Zwei meiner Bekannten, Holger und Emi, kommunizieren über Facebook. Und ich habe den Anschluss verloren. Zuletzt habe ich Emi gefragt, wie es Holger derzeit geht. Seine Antwort: Schau auf Facebook nach! Ich hätte eher als Antwort erwartet: Frag ihn doch selbst!

Aber gut, tatsächlich kann ich dort nicht nur sehen, wie es meinen Freunden geht, sondern sie auch auf Schritt und Tritt durch ihr Leben und ihren Alltag begleiten. Sie vermerken dort, wann sie schlafen gehen, wann sie aufstehen, wie sie geschlafen haben, was sie jetzt tun, spülen, arbeiten, spazieren, einkaufen, wie es beim Einkaufen war, was sie essen, ob es lecker geschmeckt hat… Man erfährt also viel mehr voneinander als in einer langjährigen Ehe; manchmal auch mehr, als man wissen möchte. Einer von beiden (aus Gründen der Diskretion verrate ich jetzt nicht, wer) hat sich zuletzt selbst befriedigt und das währenddessen über Facebook mitgeteilt. Also nee, dacht’ ich mir, da sitzt er gerade jetzt in diesem Moment vor dem PC, holt sich einen runter und tippt das in Facebook ein! Ob ich das wirklich wissen wollte, fragte ich mich. Nein. Tatsächlich nicht. Aber unabhängig davon schien mir Facebook womöglich ganz praktisch zu sein oder zumindest die einfachste Variante, mit meinen Freunden zu kommunizieren, wenn sie nicht gerade sonst wo unterwegs sind oder sonst was tun! Ich habe mich aber in all den vielen Funktionen und Möglichkeiten von Facebook, mit anderen in Kontakt zu treten, verheddert und bin schließlich verzweifelt. Man kann chatten, sich Nachrichten schicken, etwas auf die eigene oder jemandes Pinnwand schreiben und irgendwas mit dem Status anstellen. Dann gibt es noch regionale Bereiche (zum Beispiel Köln und meinen Stadtteil), was es noch komplizierter macht. Ich bin immer zielsicher in der falschen Funktion gelandet, so dass ich gar nicht mehr wusste, wo meine Nachrichten gelandet sind, ob gar im öffentlichen Raum und ob alle mitlesen können, was ich Emi oder Holger geschrieben habe. Ob dieser Öffentlichkeit gab es auch schon einen Streit unter den beiden Freunden. Der eine schreibt manchmal auf Spanisch, wodurch sich der andere ausgeschlossen fühlt. So geht das aber auch nicht, dass hier nicht alle alles verstehen können! Wenn schon öffentlich, dann ganz und gar, bitteschön! Ganz schön und manchmal auch hilfreich ist es, wenn sie Fotos einstellen, vor allem, wenn sie topaktuell sind. Beispielsweise konnte ich während einer Kulturwoche schauen, ob es in der Kneipe, wo Emi arbeitete, voll oder leer war, welche Leute da so an der Theke hockten, woraufhin ich entschied, hinzugehen oder lieber daheim zu bleiben. Ach, da wir gerade dabei sind, schau ich doch mal wieder vorbei … Holger ist anscheinend noch nicht wach, und Emi war vor 34 Minuten „petrified“ – was auch immer er damit ausdrücken möchte. Wäre er online, was er nicht ist, wie ich über Facebook sehen kann, könnte ich ihn fragen. Nun gut, bei nächster Gelegenheit. Wenn wir uns mal wieder persönlich von Angesicht zu Angesicht unterhalten.

Julia Siebert

27/03/09