Vom 26. bis 30. Januar fand an der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU) im Rahmen der diesjährigen Winter School ein Seminar statt, das in Kooperation mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin durchgeführt wurde. Unter dem Titel „Seminar on Prevention of Human Trafficking in Germany and Kazakhstan“ arbeiteten die internationalen Teilnehmenden aus Kasachstan, Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Irland und dem Vereinigten Königreich auf Englisch zusammen.

Das fünftägige Programm, das sowohl Unterrichtseinheiten an der Universität als auch Veranstaltungen außerhalb des Campus umfasste – darunter auch Treffen mit Vertreter*innen von verschiedenen Organisationen, die sich aktiv gegen den Menschenhandel einsetzen, war äußerst intensiv und produktiv.

Das Seminar bestand überwiegend aus praxisorientierten Einheiten: Die Studierenden hielten täglich Präsentationen, beantworteten Fragen und erhielten danach ein individuelles Feedback von Prof. Dr. iur. Ekkehard Strauß. Kulturelle Aktivitäten vermittelten ihnen zudem Einblicke in die Geschichte und Traditionen Kasachstans.

Am ersten Tag beleuchteten Studierende das Thema globaler Trends im Menschenhandel und im Bereich Security Management. Sie betonten, dass Menschenhandel trotz internationaler Aufmerksamkeit und einer wachsenden Sensibilisierung der Bevölkerung weiter zunimmt und sich an neue globale Rahmenbedingungen anpasst, womit der Menschenhandel eine akute Herausforderung bleibt, dessen Bekämpfung eine vertiefte internationale Zusammenarbeit erfordert. Ein besonderes Highlight des Seminars war das Treffen mit Vertreter*innen von Office of the High Commissioner for Human Rights (OHCHR) und der International Organization for Migration (IOM) in der UN-Vertretung in Almaty, bei dem die Studierenden die Arbeit dieser Strukturen näher kennenlernen und ihre Fragen direkt stellen konnten.

Der zweite Tag war der Verbreitung und den wichtigsten Formen des Menschenhandels in Kasachstan und Deutschland sowie deren Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit beider Länder gewidmet. Außerdem wurde der regionale Kontext des Menschenhandels in den beiden genannten Ländern diskutiert. Der dritte Tag des Programms konzentrierte sich auf die rechtlichen Grundlagen, auf denen die Prävention von Menschenhandel in beiden Ländern aufbaut. Ebenfalls an diesem Tag fand ein Treffen mit der Leiterin der NGO „Rodnik“, Nina Balabayeva, statt. Sie zeigte, wie diese Organisation Präventionstrainings durchführt, und arbeitete mit der Gruppe in einem besonderen interaktiven Format, das von den Teilnehmenden erforderte, dass sie jeweils kurze Rollen spielten.

In den letzten beiden Tagen konzentrierten sich die Teilnehmenden darauf, welche Strategien und zentralen Akteure es in beiden Ländern zur Bekämpfung und Prävention von Menschenhandel gibt und wie Deutschland und Kasachstan bei der Unterstützung von Betroffenen kooperieren.

In Bezug auf Deutschland lag der Schwerpunkt darauf, dass das System nicht auf einer einzigen „Hauptbehörde“ beruht, sondern auf dem Zusammenspiel von Staat, Strafverfolgungsstrukturen und einem Netzwerk spezialisierter Unterstützung.

Hinsichtlich Kasachstan wurde betont, dass das System der Bekämpfung von Menschenhandel auf einer ressortübergreifenden Zusammenarbeit von Strafverfolgungsbehörden und einer sozialen Unterstützungsinfrastruktur basiert; dabei ist die Identifizierung von Betroffenen von zentraler Bedeutung.

Was die Kooperation zwischen Kasachstan und Deutschland betrifft, wurde das Thema über konkrete Formate dargestellt: bilaterale Vereinbarungen, gemeinsame Projekte und Trainings (unter anderem über IOM und OSZE), die Unterstützung von Initiativen zum Opferschutz durch deutsche Strukturen (einschließlich der Förderung von Projekten über die deutsche Botschaft), die Zusammenarbeit mit deutschen NGOs sowie der Austausch von Expertise und Praxisansätzen. Neben dem akademischen Teil war für die internationalen Teilnehmenden auch ein Kulturprogramm in der Umgebung Almatys vorgesehen.

Das fünftägige Programm zeigte anschaulich, dass die Prävention von Menschenhandel eine kontinuierliche Arbeit an der Schnittstelle von Recht, Institutionen und praktischer Unterstützung für Betroffene ist. Gerade dieses Format mit Praxis, Dialog und einem „lebendigen“ Kontext hinterlässt nicht nur Materialien, sondern auch das Gefühl realer Erfahrung und gemeinsamer Schlussfolgerungen, die sich in Studium und berufliche Pläne mitnehmen lassen.

Lina Hismatullina

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