Vom 6. bis 9. Juni fand an der Turan-Universität Almaty die 8. Sommertagung der 1999 gegründeten Central Eurasian Studies Society statt, die zweijährlich durchgeführt wird. Die Herbsttagungen organisiert die CESS jährlich in den USA (dieses Jahr an der Syracuse University im Bundestaat New York), wo die Organisation ihren Sitz hat.

Die CESS ist eine interdisziplinär ausgerichtete Vereinigung, in der sich Historiker, Politikwissenschaftler, Ökonomen, Soziologen, Anthropologen und Vertreter weiterer relevanter Fachrichtungen historischen und aktuellen Themen Zentral-Eurasiens widmen und den wissenschaftlichen Austausch pflegen. Geographisch erstreckt sich das so bezeichnete Gebiet grob von Westasien über den Kaukasus bis nach Westchina, umfasst Teile Sibiriens, die Mongolei und Afghanistan und beinhaltet Zentralasien als Kern.

Austausch zwischen etablierten Experten und Nachwuchsforschern

An den ersten drei Konferenztagen gab es jeweils drei, am letzten Konferenztag zwei Session-Zeitfenster von jeweils knapp zwei Stunden, in denen bis zu zehn Panels zeitgleich in unterschiedlichen Räumen der Universität durchgeführt wurden. Zudem gab es eine Reihe kleinerer Workshops, darunter zum Publizieren in hochkarätigen wissenschaftlichen Zeitschriften. Ein weiterer Workshop fand zum Thema „Water and the Environment in Central Eurasia” statt, gewidmet der 2023 früh verstorbenen Julia Obertreis, Geschichtsprofessorin mit dem Schwerpunkt Umweltgeschichte Osteuropas an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Die Kaffee- und Mittagspausen dienten natürlich der Kontaktpflege und dem Austausch zwischen den Teilnehmern, die zumeist aus der Region Zentral-Eurasien selbst, teilweise aber auch aus Westeuropa und Nordamerika stammten. Darunter waren Nachwuchswissenschaftler wie auch zahlreiche etabliertere Forscher.

China als Akteur in Zentralasien

Beispiele für Panelthemen sind „Kazakhstan in International Relations”, „Comparative Education in Central Asia”, „Russia’s War on Ukraine and its Political Repercussions”, und „Global Connectivity and Integration in Central Asia“. Mehrere Panels waren dem Thema China in Zentralasien gewidmet. Darin ging es unter anderem um Chinas „soft power“, die Auswirkungen der Belt and Road-Initiative und die Reaktionen lokaler Akteure – staatlicher und zivilgesellschaftlicher – wie auch die chinesische Politik gegenüber der muslimisch-türkischsprachigen Minderheit der Uiguren im Gebiet Xinjiang in historischer Betrachtung.

In einem Panel wurde speziell die Frage aufgeworfen, wie China durch bilaterale Kooperationen und die Förderung der Expansion seiner Technologieriesen zu einem wichtigen Akteur bei der Gestaltung des zentralasiatischen Informations- und Kommunikationstechnologiesektors geworden ist und was dies für diese Region bedeutet.

Größte private Hochschule Kasachstans

Mehrere Panels dienten der Diskussion oder der Ankündigung von Monographien oder Sammelbänden. Dazu gehörte ein Buch von Philipp Schroeder, Professor für Anthropologie an der Nazarbayev-Unversität in Astana, zu „Translocality, Entrepreneurship and Middle Class Across Eurasia“ und ein Buch von Gulnar Kendirbai (Columbia University, New York), das sich mit „Russian Practices of Governance in Eurasia“ zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert auseinandersetzt.

Zeitgenössisch und militärwissenschaftlich haben Michael Hilliard (The Oxus Society for Central Asian Affairs) und Diane Tippett (University of Sydney) ein im Erscheinen befindliches Handbuch zu den Armeen Zentralasiens vorgestellt. Hillard erläuterte in seiner Präsentation Befehlsketten und Kommandostrukturen der jeweiligen (Teil-)Streitkräfte, spielte eine Reihe von Szenarien für deren Einsatz durch. In der Fragerunde erklärte er unter anderem die Motivationen für den zunehmenden Erwerb auch nicht-russischer Rüstungsgüter, unter anderem aus China und Westeuropa.

Neben dem wissenschaftlichen Austausch und der Kontaktpflege zwischen den Teilnehmern hatte natürlich nicht zuletzt auch der Gastgeber, die 1992 gegründete Turan-Universität, in den vier Tagen Gelegenheit, sich als größte private Hochschule Kasachstans zu präsentieren. Veranstaltungsort und Gastgeber der nächsten CESS-Sommertagung 2026 stehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht fest.

Prof. Dr. Sebastian Mayer, DAAD Associate Professor an der OSZE-Akademie in Bischkek

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