In Almaty traten deutsche Spitzensportler aus dem Nationalteam der Frauen und Männer zum internationalen Wettbewerb an. Auf den speziellen Mattenschanzen schlugen sich die Deutschen mittelmäßig.

Eine frische Böhe streicht über die Mattenkissen, die grün und im steilen Winkel auf der Schanze „Gorny Gigant“ ausgebreitet, das eisige Weiß eines schneebedeckten Steilhangs ersetzen. Bei durchschnittlichen Temperaturen von 25 Grad, die in Almaty tagsüber herrschen, würden Schneekanonen nur unnütz Energie verbrauchen. Hier auf der Skispungschanze „Gorny Gigant“ fand vergangenes Wochenende der Sommer-Grand-Prix statt, ein Wettbewerb, bei dem international bekannte Skispringer aufeinandertrafen, darunter auch deutsche Spitzensportler.

Der Sommer-Grand-Prix wird auf zwölf verschiedenen Schanzen in verschiedenen Ländern vom Internationalen Skiverband (FIS) ausgetragen. Er wird traditionell in Frankreich und Hinterzarten ausgerichtet. Seit einigen Jahren reisen die Teilnehmer jedoch nicht nur zwischen Deutschland und Frankreich hin und her, sondern richten den Wettbewerb auch außerhalb Europas aus.

Almaty – Tummelplatz der Skispringer  

In Almaty findet dieser Wettkampf auf Weltcup-Niveau zum dritten Mal statt. Vor drei Jahren ist die „Internationale Skisprunganlage“ „Gorny Gigant“ fertig gestellt worden, eine moderne Anlage mit Mattenkissen, Keramikanlaufspuren und drei unterschiedlich großen Schanzen.
Almaty ist schon seit langem in der Szene des Skispringsportes bekannt. Schon zu Sowjetzeiten kamen erfolgreiche Skispringer aus Kasachstan, die sich auf internationalen Wettbewerben behaupteten. Denn hier, im Transili-Altau befand sich seit den 1950er Jahren, auf ca. 3.000 Meter Höhe, das Trainingslager der kasachischen Skisprungmannschaft. Dort auf den Höhen war immer Schnee vorhanden. Nun gibt es eine moderne Skisprunganlage, ausgestattet mit Mattenkissen und Keramikabsprungrillen.

„Seit 2011 findet hier jedes Jahr ein Wettbewerb statt“, sagt Wladimir Tschernajew. Er kennt sich gut aus, denn er selbst ist in den 1970er Jahren Gewinner eines Skisprungwettbewerbes in der Sowjetunion gewesen. „Diese moderne Anlage hier wurde von einem Deutschen gebaut“, fügt er stolz hinzu. Schon seit dem frühen Morgen springen die Frauenmannschaften. Danach folgen die Männer. Jedes Mal, wenn ein Skispringer durch die Keramikabsprungfläche schießt, um genügend Schwung für den Sprung zu erlagen, erklingt ein Geräusch, als würde eine Murmel über Fliesen rollen.

Skispringen ohne Schnee

Das deutsche Skisprungteam in Almaty: Svenja Würth, Melanie Faißt, Maximilian Mechler, Peter Rohwein, Martin Schmitt, Christian Bruder (v.l.n.r.). | Bild: Dominik Vorhölter

Heutzutage kommt auch der Grand Prix in Kasachstan dank der modernen Skisprunganlage ganz ohne Schnee aus. Es springen gerade die Frauen. Aus Deutschland sind aus dem Frauenteam Melanie Faißt und Svenja Würth dabei. „Ich finde es sogar besser, auf den Keramikmatten zu springen, als auf Schneeschanzen“, verrät Svenja Würth. Sie ist nicht das erste Mal in Kasachstan. Schon im letzten Jahr ist sie hier von den Schanzen des „Berggiganten“ gesprungen.

Dieses Jahr hat sie ihre Souveränität gekonnt unter Beweis gestellt. Sie sprang am ersten Wettkampftag 94,5 und 91 Meter weit und wurde mit dem neunten Platz die beste Deutsche Skispringerin. „Ich mag es gerne, herumzukommen. Es ist ganz anders hier als bei uns“. Damit meint Svenja Würth ihren Heimatort Baiersbronn im Schwarzwald.
Die Deutsche Skispringerin Svenja Würth ist aus ihrer Mannschaft die Beste. Nach der Finalrunde des ersten Wettkampftages belegte sie den neunten Platz, in der Gesamtwertung den zwölften Platz. Ihre Mitstreiterin Melanie Faißt belegte den 13. Rang.

Auch die männlichen Sportler des deutschen Teams vermissen den Schnee nicht. Martin Schmitt ist einer von ihnen. Der Gewinner von vier Weltmeistertiteln ist einer der bekanntesten Teilnehmer des Sommer-Grand-Prix. Wie auch seine Mitstreiterin aus dem Damenteam Svenja Würth, empfindet er die Sommerskisprungschanzen nicht minderwertiger. „Wir springen im Jahr sogar öfters von solchen Schanzen“, verrät er. „Schauen wir mal, wie der Wettkampf weitergeht“, verabschiedet er sich und geht zum Lift, um zum Startpunkt der Finalrunde zu fahren. Im ersten Durchgang ist er 130 Meter gesprungen und wurde unten an der Zuschauertribüne von seinen Fans empfangen. Für Ihn und auch die anderen Sportler der deutschen Mannschaft haben die Fans auf der Zuschauertribüne Deutschlandfahnen gespannt, einige tragen auch schwarz-rot-gelbe Schals um den Hals.

Das Männerteam der deutschen Nationalmannschaft ist mit Trainer Peter Rohwein vor Ort. Neben Schmitt springen für Deutschland Maximilian Mechler und Jan Mayländer. Alle nutzen ihre Chance, sich bei diesem Wettbewerb für das A-Team weiterzuqualifizieren und vielleicht an der Winterolympiade in Sotschi teilzunehmen. Dafür bietet der Sommer-Grand-Prix in Almaty eine gute Gelegenheit. Dabei scheint das Kontinentalklima und die Fremde Kasachstans für die deutsche Mannschaft kein Hindernis zu sein. „Es ist ganz anders als in Deutschland, hier herrscht eine andere Mentalität, aber man kann sich schon rundum wohlfühlen“, erwähnt Nationaltrainer Peter Rohwein. Er ist von seinem Team überzeugt.

Chancen auf Teilnahme in Sotschi

Die beste Platzierung holte sich am ersten Wettbewerbstag Maximilian Mechler. Er sprang im ersten Durchgang 132 Meter und 133 Meter im Finale und kam damit auf den achten Platz. Martin Schmitt schaffte es im ersten Durchgang auf den elften Platz mit einem soliden 130-Meter-Sprung. Im Finale ist er einen halben Meter weiter gesprungen, sodass er auf den 14. Platz zurückfiel.

„Allgemein kann man nicht mehr die Leistungen bringen, die man früher gebracht hat. Aber Martin Schmitt hat nach wie vor gute Voraussetzungen, sich weiter zu qualifizieren“, kommentiert Trainer Rohwein die sportlichen Fähigkeiten des weltbekannten Skispringers. Maximilian Mayländer kam mit seinen Sprüngen, im ersten Durchgang mit 130,5 Metern und im Finale mit 126,5 Metern auf den 26. Platz. Leider konnte er sich am zweiten Tag nicht mehr weiterqualifizieren. In der Gesamtwertung erreichten Maximilian Mechler den 15. und Martin Schmitt den 16. Platz.

Von Dominik Vorhölter