Die globale Pandemie hat alle Lebensbereiche befallen – vom Gesundheitswesen bis hin zur Industrieproduktion. Im positiven Sinne aber auch die Umwelt. Denn während die Wirtschaft unter Stagnation oder gar Rezession leidet, verbessert sich die ökologische Situation deutlich. Im Zuge der Quarantänephase zeigen sich Ergebnisse von Verschmutzungsindikatoren, die einen nur staunen lassen.

Am 15. März wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Seitdem gab es bis April einen kolossalen Rückgang des Gehalts an Schwefel- und Stickstoffdioxiden, Stickoxiden und Kohlenstoff. Wurden im März 318 überschüssige Schwefeldioxidemissionen registriert, waren es im April lediglich acht. Vergleicht man die Daten für den ersten Monat der Quarantäne, so zeigt sich, dass die Schadstoffkonzentration in der Luft durchschnittlich um das 1,5- bis 2-fache gesunken ist. Diese Zahlen mögen vernachlässigbar erscheinen. Aber wenn man die statistischen Reihen weiter abdeckt, wird klar, dass von Februar bis April der Gehalt an demselben Schwefeldioxid um 70 Prozent, an Stickstoffdioxid um 54 Prozent, und an Schwefelwasserstoff um 40 Prozent gesunken ist.

Eine solche Remission unterstützt einen positiven Trend, der besonders wichtig für bergige, schlecht durchlüftete Gebiete ist, in denen Feinstaub und schädliche gasförmige Verunreinigungen verweilen. Die Verbesserung ist sogar mit bloßem Auge zu sehen: Viele Stadtbewohner berichten, dass der Smog-Schleier für eine Weile verdampft ist. Man könne nun sogar von den Höhen des Kök-Töbe das Treiben in Almaty in allen Einzelheiten beobachten.

Unterschiedliche Ausirkungen auf Flüsse und Seen

Was die Hydrosphäre betrifft, hat sich der Zustand vieler Wasserressorts erheblich verbessert, da Industrieabfälle nicht mehr dorthin entsorgt wurden. Besonders ermutigend sind die Indikatoren aus den Flüssen Süd- und Südostkasachstans: Die Wasserqualität hat sich beispielsweise in Syr-Darja, Schu, Ili und ihren zahlreichen Nebenflüssen verbessert. Zwar können sich nicht alle Regionen des Landes solcher Daten rühmen: In Nordkasachstan hat sich der Zustand der Flüsse nicht überwiegend verändert, während er sich in den zentralen und östlichen Gebieten verschlechtert hat. In diesen Fällen kann man leider nur auf das Beste hoffen und auf entsprechende Maßnahmen warten.

Zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder in Kasachstan gesichtet: der Schneeleopard

Die Quarantäne wirkte sich auch auf die Fauna des Landes aus. Sicher gab es hierzulande keine derart spektakulären Ereignisse wie die jüngste Rückkehr von Delfinen nach Venedig – sieht man einmal von der ersten Fotoaufnahme von Schneeleoparden am Großen Almatiner See seit etwa 30 Jahren ab. Aber es lässt sich dennoch ein positives Fazit ziehen: Die Wilderei ging prozentual zurück, so dass die Populationen verschiedener Tierarten gute Wachstumschancen haben.

Renaissance der Ökologie in Kasachstan

Zusammenfassend kann man sagen, dass es eine deutliche Verbesserung des natürlichen Gleichgewichts gegeben hat. Eines ist traurig: Momenterfolge sind immer schwer zu halten. Die Ökologie ist ein kompliziertes System mit einer Vielzahl von Bedingungen und Abhängigkeiten. Es ist und bleibt fragil und sehr schwer wiederherzustellen. Stabilität lässt sich nur durch Sorgfalt und rechtzeitiges Eingreifen, vielfältige Entwicklung sauberer Technologien und die Wirtschaft garantieren.

Kasachstan ist wie viele andere Länder mit einer guten Ausgangsposition für eine Renaissance der Ökologie gesegnet. Es gibt die Hoffnung darauf, dass das Land diese Chance mit Bedacht nutzen wird.

Yana Ivchenko, 18. Gymnasium in Almaty