Toll, was man hier zu sehen bekommt! Meine Freundin hat rechtzeitig gebremst – um euch dieses Bild nicht vorzuenthalten… Dieses Loch beobachten wir bei unserem täglichen Spaziergang seit mehr als vier Tagen – und es tut sich nichts! Gestern Abend war der „Restbaum“ nur noch ein Stock, und seit heute hängt noch eine rot-weiß-gestreifte Plastiktüte dran! Inzwischen ist er übrigens – wie von magischer Hand – repariert.

 

Interessante Erfahrungen habe ich bei meinen Ausflügen gemacht – aus Hundeperspektive. Oberhalb des großen Almatiner Sees wurden wir vom Grenzsoldaten mit Handschlag begrüßt! Der Grenzschützer war völlig verblüfft, dass wir uns bis dorthin verirrt haben. Wir wollten doch nur zur „Kosmos-Station“ – hat aber nicht ganz funktioniert, mit dem Blick nach oben. Der Grenzschützer war cool, fand mich toll, und hat gefragt „ob ich ein Deutscher sei“. Eine „Dame Hund“ haben meine Freunde geantwortet – und er hat ihnen voller Stolz erzählt, dass er auch einen Deutschen habe… (einen vierjährigen Rüden). Viel zu jung für mich, denn ich bin ja schon sieben!
Der Weg entlang des Sees und die Schaschlyki im Nationalpark waren super – als ich sie mit meinen Freunden geteilt habe, hatten wir eine ganze Menge Zuschauer.
Erwachsene und Kinder staunten. Ich wurde gefragt, ob man mich mal streicheln dürfe, und mit Handküsschen verabschiedet.
So etwas hat man hier nicht alle Tage. Da geht einem das Herz auf. Einen neuen Freund habe ich gefunden – einen Samojeden – so ein hübsches Wollknäuel, der sofort meinen Kofferraum mit Beschlag belegt – und ihn nur unter lautstarkem Protestgeheul wieder freigegeben hat.
Und auf meiner inzwischen beinahe alltäglichen Einkaufstour zu Fuß habe ich sogar eine Banane abgestaubt. Die wurde mir geschenkt und aus der Hand verfüttert – ein Kind von ca. 8 Jahren mit Mutter wollte mir nicht glauben, dass ich Bananen mag – meine Freundin war Brot kaufen und ich draußen. Aber der Gemüsemann kennt mich ja schon – und weiß, dass man mir mit Möhren und Bananen eine Freude machen kann.
Heute stand eine weitere Exkursion auf dem Programm: tolle Piste, der Weg von Almaty nach Kapshagai. Aber wenn die Schnellstraße erst einmal fertig ist, die A3 bis Ust-Kamenogorsk, komme ich noch mal wieder. Die 5 km Autobahn waren schon ein Super-Vorgeschmack!
Eigentlich wollten wir ja nur zum Stausee. Unterwegs habe ich mich dann gefragt, wer da wohl alles in den vielen Casinos am Stadtrand von Kapschagai „zocken“ geht. Die müssen ja Geld haben wie Heu – jede Woche ein Auto in „Klein Las Vegas“. Den Weg zum See haben wir dann auch noch gefunden. Ich wusste gar nicht, dass man als Schäferhund auch klettern können sollte. Statt auf Sand bin ich auf Karst, Geröll und Wiesenresten herumgeklettert. Was mir überhaupt nicht gefallen hat, war der viele Müll am Ufer. Müll wächst nicht – die Menschen sind es, die ihn säen. Warum nehmt Ihr euren Müll nicht mit nach Hause? Meine größeren Geschäfte werden schließlich auch in Tüten verpackt und ordnungsgemäß entsorgt. Das hat auch nichts mit deutscher Gründlichkeit zu tun – aber dieser Dreck, der überall herumliegt, nervt mich einfach!
Ach ja, demnächst möchte ich auch noch in den Park des Präsidenten – letzte Woche wurde mir der Eintritt verwehrt, hatte ich doch meinen Maulkorb, den ich eigentlich so gut wie nie trage, leider zu Hause vergessen. Den Botanischen Garten hätte ich auch noch gern besucht. Denn ich bin ja schließlich eine wohlerzogene Hundedame mit Begleithundeprüfung! Da fällt mir noch etwas ein: der Hundeführerschein – vielleicht sollte man den hier nach deutschen Vorbild mal einführen. Für große Hunderassen ist der Hundeführerschein in Deutschland inzwischen obligatorisch. Von Hundeausbildung haben hier viele Menschen bis auf wenige Ausnahmen sowieso keinen Schimmer. Heute habe ich bei meinem Morgenspaziergang die nette Dame getroffen, die mich regelmäßig begrüßt – und ich lass mich natürlich auch knubbeln. Luisa kam vom Schlittschuhlaufen und hat sich gefreut, mich zu sehen. So, liebe Leser, jetzt muss ich erst einmal alle meine Eindrücke verarbeiten. Deswegen bis demnächst und einen guten Start in die Woche.

Eure Amira von der Schnuckenweide, genannt Mira.