Die Transformation vom Print- zum Onlinejournalismus ist überall in vollem Gange. Auch vor den deutschsprachigen Medien im Ausland machen die neuen Entwicklungen nicht Halt. Besonders Zeitungen, die sich seit jeher explizit an Leser aus den deutschen Minderheiten richten, stehen dabei vor Herausforderungen.

Vor allem Ältere identifizieren sich stark mit der gedruckten Ausgabe, können zudem nur schlecht mit sozialen Medien umgehen. Jüngere dagegen wenden sich nicht nur von klassischen Printmedien, sondern auch etablierten Online-Netzwerken wie Facebook ab, und entdecken neuere Formate wie Instagram und YouTube für sich.

Darauf zu reagieren, ist vor allem für kleine Redaktionen schwer: Da die einzelnen Online-Kanäle ihren jeweils eigenen Charakter haben, reicht es nicht, Beiträge aus der Zeitung eins zu eins zu teilen. Um aber passende Inhalte im passenden Stil für jeden Kanal aufzubereiten, sind oft die personellen Kapazitäten nicht ausreichend.

Ende vergangener Woche kamen Vertreter deutschsprachiger Medien aus dem Ausland auf einer Medientagung in Berlin zusammen, um sich über ihre Erfahrungen mit solchen aktuellen Herausforderungen auszutauschen. Eingeladen hatte die Deutsche Gesellschaft, die die vom Auswärtigen Amt geförderte Veranstaltung schon seit 2011 organisiert. Neben dem Erfahrungsaustausch stand als Ziel der Tagung auch die Vernetzung im Vordergrund: Von Nordschleswig bis Almaty war ein breites Spektrum an Auslandsmedien vertreten; das Landesecho in Prag, die Allgemeine Deutsche Zeitung aus Hermannstadt in Rumänien, die Moskauer Deutsche Zeitung und die Deutsche Allgemeine Zeitung aus Almaty waren nur einige von vielen bekannten Namen.

Unterstützung durch Internationale Medienhilfe

Beim Austausch über eigene Redaktionserfahrungen zeigte sich, dass der Übergang zum Online-Journalismus auf sehr unterschiedlichem Niveau verläuft. Während einige Redaktionen weiterhin komplett auf Print setzen, sind andere bereits so weit gegangen, ihre gesamte Berichterstattung ins Netz zu verlegen und sogar die Abschaffung ihrer Druckerzeugnisse einzuleiten.

Bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen können die deutschen Auslandsmedien auch auf die Unterstützung der Internationalen Medienhilfe zählen. Deren Gründer und Leiter Björn Akstinat machte auf der Tagung zugleich deutlich, dass insbesondere die Minderheitenmedien sich auf Veränderungen einlassen müssten: Da allein die Leserschaft innerhalb der Minderheiten nicht ausreiche, um die Auflagen zu neuen Rekorden zu führen, sei es nötig, weitere Zielgruppen anzusprechen.

Die Medienhilfe hat dabei fünf Kerngruppen definiert, die neben Deutschlernern auch deutschsprachige Touristen und Geschäftsleute umfassen. Akstinat diskutierte mit den Teilnehmern auch über die Möglichkeit, gedruckte Ausgaben der Medienerzeugnisse an Bahnhöfen, Flugzeugen, oder in Arztpraxen kostenlos zu verteilen, um so nicht zuletzt Aufmerksamkeit für die Online-Produkte zu schaffen.

Nutzerzentrierung wird wichtiger

Aktuelle Trends im Online-Journalismus stellte Bernd Oswald vor. Als Beispiel nannte der Trainer für digitalen Journalismus das Kuratieren, wobei Informationen und Beiträge anderer Autoren gesammelt und eingeordnet werden. Ein Beispiel hierfür ist der „Social Media Watchblog“, wo Debatten rund um soziale Netzwerke kritisch begleitet werden.

Ein weiteres Feld, das im Online-Journalismus gerade im Zeitalter von Fake News und Desinformation zunehmend an Bedeutung gewinnt: Verifzierung von Informationen. Oswald nannte Fälle, in denen etwa Bilder bewusst zu Desinformationszwecken aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen wurden. Anhand von ausgewählten Plugins erläuterte er Methoden wie die umgekehrte Bildersuche, um solche Fakes zu entlarven. Nicht zuletzt ging es auch um das Konzipieren von online-geeigneten Inhalten: Im Netz klickten Nutzer demnach häufiger Themen, die für sie einen konkreten Nutzen im Alltag haben, als aufwendige Reportagen.

Ein Novum bei der diesjährigen Konferenz war die Öffnung für Vertreter deutschsprachiger Medien aus Ländern jenseits des östlichen Europas. So gab etwa Elisabeth Turker, Onlinejournalistin beim Südtirols größtem Nachrichtenportal „Südtirol Online“, einen Überblick über die deutschsprachige Medienlandschaft in Südtirol, und teilte mit den anderen Teilnehmern Eindrücke aus ihrem eigenen Redaktionsalltag. Bei den Medienvertretern kam die Horizonterweiterung gut an, so dass auch im kommenden Jahr mit Besuch aus West-, Süd- oder Nordeuropa gerechnet werden kann, wenn im Haus der Deutschen Gesellschaft wieder getagt wird.

Christoph Strauch