Das hat die Zeitschrift „ZEITmagazin Leben“ ermittelt. Wollen wir doch mal sehen. Mein Blick sucht Köln. Ne! Nix und niemand von den 50 reichsten Deutschen lebt in Köln. Wieso denn nicht?

Köln ist doch die viertgrößte Stadt Deutschlands. Ich glaube, wir Kölner feiern zu gern. Wer viel Geld verdienen möchte, muss hart arbeiten, das liegt uns nicht so. Und wenn wir mal was verdienen, tragen wir es sofort wieder in die Kneipen und gönnen uns die Luxusausgabe der Karnevalskostüme.

Und im Umfeld? Na, im Ruhrgebiet leben einige der Reichen und in Bonn die Brüder der Firma Haribo. Klar. Weingummi macht reich, weil jeder gern Weingummi von Haribo isst – weltweit. Sogar mein Rechtschreibprogramm muckt bei „Haribo“ nicht auf, erkennt das wie selbstverständlich als alltäglichen Begriff an, den man ebenso zur Verständigung braucht, während es zum Beispiel die „Migranten“ immer noch nicht gibt. Aber zurück zu den Reichen. In den ostdeutschen Bundesländern ist gar niemand aus dieser hohen Einkommensklasse zu finden, was jetzt nicht wirklich wundert, sonst müssten wir ja nicht den Solidaritätszuschlag zahlen. Nur zwei leben in Berlin, was mir ein wenig unverhältnismäßig vorkommt, dafür ganze zehn in Hamburg. Acht haben wir in Bayern, auch nicht überraschend, in Bayern geht es vielen gut, da ist das Leben noch in Ordnung. Man ist fleißig, diszipliniert und spart.

Von Bayern aus ist man auch schnell in der Schweiz, wo acht der reichsten Deutschen leben. Klar! Wenn ich viel Geld hätte, würde ich auch gern in der Schweiz leben. Dann haben wir eine Häufung im Rhein-/Main-Gebiet. Ob das Reichsein mit der Flusslage zusammenhängt, lässt sich nur spekulieren. Aber ein gewisser Zusammenhang erscheint plausibel. Von wegen Kaufleute, Handel und so.

Und schließlich finden sich noch Reiche vereinzelt sonst wo. Alles Ortsnamen, die nichts Besonderes verheißen, die nach Pampa und Reihenhäusern klingen. Aber vielleicht tue ich ihnen Unrecht. Denn irgendwas müssen die Orte ja haben, dass man da lebt, obwohl man viel Geld hat. Womöglich die Familienbindung. Oder eine große Villa. Hätte ich eine große Villa mit vielen Sälen, je einen Tanzsalon für das Menuett, die Parties und die Standardtänze, einen Frisiersalon, das Bügelkabinett, die Gemächer, Gewölbe und Prunksäle, die Weinberge drum herum und das Einhorn im Park, dann wäre ich auch bereit, in solchen Käffern wie Allendorf, Ehingen oder sogar Künzelsau zu leben.

Dann könnte ich nämlich mit meinem Privathubschrauber schnellstens in die Metropolen zu den anderen Reichen auf einen kurzen Champagnerumtrunk fliegen. Aber ach! das bleibt wohl Phantasie. Denn schließlich bin ich bekennende Kölnerin und, wie wir der Karte entnehmen, – Kölner sind nicht reich.

Julia Siebert

06/06/08