Streunende Hunde sieht man auf den Straßen Almatys, aber auch in den anderen kasachischen Städten zu Genüge. Hundefänger ziehen umher und übergeben die Tiere an dortige Tötungsstationen. Was anschließend mit den Streunern geschieht, muss nicht erwähnt werden.

Dieses Schicksal hätte beinahe auch Zlata ereilt. Heute lebt die gebürtige Almatiner Hündin bei ihrer neuen Familie in Kassel. Zu verdanken ist das Menschen wie Angelika Kindler.
Durch eine Facebookgruppe und eine Freundin im Netz wurde die Deutsche auf die Problemsituation in Kasachstan aufmerksam. „Eine Freundin schickte mir ein Video zu, in dem ein Hund schrecklich misshandelt wird. Mir kamen die Tränen, und ich konnte nächtelang nicht schlafen. Da wusste ich sofort: Ich muss etwas tun“, erzählt sie. Anschließend gründete sie im September letzten Jahres den Verein „Hunderettung Kasachstan e.V.“ So setzte sich Angelika zusammen mit anderen ehrenamtlichen Menschen ein gemeinsames Ziel: Streunende und misshandelte Hunde von den Straßen Kasachstans zu retten, um ihnen im Anschluss ein neues, geborgenes Zuhause in Deutschland zu geben. Dabei arbeitet sie mit unterschiedlichen Menschen in beiden Ländern zusammen.

Mit Herzblut für die Hunde da

Ludmilla Hirsch etwa ist als Kasachstandeutsche besonders um das Wohl der Hunde in ihrem Geburtsland besorgt. 2005 kam sie als Spätaussiedlerin aus Kostanaj nach Deutschland. Angelika Kindler lernte Ludmilla über ihre Facebook-Bekannte noch vor der Gründung der Organisation kennen. Sie gilt als das Bindeglied der Tierschutzorganisation und arrangiert die Transporte der Tiere von Almaty über Moskau weiter nach Deutschland. „Ich bin froh, dass Ludmilla ein Teil unseres Teams ist, denn aufgrund meiner fehlenden Sprachkenntnisse wäre es für mich alleine unmöglich, die Hunde zu uns nach Deutschland zu bringen.“, so Angelika Kindler.

Die Tiere werden mithilfe litauischer Transportunternehmen bis nach Deutschland transportiert, daher haben auch die aktuellen Sanktionen gegen den russischen Staat keinen Einfluss auf die Tierrettung; die Fahrten können ohne Einschränkungen durchgeführt werden. Durch Ludmilla erweiterten sich für Angelika auch die Kontakte zu Einheimischen, die sie gegebenenfalls vor Ort mit den Spenden der Organisation unterstützt. „Ich hatte großes Glück, dass ich so nette und aktive Leute kennenlernen konnte. Auch in Moskau und in Almaty sind die freiwilligen Helfer mit Herzblut bei der Arbeit, um die Hunde vor einem tragischen Ende zu bewahren“, erzählt Ludmilla.

Vor dem Tod bewahrt

Vor Ort in Almaty ist Romina Issabayeva als eine der Volontäre bei der Hunderettung aktiv. Unterstützt wird sie durch Freunde, Verwandte, Bekannte und ihre Instagram-Follower. Tagtäglich werden ihr Fotos und Videos von Hunden zugespielt, die dringend Hilfe benötigen. Anschließend hilft sie, wo sie kann. Vieles bezahlt Sie dabei aus eigener Tasche.
Hundebesitzer haben die Möglichkeit, ihre Tiere aus den Stationen gegen eine Strafzahlung wieder zu sich zu nehmen. Bleiben die Ausschreibungen reaktionslos, werden die Lebewesen von den freiwilligen Helfern vor dem Tod bewahrt.

Nach der Rettung aus den Tötungsstationen werden die Tiere medizinisch behandelt, falls nötig sterilisiert, entwurmt und geimpft. Danach müssen die Hunde 30 Tage in Quarantäne bei einer Pflegestelle bleiben, anschließend kommen sie in Pflegestationen, um von dort letztendlich über die russische Hauptstadt weiter nach Deutschland transportiert zu werden. Überwiegend sind die Menschen, die sich um die Hunde kümmern, berufstätig und verdienen sich mit der Pflege etwas dazu. Deutsche Pflegestellen beherbergen oft nur zwei bis maximal drei Tiere, in Kasachstan wird sich in den Stationen um mehr als zehn Hunde gekümmert.

Tierrettung bedeutet Teamarbeit

Ungefähr 45 Euro pro Monat lässt Angelika Kindler pro Tier den Pflegestellen zukommen. Diese beinhalten die Unterkunft und das Futter. Die vorherigen benötigten Klinikaufenthalte werden von dieser Summe nicht abgedeckt. Je nachdem, wie schwer die Hunde verletzt sind, sind diese Kosten unterschiedlich hoch. „Die Tiere sind mein Leben. Ich freue mich immer, wenn ich Hunden ein tolles Zuhause vermitteln kann und dabei der Kontakt mit der neuen Familie lange bestehen bleibt. Ich habe einige Familien, die mir ab und an Fotos der Hunde per WhatsApp zukommen lassen. Die Tiere so glücklich zu sehen, macht mich anschließend selbst unfassbar glücklich“, so Angelika.

Für Ludmilla Hirsch spielt der Aspekt der Heimat bei ihrer Freiwilligenarbeit eine sehr große Rolle. „Kasachstan wird immer unser Mutterland bleiben. Die Rettung von Tieren trägt einen sehr wichtigen Teil dazu bei, unser Heimatland zu einem besseren Ort zu machen. Ich würde mir freuen, wenn noch mehr Spätaussiedler unsere Arbeit unterstützen würden.“
„Tierrettung bedeutet Teamarbeit“, betont Romina Issabayeva. „Keine unserer Gruppen und kein einzelner von uns könnte diese wichtige Arbeit allein durchführen. Daher ist es wichtig, dass wir auch in Zukunft miteinander kooperieren. Wir können natürlich nicht allen Hunden helfen, davon gibt es in ganz Kasachstan leider viel zu viele. Aber es ist besser, immerhin denen vor Ort in der Region Almaty zu helfen, als vollkommen tatenlos zuzusehen.“

So konnte auch Zlata ihrem Schicksal in Kasachstan entrinnen. Mit Hilfe der Tierrettung hat sie nun ein Zuhause gefunden, in dem sie geliebt wird. Sie wird nun aktiv als Therapiehund für Kinder eingesetzt. Die Organisation, sowie die anderen Volontäre sind auf Spenden angewiesen, um noch weiteren Hunden wie Zlata ein schöneres Leben zu ermöglichen.

So können Sie helfen

Spenden auf das Volksbank-Konto:
Deutsche Skatbank, Zweigniederlassung der VR Bank Altenburger Land eG
IBAN: DE17 8306 5408 0005 2337 63
BIC: GENODEF1SLR

Oder direkt über den PayPal-Link auf der Website der Organisation https://www.hunderettung-kasachstan.de.

Weitere Infos finden Sie auch auf der Facebook-Seite Hunderettung Kasachstan e.V. (https://www.facebook.com/groups/554191259071424/?ref=share_group_link)

Annabel Rosin

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