Heinrich Vogeler – Das tragische Schicksal eines Künstlers

Am 12. Dezember 2017 war der 145. Geburtstag des Malers Heinrich Vogeler.
Am 12. Dezember 2017 war der 145. Geburtstag des Malers Heinrich Vogeler. | Bild: DAZ-Archiv

Am 12. Dezember 2017 war der 145. Geburtstag des Malers Heinrich Vogeler. In Bremen geboren, schloss er sich der kommunistischen Partei an und siedelte nach der Machergreifung durch die Nationalsozialisten in die Sowjetunion über. Dort wurde er in die Region Karaganda deportiert, wo er 1942 starb. Wir erinnern an das tragische Schicksal des Künstlers.

Gebirgslandschaft in Kabardino-Balkarien. Berlin.

Maler, Philosoph und Poet – das alles war Heinrich Vogeler. Der Künstler wurde am 12. Dezember 1872 in Bremen geboren. Er absolvierte ein Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf, wo er aufgrund seines Talents und seiner aktiven Lebenshaltung Bekanntschaft erlangte. Er gilt als einer der Begründer des Jugendstils in Deutschland. Der Stil des Künstlers veränderte sich im Laufe seines gesamten Lebens bis hin zum sozialistischen Realismus. Neben Gemälden hat Heinrich Vogeler auch Architekturprojekte vollendet, Gedichte geschrieben und Bücher gestaltet.

 

 

Künstler, Philosoph, Antifaschist und Aufklärer.
Künstler, Philosoph, Antifaschist und Aufklärer. | Bild: DAZ-Archiv

Bereits im Sommer 2015 errichtete das deutsche Zentrum „Wiedergeburt“ ein Ehrenmal zur Erinnerung an Heinrich Vogeler an seinem Grab in Kornejewka im Gebiet Karaganda. Dies wurde mit Unterstützung der deutschen Botschaft in Kasachstan ermöglicht und von Aktivisten bereits 1999 in die Wege geleitet. Geschaffen wurde das Denkmal von den Künstlern Marat Dschunusow und Anatolii Bilik. Die Enthüllung des Denkmals erfolgte am 28. August, einem für alle ethnischen Deutschen tragischen Gedenktag, an dem die Autonome Republik der Wolgadeutschen aufgelöst wurde und die Deportationszeit begann.

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In der neuen Heimat unwillkommen

Die Erwartung (Träume II). Nürnberg. Germanisches Nationalmuseum.

In den 20er Jahren war Vogeler der kommunistischen Partei beigetreten und war später, nachdem die Faschisten an die Macht gekommen waren, gezwungen, seine Heimat zu verlassen und in die Sowjetunion überzusiedeln, wo er aktive antifaschistische Publizistik betrieben hat. Er ist sehr viel durchs Land gereist und hat ganze Serien von Bildern und Zeichnungen erstellt. Seine Werke wurden von angesehenen Museen erworben, darunter auch die Ermitage. Ungeachtet all seiner Verdienste wurde Heinrich Vogeler, wie auch alle anderen Deutschen, im Jahr 1941 in die Kasachische SSR in die Region Karaganda deportiert.

 

 

 

Das Leben in Kasachstan und die schwere Zeit der Deportation haben den talentierten Menschen verändert. Im Juni 1942 stirbt der seinerzeit bekannte, aber über die Kriegsjahre vergessene Maler an Hunger und Erschöpfung in Kornejewka, in der Region Karaganda, wo er auch begraben wurde. Das Kreuz, das an seinem Grab angebracht wurde, verwitterte mit der Zeit. Deshalb wurde beschlossen, zur Erinnerung an den talentierten Künstler ein Denkmal für zukünftige Generationen zu errichten.

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Olga Stein, Leiterin des Bildungs- und Informationszentrums (BIZ) in Karaganda, sagte damals:

Alles begann vor über zwei Jahren, als ich von meinem deutschen Kollegen, dem Worpsweder Dr. Michael Drees, eine E-Mail bekommen habe. Er war durch Kasachstan gereist und hatte die vermeintliche Grabstätte des Künstlers Heinrich Vogeler besucht. Die Bilder, die er mir geschickt hat, haben mich in einen Schockzustand versetzt. Am Grab des Künstlers internationaler Bekanntheit ‚prangte‘ ein von Rissen durchzogenes, halb verfaultes Kreuz, umgeben von hüfthohem Gras. Ein Gefühl völliger Verwahrlosung und Leere ließ mich nicht mehr los.

Haus in der Siedlung Wilga.
Haus in der Siedlung Wilga.

Heinrich Vogeler, Künstler und Philosoph, Antifaschist und Journalist, Aufklärer und Pädagoge, leistete einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung der bildenden Kunst – und das nicht nur in der Region Karaganda. Seine Werke sind Inbegriff der modernen Kunst. Der Künstler, dessen Weg in Karaganda endete, gilt zu Recht als Legende der Stadt. Jedoch scheint es, dass es nach seinem Tod gar keinen ehrwürdigen Ort gibt, den man aufsuchen kann, um sich vor seiner Asche zu verneigen. Wir haben lange mit Herrn Drees darüber gesprochen, was in dieser Situation unternommen werden kann. Dessen Aufsuchen verschiedenster Instanzen in Deutschland und Appelle an die Heinrich-Vogeler-Gesellschaft in Worpswede blieben erfolglos.

Aus eigener Kraft sind Mitglieder eines Jugendclubs von Karaganda in den abgelegenen Ort Kornejewka gefahren, haben das Grab in Ordnung gebracht und ein Kreuz aufgestellt. Das Grab benötigte allerdings mehr Zuwendung. Die Idee zur Errichtung einer Gedenktafel wurde von der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland gefördert, indem Mittel zur Anfertigung des Grabsteins und dessen Errichtung zur Verfügung gestellt wurden.

Frühling. (Porträt von Martha Vogeler).
Frühling. (Porträt von Martha Vogeler).

Für unsere Stadt, für die Allgemeinheit ist das zweifelsohne von außerordentlicher Bedeutung. Heinrich Vogeler gehört zu den ersten Lehrern der ersten Künstler in Karaganda, die im Grunde genommen die Entstehung der bildenden Kunst in Karaganda ins Leben gerufen haben. Der entkräftete kommunistische Künstler, der glänzendste Vertreter des Jugendstils, Heinrich Vogeler, wurde Opfer der Repressionen gegenüber Russlanddeutschen. Das Errichten einer Gedenktafel zu Ehren des Künstlers, Architekten, Philosophen, Pädagogen und Antifaschisten ist wohl das Mindeste, was wir zur Erinnerung an einen so außergewöhnlichen Menschen tun können: ‚Der Träumer ging verloren, seine Träume bleiben.‘“

Übersetzung aus dem Russischen von Claudia Schwaiger