Eine neue Studie der Preisvergleichsplattform HelloSafe zeigt, dass Kasachstan zu den preiswertesten Reiseländern der Welt im Jahr 2025 gehört – und auf Platz 2 von 131 untersuchten Ländern liegt. Dieses Budget soll sämtliche Kosten vor Ort abdecken: Unterkunft, Verpflegung sowie Transport im Land. Auf Platz 1 der günstigsten Reiseziele liegt Laos, gefolgt von Kasachstan und Ruanda auf Platz 3.
Laut der Erhebung geben Reisende in Kasachstan durchschnittlich 17,26 Euro pro Tag aus – rund 10.000 Tenge. Doch wie realistisch ist dieses Budget tatsächlich? Ich habe einen Tag lang meine Ausgaben dokumentiert, um zu sehen, wie weit man damit in Almaty kommt.
Ein Selbsttest in Almaty
Der Tag beginnt in einem beliebten Café im Stadtzentrum: Café Akku gehörte einst zu den bekanntesten Lokalen der sowjetischen Ära in Almaty. Nach umfassenden Renovierungsarbeiten wurde das Café kürzlich wiedereröffnet – und hat sich zu einem der neuen, angesagten Orte Almatys entwickelt. Modernistische Möbel und farbenreiche Mosaike verleihen einen historischen Charakter. Ein Cappuccino und ein Gebäckstück hier haben zusammen 3.200 Tenge gekostet.
Danach geht es zu Fuß weiter, um noch etwas Sonne abzubekommen, solange der Winter noch mild ist. Die zentralen Viertel Almatys sind gut begehbar, doch auch der öffentliche Verkehr ist äußerst günstig: Ein Bus- oder Metroticket kostet 120 Tenge (0,20 Euro) pro Fahrt. Viele Einheimische nutzen zudem Taxis, die je nach Uhrzeit und Strecke meist zwischen 900 und 2.000 Tenge liegen (1,50 – 3,40 Euro).
Mittags führt mich mein Weg zum Grünen Bazaar, einem der lebendigsten Orte der Stadt. Neben traditionellen Handwerkswaren und Souvenirs findet man hier frische Produkte, Obst, Gemüse, Fleisch- und Molkereiwaren sowie Gebäck. Mein Lieblingsbereich sind jedoch die Stände der koreanischen Community, die seit Jahrzehnten Teil der kulinarischen Vielfalt Kasachstans ist. Eine Portion koreanischer Glasnudeln mit Gemüse kostet 1.500 Tenge (2,55 Euro), dazu ein frisch gepresster Granatapfelsaft 500 Tenge (0,85 Euro).
Am Abend treffe ich mich mit einem Freund zum kasachischen Essen. Im traditionellen Restaurant „Baharat“ bestellen wir Salat, Pelmeni, Kuyrdak – ein Gericht aus Pferdefleisch, dazu Tee und einige traditionelle Süßigkeiten. Das Ganze kostet uns rund 5.000 Tenge (8,50 Euro) pro Person – ein Preisniveau, das für Almaty keinesfalls außergewöhnlich ist.
Almaty bietet viele Freizeitoptionen: von kostenlos bis teuer. Zahlreiche Galerien im Stadtzentrum sind umsonst zugänglich, Museen wie das Almaty Museum of Arts kosten rund 2.000 Tenge (3,40 Euro) Eintritt. Beliebte Ausflugsorte wie Kök Tobe kann man zu Fuß oder mit der Seilbahn erreichen, mit 4.500 Tenge (7,64 Euro) für die Hinfahrt. Wer höher hinaus will, fährt ins Gebirgstal von Medeu und kann dort spazieren oder die Gondel nach Schymbulak, dem wesentlich höher gelegenen Skiresort, nehmen. Auch für das Nachtleben gibt es zahlreiche Optionen: Bars, Clubs und Live-Musik-Venues wie Jazzbars, die oft eintrittsfrei sind oder maximal 6.000 (10,20 Euro) Tenge verlangen.
Der entscheidende Faktor: die Unterkunft
Während meine eigenen Tagesausgaben das kalkulierte Budget der Studie durchaus widerspiegeln, zeigt sich schnell ein entscheidender Haken: Die Unterkunft, die in der Berechnung ebenfalls enthalten ist, lässt sich mit den angesetzten 10.000 Tenge pro Tag kaum realistisch abdecken. Selbst die günstigsten Optionen liegen deutlich darüber.
Ich selbst miete ein Zimmer in einer zentral gelegenen Wohnung – heruntergebrochen etwa 6.500 Tenge (11 Euro) pro Nacht. Hostelpreise beginnen ähnlich, meist um die 6.000 Tenge (10,20 Euro). Hotels oder Airbnb-Zimmer sind deutlich teurer: Ein privates Zimmer startet bei rund 10.000 Tenge (17,26 Euro). Allein die Unterkunft verschlingt also bereits mehr als die Hälfte des gesamten vorgeschlagenen Tagesbudgets. Für Essen und Aktivitäten bleibt da wenig Spielraum. Zwar ist Almaty die teuerste Stadt Kasachstans, doch auch in Schymkent, Turkestan oder Astana sieht die Lage kaum anders aus: Selbst die einfachsten Unterkünfte beginnen dort bei rund 5.000 Tenge.
Für Outdoor-Fans kann das Budget eher aufgehen, vor allem wenn man mit Zelten die Kosten für eine Übernachtung einspart. Doch auch das ist für weniger erfahrene Reisende nicht immer realistisch, da man Geld für Guides, Touren und Transport zahlt.
Genuss über Budget
Natürlich kann man das 10.000-Tenge-Budget einhalten – zumindest theoretisch. Wer im Hostel schläft, nur einmal am Tag im Café oder Restaurant isst und den Rest selber kocht, kommt damit vermutlich durch den Tag. Doch die Studie spricht von einem durchschnittlichen Tagesbudget. Und beim Reisen möchte man ja auch die lokale Küche probieren oder mal zwischendurch einen Kaffee trinken, Sehenswürdigkeiten besuchen und abends unterwegs sein. Reisen bedeutet schließlich auch Genuss, Neugier und Spontaneität. Also ist das Budget für Kasachstan, um die volle Erfahrung zu machen, eher unrealistisch, aber das Land ist immer noch einen Besuch wert!


























