Anfangs wurden Graffiti in Almaty kritisch beäugt, galten den meisten sogar als reiner Vandalismus. Heute ist das Ganze entspannter: Sogenannte Murals werden sogar vom Staat gefördert, um graue Betonflächen zu verschönern.

Wenn wir täglich die Straßen in unserer Stadt entlang gehen, stoßen wir ständig auf Malereien an Gebäudewänden. Sie prägen das Stadtbild so selbstverständlich, dass viele Menschen sie gar nicht mehr wahrnehmen. Andere wiederum denken sehr wohl darüber nach, welche Bedeutung sie haben und welche Botschaften sie transportieren.

Die Zeichnungen, die in städtischen Gebieten an Hauswänden und Zäunen zu sehen sind, gehören zu einer Kunstform, die als „Graffiti“ bekannt ist. Das Wort selbst wird gebildet durch den Plural des italienischen „graffito“. Es leitet sich aus dem Griechischen von „graphein“ ab, was so viel bedeutet wie „schreiben“ und „zeichnen“.

Erstmals tauchte die Kunstform in den 1960-1970er Jahren in New York City auf und war damals ein Erkennungsmerkmal der Hip-Hop-Bewegung. Anfangs bestanden Graffiti aus Inschriften, oft stilisierten sie Namen oder Pseudonyme von Personen. Die Aktivitäten von Graffiti-Künstlern galten als illegal, da sie ohne Erlaubnis auf fremdem oder staatlichem Eigentum malten. Doch beliebt waren Graffiti allemal wegen ihres hellen und ungewöhnlichen Designs – vor allem bei jungen Leuten.

Vandalismus vs. Kunst

Schritt für Schritt fanden die bunten Wandmalereien eine Fangemeinde auf der ganzen Welt. Auch heute noch erfreuen sich Graffiti großer Beliebtheit, und das nicht nur bei jungen Leuten. In vielen Ländern jedoch gelten solche Aktivitäten immer noch als illegal oder sind verschrien als eine Form von Vandalismus – zumindest wenn sie ohne Erlaubnis des Eigentümers des Gebäudes gezeichnet wurden. Demgegenüber gibt es jedoch auch Graffiti, die von Künstlern als Auftragswerke angefertigt werden. Diese Graffiti sind an den Wänden von Gebäuden zu sehen und oft großflächig. Sie gehören zur Graffiti-Richtung „Street-Art“.

Solche Graffiti sind keine einfachen Inschriften, sondern echte Gemälde, abstrakt oder mit einer gewissen semantischen Botschaft. Graffiti schmücken die Stadt und verleihen langweiligen und eintönigen Gebäuden eine gewisse Ästhetik und Helligkeit. Auch wenn man durch Almaty geht, kann man viele Graffiti-Werke sehen.

Almaty und seine Murals

In Kasachstans Hauptstadt des Südens haben Graffiti in letzter Zeit ebenfalls an Popularität gewonnen. Bis vor einigen Jahrzehnten betrachteten die Menschen Straßenkunst mit schiefem Blick, und Künstler gerieten oft wegen ihrer Arbeit in Schwierigkeiten. Obwohl Graffiti auf gesetzlicher Ebene immer noch als Form von Vandalismus gilt, ist die Einstellung dazu in der modernen Gesellschaft viel entspannter geworden. Großer Beliebtheit erfreuen sich die sogenannten Murals – großformatige Wandmalereien, die im Auftrag des Staates angefertigt werden. Solche Werke gehören ebenso wie einfache Graffiti zur Kategorie Street-Art.

In Almaty kann man viele Beispiele für Wandmalereien an den Wänden mehrstöckiger Gebäude sehen. Solche Werke werden zu verschiedenen Themen in verschiedenen Stilen aufgeführt. Einige sind realistischer, wie etwa Landschaften oder Porträts. Andere sind abstrakter, mit leuchtenden Farben, die einem sofort ins Auge fallen. Sowohl solche Wandbilder als auch inoffizielle Werke gehören zur modernen Kunst.

Die ersten Murals tauchten in Almaty im Jahr 2010 auf. Es gibt sogar ein Festival „MURAL FEST“, bei dem Künstler aus Kasachstan, Russland, Großbritannien und anderen Ländern großformatige Werke in verschiedenen Teilen der Stadt anfertigen. Die Autoren der Wandbilder sind oft junge Straßenkünstler, deren Werke auf der ganzen Welt zu finden sind.

Nadira Tokhtarova

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