Der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt und Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum machte im Rahmen seiner Zentralasienreise auch Halt in der südlichen Hauptstadt Almaty. Dabei besuchte er das 68. Gymnasium, an dem Schülerinnen und Schüler das Deutsche Sprachdiplom (DSD) erwerben können.

Das Linguistische Gymnasium Nr. 68 wurde 1976 gegründet und ist seit Beginn der 2000er als DSD-Schule anerkannt. Dort können Lernende nicht nur den nationalen Schulabschluss, sondern bis zur 11. Klasse auch das Deutsche Sprachdiplom der Stufen I und II erwerben. Dieses eröffnet internationale Studien und Berufschancen. Deutsch wird an der Schule bereits ab der ersten Klasse unterrichtet und in höheren Jahrgängen vertieft. Die deutsche Abteilung ist fest im Schulprogramm verankert. Zudem verfügt die Fachschaft über umfangreiche Materialien sowie langjährige Partnerschaften mit deutschen Bildungseinrichtungen.

Austausch mit der Direktorin

Zu Beginn seines Besuchs tauschte sich Krichbaum mit der Schulleiterin Danagul Kenschegalijewa sowie mit Lehrkräften aus. Die Direktorin betonte, dass Deutsch an der Schule eine zentrale Rolle spiele, da Sprachkenntnisse den Schülerinnen und Schülern bessere Bildungs und Berufsperspektiven eröffnen. Außerdem hob sie wichtige schulische Projekte hervor, darunter das Programm Jugend debattiert, das die Sprachkompetenz und das kritische Denken der Jugendlichen fördere, sowie den Freiwilligendienst des Auswärtigen Amtes kulturweit, der die schulische Arbeit mit freiwilligen Hilfskräften bereichert habe, dessen mögliche Einstellung jedoch aktuell mit Sorge betrachtet werde.

Darüber hinaus erinnerte Kenschegalijewa an Schüleraustausche mit Schulen in Deutschland, die vor Beginn der Corona Pandemie erfolgreich etabliert wurden. Heute könnten diese Austauschprogramme in dieser Form nicht mehr stattfinden. Die Schule wünscht sich hier seitens Deutschlands mehr Unterstützung. Krichbaum zeigte sich mit offenem Ohr und sagte zu, die Anliegen weiterzutragen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs lag auf der personellen Situation. Unterstützt wird die Schule unter anderem durch Ute Dewald von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA). Sie begleitet insbesondere den Deutschunterricht und unterstützt lokale Lehrkräfte. Gleichzeitig wurde deutlich, dass – wie in vielen Teilen Kasachstans – ein Mangel an Deutschlehrkräften besteht. Auch die Zahl muttersprachlicher Lehrkräfte ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Dewald betonte, dass deutsche Muttersprachler nicht nur fachlich bereichernd seien, sondern auch die Attraktivität der Schulen und des Programms deutlich steuern würden.

Einblick in die Schulklassen

Im Anschluss erhielt Krichbaum Einblicke in den Deutschunterricht verschiedener Klassenstufen. Er besuchte sowohl eine erste Klasse, in der die Schülerinnen und Schüler gerade erst mit dem Deutschlernen beginnen, als auch eine 11. Klasse. Dort stehen die Schülerinnen und Schüler kurz vor dem Abschluss. Dabei suchte er den direkten Austausch mit den Jugendlichen, stellte Fragen zu Unterrichtsinhalten und zeigte sich besonders offen und interessiert an den Lernfortschritten der Schülerinnen und Schüler.

Krichbaum würdigte die Arbeit der Schule und betonte die grundlegende Bedeutung von Bildung für gesellschaftlichen Wohlstand: „Deutschland verfügt über wenige natürliche Rohstoffe. Unser wichtigster Rohstoff ist Bildung, in die wir kontinuierlich investieren müssen. Schulen wie diese eröffnen jungen Menschen Perspektiven und leisten einen unschätzbaren Beitrag für die Zukunft“, so der Staatsminister.

Zum Abschluss seines Besuchs zeigte sich Krichbaum auch persönlich beeindruckt von der Atmosphäre am Gymnasium. Besonders hob er die respektvolle Umgangsweise der Schülerinnen und Schüler gegenüber den Lehrkräften hervor, die er in dieser Form als bemerkenswert empfand. Im direkten Vergleich zu Deutschland sei ein solches Maß an gegenseitigem Respekt im Schulalltag nicht überall selbstverständlich.

Annabel Rosin

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