Welchen Stellenwert hat der Polit-Thriller in der Buchwelt? Unsere Autorin Liubov Osatiuc (Tübingen) hat vor Ort recherchiert.

In Zeiten von gesellschaftskritischen Ereignissen, oftmals durch Politik hervorgerufen, ist die Bevölkerung mit Recht aufgebracht und fordert Aufklärung über falsche Beschlüsse und Entscheidungen, die die Menschen im eigenen Lande am Existenzminimum dahinvegetieren lassen. Bedauerlicherweise ist dies die harte Realität. Doch was bedeutet Realität für das Genre des Polit-Thrillers? Eine Frage, auf die ein Polit-Thriller-Autor im Verlauf meiner Recherche geantwortet hat.

Autoren, die sich am Puls der Zeit orientieren, drücken mit fiktiven Romanen der Leserschaft ihren eigenen Zeitstempel und meist auch ihre persönliche Meinung auf, die zwischen den Zeilen geschrieben steht.

Brisant und aktuell ist hier der Autor Steffen Bärtl zu erwähnen. Seit 2009 schreibt er einen Polit-Thriller nach dem anderen, die an Realitätssinn kaum zu überbieten sind. Liegt es an detaillierter Recherche von Fakten und Daten oder an der Fantasie des Autors, einen hochkarätigen Plot zu konstruieren?

Um Ihnen, liebe Leser, einen Überblick zu verschaffen, habe ich für Sie einiges an Informationen ausgegraben. Dabei habe ich meine Beispiele an den Büchern des Autors Steffen Bärtl, festgemacht.

Im Januar 2012 wurde in den Medien über das Schiffsunglück der „Costa Concordia“ berichtet. Eine Tragödie, über die man so schnell nicht hinwegkommt. Entsetzen und Mitgefühl peitschten unsere eigene Gefühlswelt auf. Eine Hetzjagd nach der Ursache und einem Verantwortlichen wurde schnell in die Wege geleitet, doch machte es das Geschehen nicht rückgängig – nur unsere aufgewühlte Stimmung wurde gedämpft.

Der Debüt-Roman des Autors Steffen Bärtl „DAS GEHEIMNIS DER OSIRIS“ aus dem Jahre 2009 spiegelt in spannender Weise wider, wie es nach einer Havarie weitergeht. Botschaftsangestellte kümmern sich um die Überlebenden, um die Überführung der Toten, führen mit den Hinterbliebenen in der Heimat tröstende Gespräche und wickeln den Papierkram ab. Auch hier geht es letztendlich um die Jagd nach der Ursache, nach der Wahrheit. Hier beginnt der erste Einsatz des Botschafters André Hartmann aus Washington, D.C.

Paris und Athen waren die internationalen Schauplätze, die vom Terrorismus heimgesucht worden waren. Eine Bombendrohung stellte Paris auf den Kopf. Ziel: Der Eiffelturm. Französische Sicherheitskräfte brachten etwa 2000 Menschen in Sicherheit. Dies geschah im August/September des Jahres 2010. Zwei Monate später ereigneten sich in Athen mehrere Bombendrohungen an internationalen Botschaftsgebäuden, wie die von Bulgarien. Es kam auch zu Detonationen. Glücklicherweise kann man sagen, dass es sich hierbei um Rohrbomben handelte, die sich in Briefkästen befanden und keine große Sprengwirkung hatten. Dennoch war es nicht ungefährlich und stufte das Image einer sicheren Stadt herunter. Nach diesen Anlässen versammelten sich die Außenminister Europas in Brüssel, um Maßnahmen gegen die terroristische Bedrohung Europas einzuleiten.

Der Folgeroman „DER STURM DES ORIENTS“ von Steffen Bärtl erschien bereits im Juni 2010 – also Monate bevor die schaurigen Ereignisse ihren Lauf nahmen – beschreibt der Autor das Szenario, falls Europa zur Zielscheibe des Terrorismus werden würde. Paris und Athen waren die auserwählten Buch-Schauplätze der Handlung. Am Anfang des Plots trafen die Außenminister Europas in Brüssel eine Entscheidung, die den französischen Geheimdienst DGSE (Direction Générale de la Sécurité Extérieure) dazu auserkoren, als Sammelstelle von Informationen und deren Auswertung zu fungieren, um so ein detailliertes Vorgehen gegen die Bedrohung zu ermöglichen. André Hartmann, der sich während seines Urlaubs in Paris befindet, scheint darin keine unbedeutende Rolle zu spielen – besonders nicht, weil seine Frau bei einem dieser Bombenexplosion schwer verletzt wurde.

November 2011 erschien der dritte Roman des Autors und zugleich die Fortsetzung des sympathischen Botschafters André Hartmann. Dieses Mal zieht es ihn nach Afrika. Wer regelmäßig die Nachrichten verfolgt, weiß genau, was sich in Afrika abspielt. Hungersnot, Kindersoldaten, Einsätze von UNO-Streitkräften, den Friedenstruppen, auch Blauhelme genannt. Des Weiteren hören wir Meldungen über Piraterie vor den Küsten Somalias, illegale Waffenverkäufe an Rebellenfraktionen und vieles mehr.

In „DER KEIM DER FURCHT“ agiert der Protagonist André Hartmann als UN-Beobachter und gilt als Nachfolger des deutschen UN-Abgesandten. Dieses Mal soll Hartmann die Ursache für ein Massaker an deutschen Ärzten herausfinden, sowie Hintergründe aufdecken, die immer wieder Hass schüren. Als diplomatischer Mittelsmann gerät er in einen somalischen Putschversuch hinein.

Anhand der Bücher von Steffen Bärtl – nicht realistisch genug, solange eine kompakte und solide Handlung um realistische Ereignisse gewoben und gesponnen wird. Auch wenn sie manchmal unsere Ängste hervorrufen und unsere Gefühlswelt aufwühlt – aber das macht doch gerade den Reiz eines Thrillers aus. Und zu welchem Fazit sind Sie gekommen? In meinem zweiten Beitrag werde ich dem deutschen Autor, Steffen Bärtl, meine Fragen über die Fiktion, Realität und Buchwelt vorlegen.

Von Liubov Osatiuc