Gegen den Strom: Evangelische Kirchengemeinden entlang der Seidenstraße – Teil 3

Die Gruppe auf dem Pamir-Highway, der an der afghanischen Grenze entlangführt.
Die Gruppe auf dem Pamir-Highway, der an der afghanischen Grenze entlangführt. | Bild: Uwe Seidner

Was kann man Besonderes in einem Jahr machen, in dem 500 Jahre Reformation gefeiert werden? Eine Gruppe junger Erwachsener aus den deutschsprachigen Gemeinden Wolkendorf und Heltau in Rumänien war zwei Monate lang mit dem Kleinbus auf der Seidenstraße unterwegs, um evangelische Gemeinden im Jahr der Reformation zu besuchen. In der DAZ berichtet Pfarrer Uwe Seidner in mehreren Teilen von ihrer Reise, die von Rumänien über den Iran und Zentralasien nach China führte.

Wir verließen die usbekische Hauptstadt Taschkent in Richtung Tadschikistan. Tadschikistan ist die ärmste Republik der ehemaligen Sowjetstaaten. Das Land besteht aus neunzig Prozent karger Gebirgslandschaft. Nur sieben Prozent des Landes sind landwirtschaftlich nutzbar. Das Land verfügt weder über Öl– noch Gasvorkommen. Der Großteil der Bevölkerung lebt in sehr bescheidenen Verhältnissen und muss mit etwa einem Euro pro Tag auskommen. Von 1992 bis 1997 tobte ein Bürgerkrieg in Tadschikistan, von dessen Folgen sich das Land noch heute erholt.

Über eine der gefährlichsten Passstraßen der Welt und durch den angeblich gefährlichsten Straßentunnel der Welt ging es in die Hauptstadt Duschanbe. Der Name der Stadt bedeutet im Tadschikischen, einem Dialekt des Persischen, „Montag“ und bezieht sich auf die Montagsmärkte, die es hier einst gab.

Wo kommen die ganzen Luxusautos her?

Die kargen Mondlandschaften werden immer wieder von blauen Bergseen unterbrochen.
Die kargen Mondlandschaften werden immer wieder von blauen Bergseen unterbrochen. | Bild: Uwe Seidner

In Duschanbe stand bis 2014 mit 165 Metern der größte Fahnenmast der Welt. Dann errichtete die Stadt Dschidda in Saudi-Arabien einen Fahnenmast, der ganze sechs Meter höher ist. Überraschenderweise sehen wir viele Luxusfahrzeuge in der Stadt. Viele gelten in Europa als gestohlen. Interpol hat ermittelt, dass eine sehr gut organisierte Autoschiebermafia die Fahrzeuge über Vilnius und Moskau auf Zügen in Containern bis Tadschikistan schmuggelt. Obwohl einige der Fahrzeuge nachweislich aus Deutschland stammen, werden sie nicht ausgeliefert.

In Duschanbe war ursprünglich ein Besuch der dortigen evangelischen Gemeinde geplant. Doch schon im Vorfeld hatten wir von Bischof Alfred Eichholz aus dem kirgisischen Bischkek erfahren, dass die Gemeinde aus unterschiedlichen Gründen aufgelöst worden war.

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Entwicklungshilfe aus Deutschland

In Tadschikistan sind verschiedene Organisationen im Bereich Entwicklungshilfe aktiv, zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). Sie führt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) Vorhaben für die Entwicklung strukturschwacher Länder durch.

Kirgisische Gastfreundschaft: Frühstück in der Jurte.
Kirgisische Gastfreundschaft: Frühstück in der Jurte. | Bild: R.Richard

Wir hatten ein Treffen mit Thomas Lux, dem Portfoliomanager der GIZ in Tadschikistan, arrangiert. Er bot uns einen ausführlichen Einblick in die Arbeit der GIZ, die bereits seit 1995 den Aufbau des Landes in den Bereichen nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Gesundheit unterstützt. Während unseres Besuches stand auf der Agenda von Lux auch eine Dienstreise in die autonome Region Berg-Badachschan im Pamirgebirge an, um sich dort mit Partnern eines Wirtschaftsförderungsprojektes zu treffen. Berg-Badachschan lag auch auf unserem weiteren Weg und so durften wir uns der Delegation anschließen.

Wir starteten unsere Expedition auf dem legendären „Pamir-Highway“. An der (noch) höchsten Talsperre der Welt, dem Nurek-Staudamm, hielten wir und Thomas Lux wies uns auf ein Projekt hin, das durch das BMZ finanziell gefördert wird. Es handelt sich dabei um eine Verteilerstation des Wasserkraftwerkes Nurek, welches im Rahmen eines Vorhabens der KfW-Bank gebaut wurde. Mit dem riesigen Staudamm wird die Stromerzeugung Tadschikistans gesichert.

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Yak, Yak, Yak

Typischer Bewohner des Pamirs: Ein Yak.
Typischer Bewohner des Pamirs: Ein Yak. | Bild: R.Richard

Ab Chrorog, der Hauptstadt der autonomen Region Berg-Badachschan, trennten sich unsere Wege. Entlang des reißenden Vanj-Flusses ging es über 700 km die Afghanische Grenze entlang. Karge Mondlandschaften und Siebentausender säumten unseren Weg. Wir überquerten die zweithöchste Passstraße der Welt: den Ak-Baital Pass (4655 m). Im Hintergrund: der Hindukusch.

Die Grenze zwischen Tadschikistan und Afghanistan gehört zu einer der bestbewachten Grenzen der Welt. Soldaten patrouillieren, Scharfschützen halten die Stellung. Der Grund ist nicht der Krieg in Afghanistan, wie man wohl meinen würde, sondern der Opium– und Heroinschmuggel. In der Vergangenheit wurden in dieser einsamen Landschaft bereits Tonnen an Rauschgift sichergestellt.

Das Pamirgebirge, auch Dach der Welt genannt, ist sehr dünn besiedelt. Nur im Wachan-Korridor, einem fruchtbaren Tal, das sich auf die beiden Länder aufteilt, gibt es Siedlungen. Die Einwohner dieses Landstrichs werden Pamiri genannt und gehören der Glaubensrichtung der Ismaeliten an, ein Zweig des schiitischen Islams. Nur sehr langsam kamen wir voran durch diese atemberaubenden Berglandschaften. Unterwegs, nach Einbruch der Dunkelheit, kehrten wir bei Einheimischen ein.

Bevor wir die Grenze zu Kirgistan erreichten, trafen wir durch Zufall eine kirgisische Nomadenfamilie. Sie lud uns ein, über Nacht zu bleiben. Auf 4200 Metern übernachteten wir in einer Jurte. Zum Frühstück gab es vor allem Yak-Produkte: Yak-Milch, Yak-Butter, Yak-Käse, Yak-Joghurt und Eier. Wir haben die Gastfreundschaft der einheimischen Bevölkerung sehr schätzen gelernt. Das Wenige das sie hatten, haben sie sehr gerne mit uns geteilt.