doch das hat auch seinen Vorteil: Jeder kann bequem von Zuhause aus an den einzelnen Kulturangeboten teilnehmen“, erklärt der Initiator und Projektleiter der Russlanddeutschen Kulturtage, Dietmar Schulmeister. Als Kooperationspartner agieren die Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf und das Literaturbüro Nordrhein-Westfalen. Gefördert wird die Veranstaltungsreihe vom Kulturreferat für Russlanddeutsche am Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold sowie dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

„Die einzelnen Termine sollen allen Interessierten einen Einblick in die russlanddeutsche Kultur, Literatur, Geschichte sowie das aktuelle Zeitgeschehen bieten“, erläutert Dietmar Schulmeister die Inhalte und Ziele des vielseitigen Programms. Und dieses kann sich sehen lassen: Lesungen, Vorträge, Diskussionen und Online-Begegnungen mit russlanddeutschen Kulturschaffenden. Die Russlanddeutschen Kulturtage bieten eine Plattform zur Begegnung und zum gegenseitigem Austausch.

Streifzug durch die russlanddeutsche Gegenwartsliteratur

Am 13. Oktober machte Tatjana Schmalz mit einem Vortrag zur russlanddeutschen Gegenwartsliteratur den Auftakt zur Veranstaltungsreihe. Schmalz ist Doktorandin am Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und Promotionsstipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung. Ihre seit Dezember 2018 laufende Dissertation trägt den Arbeitstitel: „Erinnerungskulturen in heterogenen Einwanderungsländern. Angebote für die Neukonzeptionierung der bundesrepublikanischen Erinnerungskultur am Beispiel der russlanddeutschen Volksgruppe.“

Gemeinsam mit den Teilnehmenden der Veranstaltung unternahm Tatjana Schmalz einen Streifzug durch die Gegenwartsliteratur der Russlanddeutschen. Sie präsentierte Werke von russlanddeutschen Autorinnen und Autoren wie Artur Rosenstern, Eleonora Hummel, Gerhard Sawatzky, sowie weitere Bücher über Deutsche aus Russland, darunter auch den Bestseller-Roman „Wolgakinder“ von Gusel Jachina.

Passend dazu fand eine Woche später eine Lesung mit der russischen Erfolgsschriftstellerin statt. Durch den literarischen Abend wurden die Teilnehmenden von Edwin Warkentin, dem Leiter des Kulturreferats für Russlanddeutsche in Detmold, sowie von der Autorin und Journalistin Katharina Martin-Virolainen begleitet. Um den Anwesenden den Roman „Wolgakinder“ schmackhaft zu machen, wurden einige Passagen auf Russisch und Deutsch vorgelesen. Darüber hinaus berichtete Gusel Jachina, wie der Roman entstanden ist, und eröffnete viele spannende Details.

Für eine europäische Zukunft und Völkerverständigung

Weiter im Programm ging es mit einem Dokumentations- und Diskussionsabend zum Projekt „Deutsche Geschichte in Wolhynien“. Gäste des Abends waren Ira Peter, Katharina Martin-Virolainen und Wolodymyr Pinkowski, die das Projekt gemeinsam umgesetzt haben. Sie berichteten über die Erfahrungen aus der Medien- und Autorenwerkstatt, die im Herbst 2019 in Schitomir durchgeführt wurde, und präsentierten die Ergebnisse in Form von Film, Zeitungsberichten und einer Foto- und Textbroschüre. Sie unterstrichen die Bedeutung solcher Projekte für eine gemeinsame europäische Zukunft, für die Völkerverständigung, und nicht zuletzt für die Aufarbeitung und Vermittlung der gemeinsamen Geschichte.

Am 29. Oktober war erneut die Literatur an der Reihe: Diesmal fand eine Lesung mit Eleonora Hummel statt, die ihren Roman „Die Wandelbaren“ vorstellte. Die in Dresden lebende Erfolgsautorin wurde für ihr literarisches Schaffen bereits mehrfach ausgezeichnet. In diesem Jahr bekam sie den Hauptreis des Russlanddeutschen Kulturkreises des Landes Baden-Württemberg in der Kategorie Literatur. Ihr Roman „Die Wandelbaren“ erzählt von den Schicksalen und dem Lebensweg der Schauspielerinnen und Schauspieler des einzigen Deutschen Theaters in der Sowjetunion.

Fortsetzung der Kulturtage für 2021 festgeplant

Die rege Teilnahme an den einzelnen Veranstaltungen sowie die positiven und umfangreichen Rückmeldungen in den Weiten der Sozialen Medien zeugen von einem erfolgreichen Start und einem lebhaften Interesse an der russlanddeutschen Kultur. „Im Jahr 2021 wollen wir die Russlanddeutschen Kulturtage fortführen“, erzählt Dietmar Schulmeister. „Momentan sammeln wir noch Ideen und arbeiten an der Zusammenstellung eines neuen Programms.“

Nach dem erfolgreichen Start im Oktober stehen im November und Dezember weitere Veranstaltungen an. Dazu laden Dietmar Schulmeister und sein Team der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen alle Interessierten herzlich zur Teilnahme ein. KMV

10. November: Vortrag und Diskussion mit Tatjana Schmalz zum Thema „Russlanddeutsche Kulturschätze: Musik, Kunst und Film“.
12. November: Lesung mit Melitta Roth aus ihrem Erzählband „Gesammelte Scherben“.
17. November: „Russlanddeutsche Frauenschicksale: Nora Pfeffer.“ Online-Lesung und Diskussion mit Julia Kling, Katharina Martin-Virolainen und Artur Rosenstern.
26. November: Lesung mit Artur Rosenstern aus seinem Roman „Die Rache der Baba-Jaga“.
10. Dezember: Lesung und Vorstellung des Literaturalmanachs 2020 „fremd unter seinesgleichen“ mit Melitta Roth und Artur Rosenstern.
17. Dezember: Lesung und Diskussion mit Prof. Dr. Carsten Gansel zur Wiederentdeckung und Veröffentlichung des Romans „Wir selbst“ von Gerhard Sawatzky.
Veranstaltungsbeginn ist jeweils um 20.15 Uhr (MEZ). Die Veranstaltungen finden jeweils in Zoom statt. Nachträglich kann man die Video-Aufzeichnung der Veranstaltung auf der Facebook-Seite der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen anschauen: www.facebook.com/
lmdr.nrw

Anmeldung zu den einzelnen Veranstaltungen und weitere Informationen findet man unter: www.lmdr-nrw.de

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