Vom 2. bis zum 14. Juni 2009 zeigte die Landesvertretung Niedersachsen in Berlin die Ausstellung „Eulenspiegel – Klassiker der ostdeutschen Karikatur“. Der Ort ist symbolträchtig – schließlich soll hier in der Nähe im 14. Jahrhundert der sagenhafte Till Eulenspiegel seinen Schabernack getrieben haben.

/Bild: Jekaterina Janzen. ‚Satire aus einer fremden und mittlerweile untergegangenen Welt: Bewohner aus den alten Bundesländern werden beim Betrachten der „Eulenspiegel“-Karikaturen durchaus gefordert.’/

„Humor ist das Öl in unserer Lebenslampe“, sagt ein holländisches Sprichwort. Humor kann in äußerst schweren Situationen die Menschen vor Verzweiflung retten und ihnen Mut machen. Diese Funktion übernahm das 1946 von der sowjetischen Militäradministration in Ostberlin gegründete Satiremagazin „Frischer Wind“, 1954 umbenannt in „Eulenspiegel“. Dank seiner beißend satirischen Texte und der kritisch humoristischen Darstellung des Zeitgeschehens erfreute sich das Magazin zu DDR-Zeiten großer Beliebtheit. Wie seinerzeit der gewievte Narr Till Eulenspiegel aus der niederdeutschen Folklore, der dem Satireblatt seinen Namen gegeben hatte, entlarvte die Zeitschrift menschliche Schwächen.

„Es hat lange gedauert, bis es endlich nach Niedersachsen durchgedrungen ist, dass es im Osten Deutschlands eine Satirezeitschrift gleichen Namens gibt. Erst der Mauerfall zeigte, wie dieser gedruckte „Eulenspiegel“ der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten hat“. Mit diesen Worten begrüßte der Bevollmächtigte des Landes Niedersachsen, Staatssekretär Wolfgang G. Gibowski die Gäste am Tag der feierlichen Eröffnung der Ausstellung „Eulenspiegel – Klassiker der ostdeutschen Karikatur“ am 4. Juni 2009. Die Ausstellung, veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Wilhelm-Busch-Museum Hannover und CARTOONCOMMERZ NI&CO, präsentiert elf bei der Zeitschrift engagierte Künstler mit ihren Zeichnungen: Heinz Behling, Manfred Bofinger, Henry Büttner, Peter Dittrich, Barbara Henninger, Heinz Jankofski, Lothar Otto, Harri Parschau, Louis Rauwolf, Karl Schrader und Reiner Schwalme.

„Gemeinsam einkaufen und anschließend bei McDonalds essen“

Die ausgewählten Blätter dokumentieren nicht nur das alltägliche Leben zu DDR-Zeiten, sondern die Veränderungen in der Wahrnehmung der Wirklichkeit, bedingt durch die Wende in der DDR und die Wiedervereinigung. Es gebe aber auch heute, nach 20 Jahren Mauerfall, immer noch Differenzen zwischen Ost und West, so der Staatssekretär Wolfgang G. Gibowski. Dazu gehören unter anderem auch die Sichtweisen der Geschehnisse von beiden Richtungen aus. Die Zeichnungen seien eine für Westdeutsche ungewohnte Form von Karikaturen, so dass sich die Landsleute aus den alten Bundesländern beim Betrachten mehr anstrengen müssten, als ursprünglich gedacht. Hans Joachim Neyer, Direktor des Wilhelm-Busch-Museums in Hannover, unterstreicht die Differenzen: „West und Ost wissen immer noch nichts voneinander, außer dass sie jetzt gemeinsam einkaufen gehen und anschließend bei McDonalds essen“. Um die Situation zu ändern, förderte die Bundeskulturstiftung das Projekt „Eulenspiegel“, das der Museumsdirektor anhand einiger Beispiele in seinem Vortrag vorstellte.

Den offiziellen Teil der Eröffnung beendete Neyer mit den Worten: „Wir sind aus unserer Geschichte heraus sehr widersprüchlich strukturiert. Wir sind alle erst Sachsen oder Rheinländer oder Hamburger oder Bayern. Die Franzosen dagegen sind alle Pariser. Sie denken zentralistisch. Ich glaube, dass die Gegensätzlichkeit und die Vielfältigkeit Deutschlands in der Zukunft ein Plus für uns sein wird, weil im Rahmen der europäischen Wirtschaftseinheit vieles sozusagen gleichgemacht werden wird. Umso wichtiger ist es, die Vielfalt zu bewahren“.

Von Jekaterina Janzen

19/06/09