Es ist bitter aber wahr – wir alle müssen irgendwann sterben. Früher oder später. So oder anders. Daran führt kein Weg vorbei.

Und da man sich auf sonst alles gut vorbereitet und ständig wählt, was man am liebsten tun oder haben möchte, sollte man das auch mit dem Sterben und allem, was dazu gehört, tun. Schließlich ist dies ein wichtiger Lebensabschnitt, und schon bei der Geburt hatte man so gar keinen Einfluss darauf, wie sie denn vonstatten gehen solle.

Bis zum Sterben ist der Tod einigermaßen übersichtlich. Mit einer Patientenverfügung kann man das Leben beziehungsweise Sterben nach eigenem Gusto hinauszögern oder verkürzen, im Zweifelsfalle nimmt man sonst wo Sterbehilfe in Anspruch. Man kann sich je nach Persönlichkeit und Lebensgeschichte lieber in der Erde verscharren, in alle Winde und Weltmeere verstreuen oder gar ins Weltall schießen lassen. Man kann etwas hinterlassen, einen Apfelbaum, den Sparstrumpf oder eine Stiftung, oder die buckelige Verwandtschaft in die Röhre gucken lassen. Das kann man alles steuern.

Kniffelig wird es mit der Frage, was nach dem Sterben kommt oder ob der Tod, wenn er denn einmal angefangen hat, wirklich jemals wieder aufhört. Sprechen wir hier von einem Triathlon Leben-Sterben-Tod oder ist es ein nie endender Marathon: Leben – Tod – Leben – Tod – Leben usw.?

Wie auch immer – für alle Fälle sollte man für den Tod und alles, was danach kommen könnte, ein eigenes Konzept in der Tasche haben. Denn am Ende gibt es doch die Reinkarnation, und wer weiß, nach welchen Zufallskriterien oder Verteilungsmechanismen die neuen Rollen vergeben werden oder welche Bewerbungsvoraussetzungen man erfüllen muss. Womöglich wird man gar nicht gefragt, sondern einfach als Regenwurm zurückgeschickt. Da liegt man dann da und kann nur hoffen, nicht gleich in den ersten Stunden des neuen Daseins von einer Amsel verspeist zu werden. Und sollte man doch ein Wörtchen mitreden dürfen, geht das Gehacke da auch wieder los. Wenn man dann wie alle anderen nur Adler, Eiche oder König werden will, braucht man starke Ellenbogen. Und wenn man die schon nicht im irdischen Dasein hatte, guckt man wieder in die Röhre. Also, frühzeitig die passende Marktnische finden! Nichts gegen die unteren Ränge, ich möchte nicht undankbar sein, aber so ganz unten in der Nahrungskette möchte ich dann doch nicht landen. Ist aber auch wahr, all die Prozedur, um dann nach wenigen Tagen mit einem einzigen Happs von irgendwem verspeist zu werden. Wenn schon verspeist, dann sollte es nicht allzu grausam zugehen. Es ist nämlich ein erheblicher Unterschied, ob man von einem Hai zerrissen, von einem Krokodil ertränkt-erwürgt-zerfetzt oder von einem Vogelschnabel eingesogen wird.

Über die gängigen Umwege der Kommunikation kamen wir kürzlich auf den Maulwurf zu sprechen. Ich habe Tobias, der nämlich Biologe ist, gefragt, wer die natürlichen Feinde des Maulwurfs seien. Die gebe es zwar schon, aber grundsätzlich sei der Maulwurf in seinen Erdgängen ziemlich geschützt. Und ist er mal über der Erde, kann sich der Maulwurf blitzschnell in die Erde wühlen. Das würde ich allerdings gern jetzt schon manchmal können. Der ärgste Feind des Maulwurfs ist wieder mal der Mensch, und Tobias rät mir, mich in meinem neuen Leben als Maulwurf vor den Fallen in Acht zu nehmen. Damit wäre die Sache abgemacht. Jetzt kann ich nur hoffen, dass alle anderen immer noch am liebsten Adler werden wollen, und der Maulwurf nicht gerade ausgerechnet dann groß in Mode kommt, wenn ich sterbe.

Es erscheint zwar etwas pessimistisch, schon über das Ableben des nächsten Lebens nachzudenken, noch bevor ich überhaupt dieses beendet habe. Aber mit einem Konzept in der Tasche lebt es sich doch unbeschwerter.

Julia Siebert

07/03/08