Die Nasarbajew-Schulen in Kasachstan bestehen neben den staatlichen Schulen, haben ein eigenes Budget und eigene Lehrpläne. An den beiden Einrichtungen in Almaty wird auch Deutsch nach dem DSD-Programm unterrichtet. Zum zweiten Mal sind ihre Schüler nun nach erfolgreicher Deutschprüfung mit DSD-I-Diplomen ausgezeichnet worden.

„Wie viele Sprachen du sprichst, so oft bist du Mensch.“ Das Zitat, das sowohl Goethe als auch Tschechow zugeschrieben wird, erklang am Freitag in der Aula der Nasarbajew-Schule für Biologie und Chemie im Almatiner Stadtteil Kalkaman, als die Schulleiterin Gulmira Munkejewa 22 Schülern zu einer besonderen Leistung gratulierte. Die Jungen und Mädchen bekamen an diesem Tag für ihre bestandenen Deutschprüfungen das Deutsche Sprachdiplom der Stufe I (DSD I) überreicht, das einem Sprachniveau von B1 entspricht. Unter den DSD-I-Absolventen waren dabei auch zahlreiche Schüler der Nasarbajew-Universität für Physik und Mathematik, die im Stadtteil Gorny Gigant liegt.

Das DSD-I-Diplom berechtigt die Jugendlichen beider Schulen zur späteren Teilnahme an einem Studienkolleg, wo sie sich ein Jahr lang auf das Studium an einer deutschen Universität vorbereiten. Geht es nach Mario Schönfeld, der als Fachberater für Deutsch in Kasachstan die Sprachdiplome aushändigte, soll das aber nicht alles sein. „Wir haben nicht nur erfolgreiche DSD-Diplomanden, sondern auch Absolventen beider Nasarbajew-Schulen, die in Deutschland bereits ein Studium aufgenommen haben“, sagte Schönfeld am Freitag in Kalkaman. Er wünschte deshalb den Schülern, dass sie nun ihren Weg weitergehen und später auch das DSD-II-Diplom erwerben, das dem Niveau B2/C1 entspricht.

Denn seit zwei Jahren dürfen Absolventen beider Nasarbajew-Schulen ein Studium in Deutschland auch direkt ohne vorheriges Studienkolleg aufnehmen, wenn sie die Schule mit einem Deutschniveau von B2 oder C1 beenden. Das gilt für die naturwissenschaftlichen Fächer, für Medizin, Sport und Sprachen. Im Studienfach Wirtschaft bleibt das Studienkolleg allerdings auch dann verpflichtend, wenn die Absolventen ein DSD-II-Diplom erworben haben.

Viel mehr Bewerber als Plätze

Die „Nasarbajew Intellectual Schools“ (NIS) bilden in Kasachstan ein Netzwerk aus insgesamt 20 Schulen. Sie bestehen neben den staatlichen Schulen, haben aber eigene Budgets, Verantwortlichkeiten sowie einen eigenen Lehrplan, der gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt wurde. Der Unterricht beginnt ab der Klassenstufe 7, wird komplett aus dem Budget der Schulen finanziert und ist somit für die Schüler und ihre Familien kostenlos. Die Zahl der Bewerber ist aber um ein Vielfaches höher als die Zahl der verfügbaren Plätze. So kommen allein in Almaty auf 120 bis 200 Plätze in der siebten Klasse etwa 10.000 Bewerber. Viele der Lehrkräfte kommen aus Übersee, ab der zehnten Klasse läuft der Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern auf Englisch.

Die beiden Nasarbajew-Schulen in Almaty werden zudem von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, das Schönfeld in Kasachstan vertritt, personell und materiell unterstützt. Die ZfA hat während des Schuljahres 2015/16 mit der autonomen Bildungsorganisation der NIS ein Memorandum erarbeitet, das im Juni 2016 unterzeichnet wurde und die Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen regelt. Die ZfA liefert den Schulen das DSD-Programm, nach dem unterrichtet wird, und bietet die kostenfreie Teilnahme an den DSD-I- und DSD-II-Prüfungen an.

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Die Nasarbajew-Schule in Gorny Gigant ist bereits offiziell anerkannte DSD-Schule, da sie die ZfA-Kriterien dafür früh erfüllt hat – hierzu zählt vor allem das Potential, um innerhalb von drei Jahren mindestens zwölf Schüler für die DSD-I-Prüfung fit zu machen. Anders die Schule in Kalkaman, die bislang nur als DSD-I-Zubringerschule für die Schwestereinrichtung in Gorny Gigant anerkannt war. Als solche zählen Schulen, die zwar nach dem DSD-Programm arbeiten und von der ZfA als förderwürdig eingestuft werden, bestimmte Kriterien wie die Mindestzahl von Prüflingen aber eben noch nicht erfüllen und die Schüler deshalb an eine offiziell anerkannte DSD-Schule schicken. So sind beispielsweise auch beide Nasarbajew-Schulen in Almaty Zubringerschulen für andere Schulen, wenn es um das große C1-Sprachdiplom (DSD-II) geht.

Schönfeld sieht mittlerweile an der Schule in Kalkaman das Potential, regelmäßig die nötige Anzahl von DSD-I-Prüflingen zu erreichen. Deshalb hat er einen Antrag gestellt, dass auch sie bis 2021 als eigenständige DSD-Schule anerkannt wird. Für die Schule würde das einen großen Vorteil mit sich bringen: Einrichtungen, die als DSD-Schulen anerkannt sind, können nämlich auch PASCH-Schulen werden. Das ermöglicht es ihnen wiederum, Schüleraustauschprogramme über die Partnerschaft mit einer deutschen Schule umzusetzen.

Von Christoph Strauch

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