Wie Blutbahnen verkalken, verstopfen auch Ölleitungen. Im Extremfall ist die Pipeline dann blockiert. ZhaikTrubTech LLC ist eine kasachstanische Servicefirma, die Öl- und Gasleitungen reinigt und mit Mini-Robotern, sogenannten intelligenten Molchen, inspiziert. Im Interview erzählt Holger Numrich, Gründer des in Uralsk/Nordwestkasachstan ansässigen Unternehmens, von Startschwierigkeiten, Korruption und wie man in Kasachstan richtig Geschäfte macht.

/Foto: privat. ‚Auftrag erfüllt: Die Mitarbeiter von ZhaikTrubTech holen einen Molch aus der Pipeline.’/

Holger Numrich bei der Arbeit: „Auf Schmiergeldzahlungen lassen wir uns nicht ein.“

Was ist der größte Fehler, den man als Ausländer beim Geschäftemachen in Kasachstan begehen kann?

Alles alleine machen zu wollen und besserwisserisch zu sein. Man braucht die richtigen einheimischen Partner, die einen an die Hand nehmen. Wenn man oberschlau daherkommt, sein deutsches Geschäftskonzept auf Kasachstan adaptieren will und nicht auf seine kasachstanischen Partner eingeht, fährt man gleich gegen die Wand.

Wie macht man es richtig?

Auf Schmiergeldzahlungen lassen wir uns nicht ein. Mein Geschäftsprinzip ist ganz klar: Ich nehm’ nix und ich zahl’ nix. Wenn du nämlich einmal mit der Korruption angefangen hast, kommst du nicht mehr raus. Dadurch haben wir auch schon Projekte verloren. Wobei es auch oft so war, dass wir die Projekte am Ende doch gekriegt haben, weil Qualität eben doch gefragt ist. Wir arbeiten auch prinzipiell ohne Kredite, das heißt, wir kaufen zum Beispiel eine Pumpe erst, wenn wir das Geld dafür haben. Das hat uns während der Krise den Hals gerettet.

Wie kam es zur Gründung von ZhaikTrubTech?

Von 2000 bis 2004 arbeitete ich für die Firma Weatherford, die Ausrüstung für die Öl- und Erdgasgewinnung herstellt, an einem Projekt auf dem Ölfeld Karatschaganak im Nordwesten von Kasachstan. Als das Projekt zu Ende war und Weatherford nicht bleiben wollte, habe ich gekündigt und mit meinem Freund Gabit, der auch in dem Projekt gearbeitet hatte, zusammen eine eigene Firma gegründet.

Hatte das Unternehmen Startschwierigkeiten?

Ich selbst habe mehrere tausend Dollar in die Firma gesteckt, es war also ein Experiment. Am Anfang haben wir uns Equipment nur geliehen und alles selbst finanziert. Wir sind mit kleinen Projekten gestartet, Druckproben und Trocknungen. Gaspipelines müssen vor der Inbetriebnahme getrocknet werden, da sonst die Gefahr besteht, dass sie korrodieren, also kaputt gehen – diese Trocknungen wurden bis dahin nur von Ausländern zu hohen Preisen durchgeführt. Das Hauptproblem war, dass wir von Anfang an eine kasachstanische Firma waren. Als solche wurden wir vor allem von ausländischen Firmen diskriminiert. So auf die Art: „Aus Kasachstan kann nur Schrott kommen“. Sie haben nicht geglaubt, dass wir qualitativ hochwertige Arbeit abliefern. Es gab aber auch Firmen, die uns eine Chance gaben. So konnten wir uns einen Namen machen.

Welche Ausbildung muss man haben, um bei Ihnen einzusteigen?

Die Arbeit bei uns ist kein Lehrberuf. Meine Leute bilde ich selber aus. Ein Technikum sollte man schon absolviert haben, und darauf aufbauend eine mechanische Ausbildung gemacht haben. Den Rest lernen die Leute am Projekt selbst, weswegen wir auch nie mehr als einen neuen Mitarbeiter im Kollektiv haben. Die Teams verstehen sich blind, und das müssen sie auch – eine reine Sicherheitsfrage.

Was würden Sie als den größten Erfolg von ZhaikTrubTech werten?

Das war ein Reinigungsauftrag von ZhaikMunai im Tschinerowski-Feld. Da haben wir die ersten drei Monate zu Selbstkosten Pfropfen aus der Pipeline entfernt, weil sie uns nicht geglaubt haben, dass wir das hinkriegen. Seitdem bekommen wir dauerhaft Aufträge. Seit wir dort reinigen, gab es auch keine einzige verstopfte Pipeline mehr.

Wie geht es weiter? Wo sehen Sie die Zukunft von ZhaikTrubTech?

Wir erarbeiten uns Schritt für Schritt neue Geschäftsfelder. So kam zu den Druckproben und der Pipeline-Trocknung im Laufe der Zeit die Pipeline-Reinigung dazu. Gestartet sind wir mit vier Mitarbeitern, mittlerweile haben wir vier Teams mit jeweils fünf Leuten. Unser Personal ist jetzt auch so weit, um im Ausland zu arbeiten. In diesem Jahr werden wir die internationale Flagge höher ziehen und zum ersten Mal ein Projekt außerhalb Kasachstans durchführen, im Nahen Osten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Julia Burkhart