Wo früher Wüste war, ist wieder Wasser: Die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Verbesserungen für Menschen und Tiere rund um den Kleinen Aralsee sind das Thema einer Koproduktion des Fernseh- und Radiosenders „Kasachstan“ und der Deutschen Welle. Die Autoren des Films Tatjana Schandildina und Uli Hufen zeigen statt ausgelutschter Bilder von Schiffsfriedhöfen aktive Bürgermeister, zurückgekehrte Fischer und viel Wasser.

/Bild: privat . ‚Das Meer kehrt zurück – um vier Meter ist der Wasserspiegel des Kleinen Aralsees nach dem Bau des Kokaral-Damms gestiegen.’/

11 Uhr morgens im Delta des Syr Darya, Südwestkasachstan. Zwei Fischer aus dem Dorf Katateren kehren vom nächtlichen Fang zurück. Mehr als 150 Kilogramm wilden Karpfen haben die beiden jungen Männer mit ihren Netzen in der Nacht gefangen. Ein guter Fang, den sie direkt am Ufer an einen Händler verkaufen. Was sich an diesem Morgen hier abspielt, wirkt friedlich und ganz selbstverständlich. Doch der Eindruck täuscht. Normal ist hier gar nichts, der Fisch mit dem die Männer ihren Lebensunterhalt verdienen, stammt aus dem Aralsee.
So beginnt der Dokumentarfilm „Zum Abgrund und zurück“ über die Rettung des Aralsees. Das Meer – wie es die Bewohner nennen – hat seit den 1960er Jahren 1.000 Kubikmeter Wasser verloren und besteht nur noch aus weniger als neun Prozent seiner ursprünglichen Größe. Es ist nicht mehr ein See, sondern nur noch drei Wasserpfützen. Der Rest ist Wüste, aus der Windstürme Sand und Salz hunderte Kilometer weit tragen und die Menschen krank machen. Doch es gibt laut den Journalisten Tatjana Schandildina und Uli Hufen Hoffnung, zumindest für den Nördlichen Aralsee.

Erfolge im ökologischen Krisengebiet

Fischhandel am Kleinen Aralsee.

Die Koproduktion des Fernseh- und Radiosenders „Kasachstan“ und der Deutschen Welle zeigt, wie es der kasachischen Regierung in Zusammenarbeit mit der Weltbank seit 2005 gelungen ist, die Austrocknung des Nördlichen Aralsees zu stoppen und sogar umzukehren. Schon Anfang der 90er Jahre hatten Wissenschaftler den Bau eines Damms angeregt, um den Kleinen Aral zu retten. Damals war kein Geld vom Staat zu bekommen, also taten sich die Bewohner der umliegenden Dörfer zusammen und errichteten mit Traktoren, LKWs und bloßen Händen einen ersten, provisorischen Damm.

Zehn Jahre später kam die Generation Bürgermeister ohne Jeep und Krawatte an die Macht. Der politische Wille der kasachischen Regierung führte zum Bau des
13 Kilometer langen Kokaral-Damms. Dank der Kooperation der Seeanrainer über den Internationalen Fonds zur Rettung des Arals und der Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen hat der Damm bisher 30 Kubikmeter Wasser aufgestaut.

Todgesagte leben länger

Heute schlängelt sich auf der einen Seite des Damms eine Schlange durch die Wüste, auf der anderen Seite des Damms gleiten silbrige Fische durchs Wasser. Zu dem Erblühen der Menschenleben führt eine Wasserleitung, die immer mehr Dörfer am Kleinen Aralsee erreicht. Dank des ungewöhnlich guten Trinkwassers einer neu erschlossenen unterirdischen Wasserquelle gingen bereits die Kindersterblichkeit und die Nierenerkrankungen in dem Gebiet zurück.

Das Kleine Meer füllt sich weiter. Um vier Meter ist der Wasserspiegel bisher gestiegen, noch weitere vier Meter, und der See kehrt in den Hafen des ehemaligen Fischerortes Aralsk zurück. Vielleicht ein Bild für den zweiten Teil des Films. Fürs Erste muss genügen, dass die Fische zurück sind, und die Fischer nach 30 Jahren Zwangspause wieder jeden Tag auf den Aral rausfahren, wenn es auch nur der Kleine ist.

Von Christine Karmann