„Nouruz“ ist der Name eines altiranischen Neujahrs- und Frühlingsfestes, das am 20. oder am 21. März vor allem im iranischen Kulturraum gefeiert wird. Wörtlich übersetzt heißt “Nouruz“ „Neuer Tag“ (nou oder nau: neu, Ruz: Tag). Der kasachische Feiertag „Naurys“ ist dem iranischen „Nouruz“ in vielem ähnlich.

Die Kasachen feierten den Beginn des neuen Jahres am Tag des Frühlingsanfangs, dem 22. März. Das Fest hieß Naurys. Die Kasachen nannten diesen Tag “Улыстын улы кунi” (Великий день народа) – “Der große Tag des Volkes”. Die Nacht vor Naurys hatte ihre besondere Bedeutung. Die Mädchen bereiteten ein besonderes Gericht zu, die Jungen schenkten ihnen dafür verschiedene Geschenke: Spiegelstücke, Kämme, Parfüm. Jedes Geschenk hatte seinen Sinn: Die Spiegel symbolisierten Unschuld, die Kämme Schönheit, das Parfüm das Aufblühen der Natur. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht feierten die Menschen ausgelassen! Witze, Spiel und Lachen, Theaterstücke – ein buntes und bezauberndes Fest. Heute beginnt das Neujahr in Kasachstan genauso wie fast überall – am 1. Januar.

Aber das traditionelle Neujahrsfest Naurys wird trotzdem gefeiert. Viele Menschen empfangen an diesem Tag Besuch und laden Gäste ein. Außerdem werden an diesem Tag Sport- und Volksspiele veranstaltet. Der beliebteste Wettkampf der Kasachen ist „Kys kuu”, was „Holt das Mädchen ein!” bedeutet. Der Junge und das Mädchen sind Hauptpersonen in diesem Spiel. Die beiden gallopieren auf ihren schnellen Pferden. Der Junge soll das Mädchen einfangen und küssen. Wenn er es nicht schafft, bekommt er von dem Mädchen Schläge mit der Peitsche.
An diesem Tag wird viel gekocht und gebacken. Die kasachische nationale Küche ist ein Spiegel der Seele des Volkes, seiner Geschichte, der Sitten und Bräuche. Von alters her ist Gastfreundschaft der wichtigste Wesenszug des kasachischen Volkes, besonders an Naurys.
Liebe Gäste werden freundlich empfangen, auf den Ehrenplatz gesetzt und mit dem Besten bewirtet, was das Haus hergibt. Es ist wohl kein Geheimnis, dass die Kasachen viel Fleischgerichte mögen. Beschparmak ist eine beliebte Volksspeise der Kasachen. Wortwörtlich übersetzt heißt „Beschparmak“: fünf Finger. Das wohlschmeckende Fleisch wird mit dünn ausgerollten und gekochten Teigstücken gegessen. Als vorzügliche Ergänzung zu diesem Gericht dient die aromatische Kraftbrühe – Sorpa, die gewöhnlich in Pialas aufgetragen wird.
Brot wurde hauptsächlich in Form von Fladen gebacken. Das beliebteste Gebäck war und bleibt bis heute Baursaki. Traditionelle Getränke, wie Kumys (Pferdemilch), Schubat (Kamelmilch) oder Airan wurden dazu gereicht.

Einen besonderen Platz in der kasachischen Küche hat der Tee. Die Kasachen trinken erst seit dem 19. Jahrhundert traditionellen Tee mit Milch und Zucker. Jede Region verfolgt ihre eigenen Regeln beim Teetrinken. Meist wird Tee nur halbvoll in die Teeschale (Piala) ausgeschenkt, damit der Tee nicht so schnell kalt wird. Der Tee sollte sofort ausgetrunken werden.

Ein weiteres traditionelles Gericht der Kasachen am Naurys-Tag ist „Naurys-kösche”. Dieses Gericht muss insgesamt sieben Zutaten enthalten: Fleisch, Reis oder Weizen, Ayran, dünne Nudeln (Kespe), getrockneten Quark („Kurt”). Es lohnt sich, dieses schmackhafte Gericht einmal auszuprobieren.

„Naurys” wird von allen Menschen in Kasachstan ungeduldig erwartet. An Naurys darf sich das Volk insgesamt volle fünf Tage erholen. Es ist ein besonderes und traditionelles Fest. Und wie früher versammeln sich die Leute am reichlich gedeckten Tisch, essen festliche Speisen, singen Lieder und wünschen einander alles Gute, Glück, Gesundheit und Erfolg, denn: „Naurys kutty bolsyn” – „Naurys soll viel Glück bringen”.

Von Ruchsaram Dschasybajewa