Mit der Maßnahme soll die Versorgung der eigenen Bevölkerung sichergestellt werden. Bereits vergangene Woche hatten kasachische Müller über Rohstoffmangel geklagt. Das kasachische Landwirtschaftsministerium sieht dagegen Preisspekulation seitens landwirtschaftlicher Produzenten als Hauptproblem.

Kasachstan beschränkt seit Freitag die Ausfuhr von Getreide und Mehl ins Ausland. Das verkündete am Samstag das kasachische Landwirtschaftsministerium. Das Land reagiert damit auf die angespannte Versorgungslage infolge des Ukraine-Kriegs sowie der westlichen Sanktionen gegen Russland. Zunächst bis zum 15. Juni sollen demnach für beide Güter Exportquoten gelten – bei Weizen in Höhe von 1 Million Tonnen, bei Mehl in Höhe von 300.000 Tonnen. Die Maßnahme war bereits Anfang April von einer ministeriumsübergreifenden Außenhandelskommission beschlossen worden.

Die Maßnahme kommt, nachdem Russland vor etwa fünf Wochen ein Exportverbot von Getreide und Zucker in die Länder der gemeinsamen Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) erteilt hatte. Dieses ist zwar in der Zwischenzeit gelockert worden. Weizen, Gerste, Roggen und Mais dürfen aktuell trotzdem nur in die EAWU-Länder exportiert werden, wenn eine Genehmigung seitens des russischen Landwirtschaftsministeriums vorliegt.

Forderungen nach komplettem Exportverbot

Infolge der russischen Entscheidung ist in Kasachstan der Preis für Weizen deutlich gestiegen. Vergangene Woche hatte deswegen bereits der nationale Müllerverband Alarm geschlagen. Demnach sei nicht nur der Preis bei Weizen von 117.000 auf 160.000 Tenge geklettert; vielmehr sei es für die Verarbeiter selbst auf diesem Preisniveau schwer, überhaupt Weizen zu finden. Die Folge: Zwischen 50 und 70 Prozent der Mühlen habe in der Zwischenzeit die Arbeit eingestellt, wobei vor allem jene in den grenznahen Regionen zu Russland betroffen seien. Aus den Reihen des Verbands, aber auch der Politik waren daher sogar Forderungen nach einem kompletten Exportverbot von heimischem Getreide bis zur nächsten Ernte laut geworden.

Das kasachische Landwirtschaftsministerium hatte dagegen in der vergangenen Woche erklärt, dass im Land 6,4 Millionen Tonne Getreide zur Verfügung stünden, was sowohl für den inländischen Markt als auch für den Export ausreiche. Allerdings hielten landwirtschaftliche Produzenten signifikante Mengen für den heimischen Markt zurück, um diese zu höheren Preisen ins Ausland zu verkaufen. Das Ministerium nannte die Quotenregelung einen „goldenen Mittelweg“, um einerseits die Versorgungssicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, und andererseits „unseren Landwirten die Möglichkeit zu geben, zu guten Preisen zu verkaufen“.

Auch Kasachstans Nachbarn betroffen

Die zentralasiatischen Nachbarländer haben die Situation bereits seit längerem im Blick. So hat etwa Usbekistan bereits vor Beginn des Ukraine-Kriegs damit begonnen, mehr landwirtschaftliche Produkte aus Kasachstan zu importieren. Laut dem staatlichen Statistikkomitee stiegen etwa im Januar und Februar die Importe von Weizen um 20,3 Prozent und die von Mehl um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Noch am 31. März – also kurz vor dem Quoten-Beschluss Kasachstans – ordnete die usbekische Regierung den Kauf von weiteren 100.000 Tonnen Weizen und Mehl aus dem Nachbarland an.

Kasachstan gehört weltweit zu den zehn größten Exporteuren von Weizen und Mehl und beliefert mehr als 70 Länder. Zu den Hauptmärkten gehören die zentralasiatischen Länder Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan sowie Afghanistan. Der Anteil Kasachstans an den Weizenimporten dieser Länder beträgt über 90 Prozent.

cstr.

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