Kasachstan hat aktuell den Vorsitz in der Organisation der Turkstaaten inne. Zu diesen zählen neben der Türkei und Aserbaidschan alle zentralasiatischen Länder bis auf Tadschikistan. Auch Ungarn, das die Wiege seiner Kultur im Osten wähnt, fühlt sich von dem Bündnis angezogen.

Die Turkstaaten verbindet ein kulturelles und sprachliches Band, das sich in den vergangenen Jahren noch weiter verstärkt hat. Zurückzuführen ist das vor allem auf die Ambitionen des türkischen Präsidenten Erdogan, ein starkes Bündnis verwandter Völker unter türkischer Führung zu schmieden. Auch Kasachstan hat im Sinne seiner multivektoralen Außenpolitik Interesse an dem Kooperationsformat, das eine weitere Diversifizierung der internationalen Beziehungen ermöglicht. Kasachstan hat zudem 2023/24 den Vorsitz in der Organisation inne.

Entsprechend ließ es sich Präsident Kassym-Schomart Tokajew nicht nehmen, vergangene Woche im aserbaidschanischen Schuscha am informellen Gipfel der Organisation teilzunehmen, während sein Außenminister Murat Nurtleu dort der Ratssitzung der Außenminister der Turkstaaten beiwohnte. Schuscha ist für Gastgeberland Aserbaidschen ein Ort von höchster symbolischer Bedeutung geworden, da es als Sinnbild für die militärische Rückeroberung der Region Bergkarabach von armenischen Separatisten gilt. Seit 2020 wieder unter islamischer Kontrolle, hat Staatschef Ilham Aliyev die Stadt in diesem Jahr zur „Kulturhauptstadt der islamischen Welt“ ausgerufen.

Tokajew lädt zu Weltnomadenspielen in Astana ein

Auch Kasachstans Präsident Tokajew kennt Schuscha bereits gut. Bei seinem Staatsbesuch in Aserbaidschan im März ließ er sich von seinem aserbaidschanischen Amtskollegen durch die Stadt führen. Nun kehrte er zurück, um als Staatschef der amtierenden Vorsitznation zu sprechen. „Wir unternehmen alle Anstrengungen, um den internationalen Status der Organisation zu stärken“, betonte Tokajew. „Bisher wurden etwa 40 Veranstaltungen durchgeführt. In Bereichen wie Sozialpolitik, Strafverfolgung, Bildung, Technologie, Innovation und Industrie wurden neue Mechanismen für die Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern entwickelt.“

Kasachstans Staatschef nutzte die Gelegenheit zugleich, um bei den anderen Teilnehmerländern für die 5. Weltnomadenspielen zu werben, die im September in Astana stattfinden. Dann wandte er sich wieder der großen Weltpolitik zu und betonte die Bedeutung globaler Sicherheit und Stabilität. Die Turkvölker, so Tokajew, müssten in diesem Kontext solidarisch sein: „Unsere Stärke liegt in der Einheit. Es gibt nur einen wirksamen Weg, Konflikte und Widersprüche zu lösen – den konstruktiven Dialog. Daher legen wir im Rahmen unseres Vorsitzes in der Organisation besonderes Augenmerk auf das Prinzip der ‚Mediation‘“.

Kasachstans Außenminister Nurtleu hatte bereits am Abend zuvor über die Fortschritte der Organisation unter Kasachstans Vorsitz informiert. Gemäß dem Motto des Gipfels betonte er, wie wichtig die Zusammenarbeit in den Bereichen Verkehr, Logistik und Kampf gegen den Klimawandel sei. Als Ergebnis des Treffens beschlossen die Außenminister, einen Exekutivdirektor der Repräsentanz der Organisation in Ungarn zu ernennen. Dessen Ministerpräsident Orbán war bei dem Gipfel in Schuscha ebenfalls anwesend.

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