Lateinisches Alphabet vorgestellt

Kasachische Zeitung Sotsijaldi Qazaqstan, veröffentlicht in lateinischer Schrift in der Kasachischen SSR 1937. | Bild: kzworld.org

Lateinische Schriftzeichen anstelle des kyrillischen Alphabets – bis 2025 will Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew dieses Vorhaben vollständig umsetzen. Für das Land bedeutet dies eine enorme Umstellung. Neu ist die Idee allerdings nicht.

Kasachstan erhält ein neues Alphabet. Anstatt des kyrillischen АБВ soll das Alphabet künftig mit ABC beginnen. Präsident Nursultan Nasarbajew präsentierte 2012 erstmals im Rahmen der Strategie-2050 sein Vorhaben, das kasachische Alphabet auf Latein umzustellen. Am
11. September wurde ein 25 Buchstaben umfassendes Alphabet dem Parlament vorgelegt, das das aktuelle kyrillische Alphabet mit 42 Buchstaben ersetzen soll.

Das neue Alphabet wird dem deutschen ähnlich sein, nur der Buchstabe „x“ wird fehlen. Laute, die momentan durch einen Buchstaben dargestellt werden und nicht einfach ersetzt werden können, sollen künftig durch Kombinationen repräsentiert werden, zum Beispiel “Ng” anstelle von “Ң”, “Oe” anstatt “Ө” und “Zh” für “Ж.” Bis Ende 2017 soll der endgültige Entwurf vorliegen. Ab 2018 sollen Lehrer und Professoren in der lateinischen Schrift ausgebildet und Schulbücher neu verlegt werden. Die komplette Umstellung soll bis 2025 abgeschlossen sein.

Еrden Kaschibek, Vorsitzender des Sprachausschusses des Ministeriums für Kultur und Information der Republik Kasachstan, stellt das neue Alphabet vor. Der Entwurf sei im Konsens von Linguisten entstanden, sagte er. „Wir haben uns einstimmig dafür entschieden. Wir empfehlen, diese Version anzunehmen. Sie basiert auf der fundierten Meinung aller kasachstanischen Wissenschaftler, die daran gearbeitet haben.“

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Lateinisches Alphabet nicht neu für Kasachstan

Aufgrund der Dreisprachenpolitik lernen Schüler in Kasachstan bereits frühzeitig Englisch und sind mit dem anderen Alphabet vertraut. Außerdem nutzen viele Kasachstaner lateinische Buchstaben in ihrer täglichen Kommunikation im Internet. Dennoch könnten die älteren, weniger gebildeten Teile der Bevölkerung durch die Umstellung abgehängt werden.

In einem Artikel für Eurasianet führt der Turkologe Uli Schamiloglu aus, dass es generell kein Problem für Turksprachen sei, sie durch verschiedene Alphabete darzustellen. Es komme nur darauf an, wie exakt das jeweilige Alphabet den Klang der Sprache wiedergibt. Bis 1928 wurde in der Türkei auf Arabisch geschrieben, bevor die Umstellung auf Latein erfolgte. Aserbaidschan und Turkmenistan reformierten ihre Alphabete nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991. Usbekistan folgte 2001.

Bereits ab 1926 nutzten einige Turknationen in der Sowjetunion ein lateinisches Alphabet, das sogenannte Yangälif. In Kasachstan wurden bis 1927 noch arabische Buchstaben verwendet. In den 1930er Jahren wurden individuelle Alphabete auf der Basis des Kyrillischen in jeder Republik eingeführt. Kasachstan stellte erst 1940 auf ein kyrillisches Alphabet um.

Turkstaaten rücken zusammen

Schamiloglu führt aus, dass Tataren oder Kasachen häufig ihre eigene Sprache nicht fließend sprechen und eine russische Betonung benutzen, wenn sie reden. Man spricht die Turksprache so, wie man sie im Kyrillischen schreibt. Wörter werden also oft mit einem russischen Akzent ausgesprochen. Dieses Phänomen könnte mit der Umstellung auf Latein verschwinden, meint er.

Einige sehen in der Transition des Alphabets die Abkehr von der sowjetischen und russischgeprägten Vergangenheit. Sollte Kirgistan ebenfalls nachziehen und ein lateinisches Alphabet einführen, hätten alle postsowjetischen Turkstaaten eine Abkehr vom Kyrillischen vollzogen. Es könnte eine Art verbindendes Element werden. Es ist unklar, wie Russland darauf reagieren wird. Bereits 2009 wurde auf Bestreben Kasachstans hin der Kooperationsrat turksprachiger Staaten (auch: Türkischer Rat) gegründet, zu dem Aserbaidschan, Kirgistan und die Türkei gehören.

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Argumente gegen die Latinisierung finden sich vor allem bei denjenigen, die Angst vor einem entstehendem “Pan-Islamismus” oder “Pan-Turkismus” haben. Diese Angst besteht bereits seit der Zarenzeit. Nurlan Nigmatulin, Sprecher der Maschilis, sagte am 11. September: „Die Latinisierung sollte der kasachischen Sprache dabei helfen, die nationale Identität zu stärken und ein Faktor für spirituelle Regeneration zu werden.