Zum neunten Mal findet im August die internationale Sommeruniversität an der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty statt. Unter dem Motto „Impulse für eine nachhaltige Entwicklung Zentralasiens“ setzen sich Studenten aus Deutschland, Kasachstan und Zentralasien mit Aspekten ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit für die zentralasiatischen Staaten auseinander.

/Bild: Jennifer Brandt. ‚Studenten aus Deutschland und Zentralasien diskutieren gemeinsam Nachhaltigkeitsstrategien für Zentralasien.’/

„Ich bin gerade von einer Trekkingtour durch Kirgisistan zurück gekommen und habe einen sehr schönen Eindruck davon bekommen, was es in Zentralasien zu bewahren gilt“, mit diesen Worten begrüßte Matthias Kramer von der Deutsch-Kasachischen Universität die Teilnehmer der diesjährigen internationalen Sommeruniversität in Almaty und stimmte sie auf das Seminarthema ein. Er freue sich, dass das wichtige Thema „Nachhaltigkeit“ in diesem Jahr bei der Sommeruniversität diskutiert werde. Denn die zentralasiatischen Staaten zahlten einen hohen Preis dafür, dass nachhaltige Entwicklung bisher kaum auf der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Agenda steht.

Almaty sei eine sehr grüne Stadt, welche den Teilnehmern der Sommeruniversität durch ihre besondere geografische Lage viele interessante Eindrücke verspricht, illustrierte Kramer weiter. Leider aber, fügte er hinzu, rangiere Almaty aber auch in ganz anderen Rankings auf den vorderen Plätzen. So sei die Luftbelastung in Almaty ein drängendes Problem, in einer Aufstellung der schmutzigsten Städte der Welt belegte Almaty den traurigen neunten Platz.

„Nur so viele Bäume schlagen, wie auch nachwachsen können“

In der zweiwöchigen Sommeruniversität werden sich die Studenten mit den drei Säulen nachhaltiger Entwicklung auseinandersetzen, der ökologischen, der ökonomischen und der sozialen Nachhaltigkeit. In allen drei Bereichen geht es darum, so zu agieren, dass natürliche Ressourcen aber auch kulturelles Wissen nachfolgenden Generationen erhalten bleiben. „Nachhaltigkeit bedeutet: Nur so viele Bäume zu schlagen, wie auch nachwachsen können“, erläutert Anja Seifert vom deutschen Generalkonsulat in Almaty in ihrer Begrüßungsansprache. Prinzipiell, so Seifert, gehe es darum, vom Ertrag und nicht von der Substanz zu leben. Auch in Deutschland sei eine solche Zielsetzung noch jung. „Deutschland hat seine nationale Nachhaltigkeitsstrategie erst 2002 verabschiedet“, erklärte Seifert. Dabei habe man die Erfahrung gemacht, dass nachhaltiges Handeln nur in der Interaktion von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Akteuren erzielt werden könne. Auch die anderen Förderer der internationalen Sommer-universität Elvira Pak von der Friedrich-Ebert-Stiftung und Michael Hanssler von der Gerda Henkel Stiftung begrüßten die Teilnehmer herzlich. Sie wünsche den Studenten, welche als Außenstehende kämen, viele interessante Einblicke, sowohl thematisch als auch kulturell, sagte Pak.

Ob ökologische Nachhaltigkeit eine „politische Alibiveranstaltung“ ist, oder eine ernst zu nehmende Entwicklung, das will Liane Möller mit den Studenten erörtern. Die Ökologin vom Internationalen Hochschulinstitut Zwickau leitet das Modul „ökologische Nachhaltigkeit“. Die Studenten konnten im Vorfeld aus drei thematischen Modulen auswählen. Die Themen wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit werden von Detlev Kraa von der Gesellschaft zur Förderung von Marktwirtschaft und Demokratie in Osteuropa e.V. und Manfred Bornmann von der Hochschule Zittau-Görlitz betreut.

Wassermanagement in Kirgisistan verbessern

Die Motivation der Studenten ist vielfältig. Dem kirgisischen Studenten Rufat Sultanaliev liegt das Thema Umweltschutz sehr am Herzen. „Ich möchte, dass wir in Kirgisistan besser mit unseren Wasservorräten umgehen lernen und dass unser Wasser sauberer wird“, erklärte Sultanaliev aus Bischkek. Der 25-Jährige studiert seit einem Jahr in Deutschland. Mit den Erkenntnissen aus seinem Studium im Fach „Management natürlicher Ressourcen“ möchte Sultanaliev nach Kirgisistan zurückkehren und im Umweltmanagement arbeiten, denn in diesem Bereich habe man in Kirgisistan kaum ausgebildete Experten. Von der Sommeruni verspricht sich der Student interessante Diskussionen mit den Dozenten und den anderen Studenten aus Deutschland und Zentralasien.

Jörg Heilmann aus Deutschland studiert Stadtgeografie in Leipzig. Schon bei der ersten Fahrt durch die Stadt ist dem 25-Jährigen positiv aufgefallen, dass Almaty sehr grün und damit schattig ist. Zentralasien sei bisher auf seiner inneren Landkarte noch ein „weißer Fleck“, umso mehr sei er gespannt, was ihn an landschaftlichen Kontrasten in Kasachstan und Usbekistan erwarte, sagte Heilmann.

Dass die Sommeruniversität auf Deutsch stattfindet, kommt der Kasachin Dana Machanowa besonders entgegen, sie hat romanische germanistische Philologie studiert und freut sich auf den internationalen Austausch und ist gespannt auf die inhaltliche Arbeit im Modul „soziale Nachhaltigkeit“.

Kramer wünscht sich für die Zukunft, dass die Teilnehmer der internationalen Sommeruniversität sowohl untereinander als auch mit der DKU in Kontakt bleiben. Zunächst aber werden die Studenten den Worten von Elvira Pak folgen, sich mit dem Thema „Nachhaltigkeit in Zentralasien“ vertraut machen und fleißig eigene Eindrücke sammeln.

Von Jennifer Brandt

14/08/09