Dimitri Gorbunow ist Kinder-Herzchirurg am National Clinical Hospital in Astana. Er lebte, studierte und arbeitete von 1994 bis 2001 in Freiburg und Tübingen. Gorbunow gehört zur ersten Generation von Bolaschak-Stipendiaten, die den Sprung nach Deutschland wagten. Nach dem Praktikum und einer Tätigkeit als Assistenzarzt kehrte er als gefragter Spezialist in seine Heimat zurück. Der 34-jährige Herzchirurg berichtet der DAZ über seine Erfahrungen in Deutschland und Kasachstan.

/Bild: Pixelio / Gerd Altmann. ‘Kinder in Kasachstan profitieren von Dimitrij Gorbunow Ausbildung zum Kinder-Herzchirurgen in Deutschland.’/

Herr Gorbunow, wollten Sie schon immer Arzt werden?

Meine Mutter ist Kardiologin. Ich erinnere mich, dass sie mir immer viel über ihren Beruf erzählt hat. Auch aus Zeiten, in denen nur in Almaty Operationen am offenen Herzen durchgeführt werden konnten. Die Leute mussten damals aus dem ganzen Land anreisen, oder sie gingen nach Kiew und Moskau. Damals waren die Bedingungen und technischen Möglichkeiten einfach nicht vorhanden. Das ganze Thema Medizin hat bereits im Schulalter mächtig Eindruck auf mich gemacht.

Warum haben Sie sich für ein Studium in Deutschland entschieden?

Das lag ganz einfach an meinen Fremdsprachenkenntnissen. Ich habe in der Schule Deutsch gelernt. Zudem ist die Konkurrenz im Bolaschak-Programm für einen Studienplatz in Deutschland viel geringer als beispielsweise für Länder wie Großbritannien oder die USA. Das habe ich damals als Vorteil erkannt.

Was hat Sie während Ihres Aufenthaltes in Deutschland besonders geprägt, was konnten Sie aus der Zeit dort mitnehmen?

Das ist eine schwierige Frage. Wenn man so lange in Deutschland lebt, wird man selbst ein wenig deutsch. Ich kann die Frage daher nur noch in Bezug auf meinen Beruf beantworten. Das Fachwissen, die Erfahrungen, die ich im deutschen Gesundheitssystem sammeln konnte, und die vielen Bücher, die ich mitgebracht habe, sind noch heute sehr wertvoll für mich.

Pflegen Sie auch heute noch Kontakte mit Deutschland?

Mein deutscher Ausbilder aus Tübingen, Prof. Gerhard Ziemer, war 2005 zu Besuch in Astana. Er hat hier Kinder operiert. Außerdem konsultieren mich Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Astana, wenn sie gesundheitliche Probleme haben.

Wie ist es, wenn man als gefragter Spezialist aus dem Ausland nach Kasachstan zurückkehrt?

Es gibt nicht so viele Kardiologen in Kasachstan, und das hatte seine Vorteile für mich. In Deutschland ist der Arbeitsmarkt mit Spezialisten in diesem Bereich schon fast überfüllt. In Kasachstan hat man auf Grund des Mangels an Kardiologen deshalb viel mehr Praxis am Operationstisch. Wir haben im vergangenen Jahr 700 Operationen durchgeführt. In diesem Jahr werden es vermutlich etwas mehr. Leider wird der sehr schöne, aber auch anstrengende Beruf in Kasachstan nicht adäquat entlohnt. Trotzdem liebe ich meine Arbeit.

Was empfehlen Sie jungen Kasachstanern, die jetzt ein Studium beginnen möchten?

Ich empfehle, sich nach wirklich gefragten Fachrichtungen umzusehen. Die meisten jungen Leute streben noch immer nach einer Karriere als Betriebswirtschaftler. Der Fachkräftemangel bei uns in Kasachstan in der Medizin, aber auch im ingenieurwissenschaftlichen Bereich zeigt eine Vielzahl von Chancen auf, die stärker genutzt werden sollten.

Raten Sie zu einem Studium im Ausland?

Ein Studium in Deutschland kann ich gerade für Medizin und für technische Studiengänge sehr empfehlen. Für jedes Auslandsstudium gilt: Der Wille und nötige Fleiß müssen natürlich sehr ausgeprägt sein, um alles zu schaffen. Angst sollte man jedoch auf keinen Fall haben. In Schwaben sagt man „Schaffe, schaffe, Häuslebauer“. Übertragen auf mein Studium in Deutschland kann ich nur sagen, dass sich die investierte Zeit und Kraft auszahlen. Man bekommt sehr viel zurück.

Das Interview führte Ulf Seegers.

Sonderausgabe

Teilen mit: