Luftschiffe sind nach wie vor imponierend und faszinierend. Die ersten großen, verkehrstüchtigen Luftschiffe wurden unter Graf Zeppelin in Friedrichshafen am Bodensee entwickelt und gebaut. Sie begründeten einen Mythos, der bis heute fortbesteht und der selbst die Zerstörung der berühmten LZ 129 Hindenburg durch einen gewaltigen Brand im Jahr 1937 sowie die zunehmende Ablösung der Zeppeline durch Flugzeuge in den 1930er Jahren überdauerte. Die LZ 129 war luxuriös ausgestattet und flog bis nach Süd- und Nordamerika – mehr dazu weiter unten.
Das Zeppelin-Museum in Friedrichshafen ist ein modernes, interaktives und weitgehend barrierefreies Museum. Es beherbergt nicht nur die weltweit größte und bedeutendste Sammlung zur Geschichte der Luftschifffahrt, sondern auch eine Kunstsammlung mit umfassenden Beständen von Otto Dix, Marta Hoepffner und Andreas Feininger sowie drei innovative Automobile aus der Stadt. Die virtuelle Plattform „debatorial“ lädt zum Diskutieren ebenso wie zum Spielen ein, verwendet jedoch recht viel „Denglisch“, also ein Deutsch mit zahlreichen Anglizismen.
Ein Zeppelin trug vorn, seitlich und hinten mehrere Gondeln mit Propellerantrieb. Die hintere Gondel des Marine-Luftschiffs L 30 von 1916 beherbergte einen 6-Zylinder-Reihenmotor HSLu der damaligen Tochterfirma Maybach-Motorenbau GmbH mit 240 PS Leistung. (Zum Vergleich: Der 5-Liter-V12 von BMW aus dem Jahr 1989 leistete 300 PS.)
Drei innovative Autos aus Friedrichshafen
Zusammen mit den Zeppelinen entwickelte sich auch andere Technik. Die Schwäbischen Hüttenwerke (SHW) erwarben die Aktienmehrheit eines ehemaligen Flugzeugwerks in Böblingen, das inzwischen Kleinmotoren herstellte. Dessen Direktor Wunibald Kamm (1893–1966) konstruierte mit seinen Mitarbeitern den SHW-Wagen mit Frontantrieb, Einzelradaufhängung und Allradbremsung. Hinzu kamen das halbautomatische Soden-Getriebe der Zahnradfabrik Friedrichshafen (ZF) sowie die selbsttragende Aluminiumkarosserie der Luftschiffbau Zeppelin GmbH. Der ausgestellte Wagen von 1925 wiegt 700 kg und besitzt einen 1-Liter-Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor mit 36 PS, Höchstgeschwindigkeit 110 km/h. (Boxermotoren finden sich übrigens auch im legendären Porsche 911 und in vielen BMW-Motorrädern, während der Trabant aus dem sächsischen Zwickau mit seinem 0,6-Liter-Zweitaktmotor 26 PS und 105 km/h erreichte.)
Der Sportwagen Gaylord Zeppelin von 1957 wurde von der Fahrzeug-Instandsetzung GmbH gebaut; sein unverwechselbares Design stammt von Brooks Stevens, der bekannt war durch seine Entwürfe für Harley-Davidson und Studebaker. Das Fahrzeug besaß ein elektrisch versenkbares Dach, elektrische Fensterheber und Sitze, Servolenkung, Bremskraftverstärker und Klimaanlage. Der Preis entsprach dem von zwei Mercedes 300 SL. Ein Cadillac-OHV-V8-Motor mit 5,98 l Hubraum, 309 PS und 4-Gang-Automatik brachte das 1,8-t-Fahrzeug auf 200 km/h. Tankinhalt: 113 l.
Der Maybach DS 8 Zeppelin war 1938 das größte, luxuriöseste und teuerste Automobil seiner Zeit – nicht zufällig trug es den Namen Zeppelin. Sein 12-Zylinder-V-Motor mit 7,92 l Hubraum leistete 200 PS. Trotz 8-Gang-Maybach-Variorex-Getriebe verbrauchte er etwa 28 l auf 100 km (Tankinhalt 135 l). Das Leergewicht beträgt 3460 kg, die Höchstgeschwindigkeit daher „nur“ 170 km/h. Sein Konstrukteur, Karl Maybach (1879–1960), war der Sohn Wilhelm Maybachs (1846–1929), der gemeinsam mit Gottlieb Daimler (1834–1900) den sogenannten „Standuhr-Motor“ entwickelte, den ersten schnelllaufenden Ottomotor. Beide schufen mit dem „Reitwagen“ das Motorrad und mit der „Motorkutsche“ von 1886 das erste vierrädrige Kraftfahrzeug mit Verbrennungsmotor. Die heutigen Spitzenmodelle von Mercedes-Benz tragen seinen Namen.
Die LZ 129 Hindenburg
Die LZ 129 wurde in den 1930er Jahren als eines der größten und luxuriösesten Luftschiffe ihrer Zeit gebaut. Die Innenräume waren im schlichten Bauhausstil gehalten: praktische Aluminium-Möbel, mit Ballonseide bespannte Wände, gespritzte Wandmalereien in den Gesellschaftsräumen. Es gab ein Schreib- und Lesezimmer, eine kleine Bibliothek und Promenadengänge mit Ausblick auf die vorüberziehende Landschaft. Darüber hinaus verfügte das Luftschiff erstmals über einen Rauchsalon für die Passagiere.
Das Luftschiff war für den Nordatlantikdienst bestimmt, um die Verbindung Europas mit Nordamerika zu beschleunigen: Die Überquerung dauerte nur zwei Tage, während Schiffe etwa zwei Wochen benötigten. 1936 fanden zehn Fahrten statt, die zu 72% ausgelastet waren.
In Anlehnung an die Sammlerkabinette des 16. Jahrhunderts zeigen Tassen, Teller, Blechmodelle, Münzen, Zeppelinwurst, Wecker und Aschenbecher die Vielfalt des Zeppelin-Kosmos. 350 Exponate können im Museum mit Hilfe von Tablets von allen Seiten betrachtet und vertieft studiert werden.
Experimentierstationen und Flugsimulator
Die physikalischen Grundlagen der Luftschifftechnik lassen sich im Brückenbau West selbst erforschen: Warum steigt ein Gasballon auf? Wie funktionieren Motoren und Getriebe? Welche Rolle spielen Materialien und Formen? Mit dem Zeppelin-NT-Simulator können Besucher die besonderen Flugeigenschaften eines Luftschiffs erleben.
Vom 6.6.2025 bis 12.4.2026 zeigt das Museum eine Ausstellung zur Bedeutung des Zeppelins als visuelles und symbolisches Motiv in der Fotografie. Zwischen 1900 und 1940 wurde der Zeppelin zum Statussymbol für „Eroberung des Himmels“, militärische Dominanz, technische Überlegenheit und globale Vernetzung. Die Ausstellung untersucht, wie Bilder Macht transportieren, manipulieren und historische Narrative formen. Zeitgenössische Künstler wie Aziza Kadyri, Christelle Oyiri und das Kollektiv Ebb.global & Neïl Beloufa ergänzen die historische Perspektive um queer-feministische und nicht-westliche Ansätze.
1908 gründete Graf Zeppelin eine Stiftung zur Förderung der Luftschifffahrt. Sollte dieser Zweck nicht mehr bestehen, solle das Vermögen der Stadt Friedrichshafen für wohltätige Zwecke eingesetzt werden. Bis heute ermöglichen die Dividenden des Zeppelin-Konzerns und zu großen Teilen der Zahnradfabrik Friedrichshafen AG die Förderung sozialer, kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen.
Es gäbe noch viel mehr zu berichten, etwa über die britische Journalistin und Pilotin Grace Marguerite Hay Drummond-Hay (1895–1946), die 1928 als einzige Frau an der ersten Atlantiküberquerung des LZ 127 Graf Zeppelin teilnahm sowie an der Weltumrundung 1929 und dem ersten Überflug des Südatlantiks 1930.
Keith Moon, der Schlagzeuger der Rockband The Who, soll einst gesagt haben, eine Band um Jimmy Page werde „abstürzen wie ein bleiernes Luftschiff“. Dies führte angeblich zur Namensgebung Led Zeppelin – für eine der erfolgreichsten Rockbands der Musikgeschichte, obwohl die Engländer doch Blei als „lead“ bezeichnen.



























