Den Puls Europas fühlen

Die Teilnehmer des Medienseminars bei einer Demonstration von “Pulse of Europe” in Frankfurt/Main. | Foto: Autorin

Ein Medienseminar in Deutschland hat 14 Teilnehmern aus drei Ländern einen spannenden Einblick in die deutsche Medienlandschaft und Demokratie ermöglicht. Anfang August fand in Frankfurt am Main das Seminar „Medien und Meinungen“ statt. Das Goethe-Institut Kasachstan und der Jugend International e.V. luden zu einem umfassenden Medienseminar ein. Unter den jungen Nachwuchs-Medienmachern waren Ukrainer und Polen und fünf Kasachstandeutsche. Unsere Autorin berichtet von der erlebnisreichen Woche.

Am ersten Tag haben wir die Stadt erkundet, waren auf dem Römer, im Kaisersaal und auf dem Domturm. Dietmar Falk hat uns sehr viel über die deutschen Kaiser erzählt, wir haben viel über die deutsche Geschichte und Frankfurt erfahren. Außerdem hatten wir viel Glück und konnten bei einer politischen Demonstration zusehen und zuhören. Das ist sehr wichtig für unser Seminarthema. Die Aktivisten von „Pulse of Europe“ trafen sich auf dem Goetheplatz, im Rothschildpark haben wir im Anschluss ihrer Diskussion zugehört. Die Leute sind politisch aktiv, das gefällt mir.

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Den nächsten Tag in Frankfurt haben wir mit einem Seminar begonnen. Wir haben uns mit der Geschichte, die für Einwohner der Stadt und ihre Identität wichtig ist, beschäftigt. Danach wurde eine Diskussion geführt, ob es eine gute Idee war, die nach dem 2. Weltkrieg zerstörte Stadt zu rekonstruieren. Jeder hat seine Meinung geäußert. Da wir an einer Demonstration „Puls of Europe“ teilgenommen haben, sprachen wir auch über die Zukunft der EU. Nach dem Mittagessen haben wir das Goethe-Haus besucht. Es war interessant, die Geschichte der Familie von Goethe kennenzulernen. Mir hat die Entstehungsgeschichte des Gedichtes “Gingo Biloba“ sehr gefallen. Am Abend haben wir eine Feuerwerksshow gesehen.

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Unseren Dienstag begannen wir wie immer mit einem Seminar. Wir haben über Dr. Daniel Röder und seine Organisation „Pulse of Europe“ diskutiert.

Danach haben wir das berühmte Höhlengleichnis von Platon besprochen. Gleich nach dem Seminar sind wir alle zusammen ins Karikaturen-Museum in Frankfurt gegangen. Dort haben wir die Ausstellung „Animalismus“ von Frank Hoppmann gesehen. Der Autor hat die Persönlichkeiten von berühmten Menschen aus der Medienwelt auf eine lustige und gleichzeitig etwas abstoßende Weise dargestellt.

Die Karikaturen haben bei uns verschiedene Reaktionen ausgelöst. Später haben wir die Ausstellung „Peace“ in der Kunsthalle Schirn besucht. Es war eine Sammlung voller Kunstwerke verschiedener Künstler aus der ganzen Welt. Dabei griffen alle das Thema Frieden auf. Die Ausstellung war sehr interessant und gab jedem von uns zu denken. Nach dem Abendessen haben wir im Kino den Film „Deportation Class“ angeschaut. Dieser Dokumentarfilm zeichnet ein Bild staatlicher Zwangsmaßnahmen bei der Abschiebung von Familien. Es war ein eindrucksvoller Tag voller Erlebnisse.

Am Mittwoch versammelten wir uns wie immer im Seminar und diskutierten über die Ausstellungen, die wir am Vortag besucht hatten: das Karikaturen-Museum und die Schirn-Kunsthalle. Nach einer Pause besprachen wir den Film „Deportation Class“, den wir am vorigen Abend im Harmonie-Kino in Sachsenhausen gesehen hatten. Der Film behandelt ein sehr aktuelles Thema; das Filmteam hatte die Abschiebung von zwei albanischen Familien aus Deutschland zurück nach Albanien mit der Kamera begleitet. Am Nachmittag fuhren wir mit der U-Bahn zur Deutschen Börse. Das Gebäude, das sehr modern ist und über 20 Stockwerke hat, überraschte uns.

An der Rezeption erhielt jeder einen persönlichen Besucherausweis. Die Börse sammelt auch Kunst. Wir wurden von Frau König durch die Ausstellung „Work and Pleasure“ geführt. Die Fotografien waren sehr interessant, weil sie aus verschiedenen Ländern stammten (USA, Russland, Deutschland, Frankreich usw.).

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Am Donnerstag besuchten wir die Radiosender Hit Radio FFH, Planet Radio und Harmony.fm. Dort erhielten wir eine Führung durch die Studios und haben gelernt, wie Radio funktioniert.

Am Freitag, dem letzten Tag unseres Seminars, fuhren wir nach Fulda, unweit von Frankfurt. In der Stadt gibt es den Fuldaer Offenen Kanal. Ein Redakteur erzählte und zeigte uns, wie der Kanal funktioniert. Wir konnten an der Entstehung einer Sendung teilnehmen. Zuerst haben wir das Thema gewählt – „Stadt-Vergleich“, dann wurden wir in drei Gruppen aufgeteilt: zwei Gruppen sollten Menschen auf der Straße nach vorgegebenen Fragen interviewen, die dritte Gruppe blieb im Studio.

Nachdem alle drei Aufnahmen gedreht worden waren, wurden sie zu einem Video zusammengeschnitten. Der Umgang mit der professionellen Technik und das Interviewen der Befragten werden für uns in der Zukunft nützlich sein.

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Am Abend kamen wir nach Frankfurt zurück und gingen in ein echtes deutsches Restaurant, dort haben wir ein traditionelles Gericht aus Frankfurt gegessen (Vorspeise und Schnitzel).

Wir danken herzlich Dietmar Falk und Margaretha vom Goethe-Institut und Jugend International e.V. für das interessante und informative Seminar! Wir hatten viel Spaß. Es war eine sehr schöne und wichtige Erfahrung!