Die Deutsche Botschaft Tadschikistan in Duschanbe veranstaltete im Juni eine Lesung des vor einigen Jahren bekannt gewordenen deutschen Autors Jan Putzas. Er stellte sein Werk „Am Wasser wird es überall kalt“ sowie seine Gedichtsammlung vor und sprach über sein Buchprojekt in Zentralasien.

Das neue Buch von Jan Putzas „Am Wasser wird es überall kalt“ handelt von vielen Abenteuern des Autors und ist mit sehr viel Witz geschrieben. Während der Lesung in der Botschaft hörte das gespannte Publikum während der gesamten Veranstaltung interessiert zu, um kein Wort der Lesung zu versäumen. „Es ist sehr schön, dass die Deutsche Botschaft in Duschanbe solche Kulturveranstaltungen organisiert, weil es auch dem Kulturaustausch dient. Ich besuche immer gerne solche Veranstaltungen“, sagt Churschedai Chomid, die Vertreterin der Hanns-Seidel-Stiftung in Duschanbe. Einer der Zuschauer, Rustam Karomow, scheint besonders begeistert: „Jan Putzas ist ein sehr interessanter Autor, ich hätte nie gedacht, dass Automechaniker so schreiben können. Es ist bewundernswert, dass der Autor den Mut fand, sich in einer neuen literarischen Richtung auszuprobieren. Ich glaube, nach dem heutigen Abend, denkt jeder selbst darüber nach, was er außerhalb seiner professioneller Tätigkeit noch erschaffen kann. Der Roman ist sehr abenteuerlich und positiv, ich musste während der Lesung immer lächeln. Ich bin sehr gespannt auf die Erscheinung von Jan Putzas Roman über Zentralasien“.

Geboren im Jahr 1975 in der Lutherstadt Eisleben erlernte Jan Putzas den Beruf des KFZ-Meisters. In seinem Alltag ist er morgens Schriftsteller, tagsüber Werkstattmeister und abends ein liebender Vater und Ehemann. Mit diesem Lebensentwurf vereint er gänzlich verschiedene, teils gar widersprüchlich erscheinende Bereiche. Im folgenden Interview erzählte Putzas wie er das alles vereint.

Jan, es ist total überraschend, Sie arbeiten als KFZ-Meister und schreiben dabei Romane und Verse. Wie passt es zusammen, schrauben und schreiben?

Als Kind habe ich sehr viel gelesen. Aber die wirklichen Ursprünge waren vor 12 Jahren. Da habe ich mit meinem Freund diskutiert, wo es so große Dichter wie Schiller und Goethe gibt und warum heute nicht mehr. Haben derzeit die Leute keine Talente oder Interesse daran? Irgendwann habe ich darüber nachgedacht, ob ich das auch könnte und habe begonnen, ab und zu Verse zu verfassen. Es passierte manchmal auch in Situationen, die mich bewegten oder die ich außergewöhnlich fand – da ging es einfach mit dem Schreiben los. Und innerhalb von zehn Jahren habe ich mehr als 50 Gedichte geschrieben.

Ja, über 20 Jahre bin ich Automechaniker, und natürlich war ich dafür zunächst nicht bereit. Zum Glück komme ich mit wenig Schlaf aus. Ich stehe frühmorgens um fünf Uhr auf, schreibe zwei Stunden, danach bin ich von acht bis fünf in der Werkstatt beschäftigt und gehe anschließend nach Hause, um mich um meine Familie zu kümmern.

Was würden Sie angehenden Schriftstellern raten?

Es ist ganz wichtig, den Mut zu fassen und die Hemmschwellen zu bezwingen, die jeder Mensch hat. Es gibt viele begabte Leute, die schreiben, zeichnen, komponieren und anders kreativ schaffend sind. Aber sie trauen sich nicht, es jemandem zu zeigen. Man muss auch eine eiserne Disziplin und Konzentration wahren. Manche Autoren haben tolle Ideen, die für 20 Seiten ausreichen; nach der zwanzigsten Seite kommen sie nicht weiter fort und sagen: „Gut, ich schreibe morgen oder übermorgen weiter“ – und dann ist alles futsch. Für mich, zum Beispiel, ist es wichtig, immer feste Zeiten anzusetzen, Regelmäßigkeit und Disziplin zu üben. Man muss an sich selbst glauben und darf den Mut nicht verlieren. Kritik sollte einen nie verletzen, man muss nach einem Weg suchen und sich fortwährend weiterentwickeln. Gute Kritik sollte man auch beherzigen. Solange es Menschen gibt, die deine Bücher gut finden, selbst wenn es nur zwei Leser sind, musst du weiterschreiben.

Was sind Ihre momentanen Pläne?

Ich arbeite am Manuskript für einen dystopischen Roman mit dem Arbeitstitel „Mörderhandwerk“, dessen Veröffentlichung für 2017 geplant ist. Bald beginne ich auch mit einem Reiseroman über Usbekistan und Tadschikistan und bin schon drauf drauf und dran, da es viele spannende Dinge in Zentralasien gibt, über die ich gerne schreiben möchte.

Welche Schwierigkeiten fallen Ihnen in der Arbeit zu?

Richtig schwierig ist es, wenn ich eine Reparaturarbeit mache, die etwas langweilig ist, dann schraube ich vor mich her, aber in Gedanken bin ich nur an meinem Manuskript. Manchmal sollte ich mich allerdings auf die momentane Arbeit konzentrieren und zusammenreißen. Aber ich mag beide Bereiche, ich brauche beides. Eines mache ich seit 20 Jahren, damit verdiene ich mein Brot; beim anderen bin ich noch frisch, wie ein Lehrling, weil ich viele Ziele vor mir habe. Als Autor möchte ich noch vieles erreichen. Aber wenn ich das nicht hätte, wäre ich unzufrieden, weil ich bei meinem Erstberuf bereits den Meistertitel habe – in Deutschland ist das die höchste Qualifikation, danach gibt es nicht mehr viel zu erreichen. Als Autor stehe ich noch ganz am Anfang. Wenn man schreibt, dann ist man immer Anfänger, egal ob du 40 oder 70 Jahre alt bist. Solange man sich ständig entwickelt, öffnen sich vor dir Türen und Tore des Lebens und des menschlichen Denkens. Das ist meine Selbstverwirklichung und Spannung im Leben. Ich möchte weiterschreiben und erfahren, ob ich als Autor am Ende sein oder bis ans Ende schreiben werde.

Was möchten Sie mit Ihren Büchern den Menschen geben?

Ich versuche in meinen Büchern immer Humor zu transportieren. Für mich ist es wichtig, dass die Leute lachen und sich amüsieren können und so aus dem stressigen Alltag herausgerissen werden.

Schachnos Bachtijorowa