Fast eine Million Deutsche lebten vor dem Zerfall der Sowjetunion im heutigen Kasachstan. Einige haben es zu großer Bekanntheit gebracht, wie der Schriftsteller Herold Belger oder der Hockey-Trainer Eduard Airich. Doch es gibt noch eine Reihe zahlreicher weiterer kasachstandeutscher Persönlichkeiten, die auf ihrem Gebiet herausragend waren, doch bisher kaum wahrgenommen wurden.

Diese Kasachstandeutschen bekannter zu machen, hat sich die Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ zur Aufgabe gemacht. Um einen Überblick zu erhalten, fand am vergangenen Mittwoch die Konferenz „Deutsche Kasachstans: Menschen, Ereignisse, Epochen“ statt. Mehr als 50 Wissenschaftler, Archivare und Interessierte aus Kasachstan, Deutschland, Russland und Japan waren dazu in die Nationale Akademische Bibliothek in Astana gekommen.

„Es ist bereits heute nur noch schwer festzustellen, was Kasachstandeutsche in der Sowjetunion alles geleistet haben. Und es wird immer schwieriger: Nach und nach werden sie vergessen“, sagte Vladimir Auman, Historiker und Leiter des vor zwei Jahren gestarteten Projektes „Berühmte Deutsche Kasachstans“. Im Rahmen dieses Projektes wurden bereits vier Bücher veröffentlicht, die das Leben von Herold Belger, Eduard Airich, Ernst Boos (Physiker) und Heinrich Gossen (Agrarwissenschaftler) beleuchten.

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Albert Rau, Abgeordneter in der Maschilis und Vorsitzender der „Wiedergeburt“, erinnerte zur Eröffnung der Konferenz daran, dass die in der Sowjetunion lebenden Deutschen trotz der Repressionen herausragten. „Es waren zehntausende Deutsche, die aufgrund ihres angeborenen Fleißes, ihrer Standhaftigkeit und Hingabe an nationale Werte einen bedeutenden Beitrag auf ihren jeweiligen Gebieten leisteten.“

Rau, der selbst aus der Wirtschaft stammt, betonte die besondere Rolle der kasachstandeutschen Unternehmer in den deutsch-kasachischen Wirtschaftsbeziehungen. Einer der erfolgreichsten ist beispielsweise Iwan Sauer, Generaldirektor des Agrarunternehmens „Rodina” (zu dt. „Heimat“), das im Akmola Gebiet als Pilotprojekt für die Privatisierung der Landwirtschaft in Kasachstan gilt. Sophie Wagner war extra aus der Nähe von Hamburg angereist, um über Jakob Brecht zu sprechen. Brecht war zu Sowjetzeiten Vorsitzender der Kolchose „Kirowa“ im Gebiet Pawlodar.

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Doch auch Künstler, Ärzte oder Geistliche mit deutschem Hintergrund haben ihre Spuren in der Geschichte Kasachstans und der Sowjetunion hinterlassen. Die DAZ berichtete zum Beispiel schon mehrfach über die Schauspielerin und Autorin Rose Steinmark oder die Maler Leonid Brümmer und Heinrich Vogeler. Der Organist und Komponist Oskar Geilfuß studierte am Konservatorium in Alma-Ata. Er sammelte deutsche Volkslieder, komponierte Sinfonien, Konzerte für Klavier und Posaune sowie Kinderlieder. Mit der Oper „Richard Sorge“ erlangte er weltweite Bekanntheit. 1981 starb er im baden-württembergischen Sindelfingen.

Weitere bekannte Kasachstandeutsche, die auf der Konferenz präsentiert wurden, waren: die Landwirte Jakob Gering, Eduard Schuller, Albert Herr und Iwan Scharf, Wladimir Feld (Minenarbeiter), Wiktor Seibert (Archäologe), Wiktor Fink (Arzt), Waldimir Baumeister (Chirurg), Willy Belz (Pädagoge), Pater Josef Neigum, Wladimir Klink (Museumsdirektor) und Pawel Salzmann (Maler und Schriftsteller).

Ein Ziel der Konferenz war es auch herauszufinden, über welche Person als nächstes publiziert werden soll. Zudem sei es wichtig, dass diese Werke nicht nur auf Russisch erscheinen, sondern auch ins Deutsche und ins Kasachische übersetzt werden, stimmten die Teilnehmenden überein.

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