Ein Stipendiat vom Goethe-Institut über Lernen, Reisen und Motivation

Der Gast dieses Interviews ist Mārtiņš Niks Jurāns, Teilnehmer einer internationalen Bildungsreise nach Deutschland, die vom Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit Schulen aus verschiedenen Ländern im Rahmen des PASCH-Projekts organisiert wurde. Er stammt aus Lettland, aus der Kleinstadt Kārsava, und beherrscht bereits im Alter von 18 Jahren fünf Sprachen. Reiseerfahrungen, die Teilnahme an internationalen Programmen und sein Interesse an anderen Kulturen haben seinen offenen Blick auf die Welt geprägt. In diesem Interview teilt er seine Eindrücke von Deutschland, vom Sprachenlernen und von der Bedeutung internationaler Begegnungen für junge Menschen.

Mārtiņš, du kommst aus der sehr kleinen Stadt in Lettland, die nur etwa 1800 Einwohner*innen hat. Wie hat dich das Leben dort geprägt?

Ich habe sehr positive Erinnerungen an meine Heimatstadt. Es gab dort ein lokales Gymnasium und eine Musik- und Kunstschule, an der ich acht Jahre lang gelernt habe. Dort lernte ich, vier Instrumente zu spielen, mein Hauptinstrument war das Schlagzeug. Der einzige Nachteil war das Fehlen von Möglichkeiten zum Deutschlernen. Nach der sechsten Klasse wollte ich eigentlich Deutsch lernen, aber damals wählten nicht genug meiner Mitschüler diese Sprache, sodass ich stattdessen Russisch lernte, was tatsächlich ziemlich nützlich war. Später wechselte ich die Schule, wo das Erlernen von Deutsch schließlich möglich war.

Du beherrschst fünf Sprachen, was nicht jeder von sich sagen kann – weniger als 1 Prozent der Weltbevölkerung sprechen fünf oder mehr Sprachen fließend. Erzähl uns von deinem Weg dazu.

Meine Lernreise begann in dem mehrsprachigen Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin. In meiner Region ist es üblich, drei oder vier Sprachen zu sprechen, aber ich wollte herausstechen und etwas anderes lernen – Deutsch. Ich begann, Deutsch selbst mit Online-Apps zu lernen. Durch kontinuierliches Lernen erreichte ich selbstständig das A2-Niveau. Später lernte ich Deutsch mit einer Lehrkraft weiter.

Welchen Rat kannst du geben? Wie kann man beim Sprachenlernen Fortschritte machen? Wie kann man die Sprache nicht verlernen, wenn sie zum Beispiel im täglichen Leben nicht so viel anwendbar ist?

Heute macht das Internet das Lernen und Anwenden einer Sprache viel einfacher. Tauche in die Kultur ein – schau dir Filme an, hör auf die Text der Pop-Musik, verfolge die sozialen Medien und lies dort Nachrichten in der Zielsprache. Suche dir Freunde oder Lernpartner, die die Sprache sprechen oder sie ebenfalls lernen, das steigert die Motivation enorm und hält deine Sprachkenntnisse frisch. Und vergiss nicht: Übersetzungs-Apps sind da, wenn du bei einem Wort oder Ausdruck nicht weiterweißt. Ich bevorzuge diesen Ansatz gegenüber Büchern oder starren Lernmethoden. Er erlaubt dir, das zu erkunden, was dich wirklich interessiert, und macht den Lernprozess deutlich angenehmer. Allerdings finde ich es ohne Bücher oder gezieltes Lernen nahezu unmöglich, die Grundlagen der Sprache zu erlernen. Bücher sollten auf keinen Fall vernachlässigt werden – sie sollten deine Reise unterstützen und dir helfen, Fehler zu korrigieren.

Während du Deutsch gelernt hast, warst du zweimal in Deutschland. Welche Erwartungen hattest du damals und wurden diese erfüllt?

Ich war zweimal in Deutschland: Einmal für einen Universitätsbesuch und einmal für ein Sprachcamp. Beide Reisen waren großartig. Ich erkundete wunderschöne Städte und Landschaften und entdeckte die vielen Bildungsangebote, die Deutschland bietet. Ich erwartete, etwas Neues und Unbekanntes zu erleben, und wurde nicht enttäuscht. Besonders beeindruckt hat mich, wie zukunftsorientiert die Deutschen sind. Es fühlte sich an, als würde man die Zukunft betreten. Solche motivierten und aufgeschlossenen Menschen zu treffen, bestärkte mich darin, warum es sich lohnt, Fremdsprachen zu lernen.

Auf solchen Reisen lernt man Menschen aus verschiedenen Ländern kennen. Was, glaubst du, lernt man dabei am meisten?

Menschen kennenzulernen ist zweifellos das Beste, was man von diesen Reisen mitnehmen kann. Die Bedeutung dieser Freundschaften ist für mich unbeschreiblich.

Die bleibenden Erinnerungen an die gemeinsamen Momente und Abenteuer sind unvergesslich. Sie verändern einen grundlegend. Internationale Freundschaften eröffnen einen neuen Blick auf die Welt – ohne Grenzen und voller Möglichkeiten, wofür ich sehr dankbar bin.

Was denkst du über die Zusammenarbeit zwischen dem Goethe-Institut und den lettischen Schulen? Sollte es mehr Projekte wie PASCH geben?

Ich glaube, der Weg zum Sprachenlernen ist viel individueller, als viele denken. Ich habe die Grundlagen der deutschen Sprache selbst erlernt und war in meiner Stadt fast der Einzige, der überhaupt ein bisschen Deutsch sprechen konnte. Später wird jedoch eine gute und professionelle Lehrkraft wichtig und macht den Lernprozess deutlich einfacher. Meine Lehrerin war sehr professionell. Sie half mir, meine Sprachkenntnisse weiter zu verbessern und gab mir – was sehr wichtig ist – pragmatische und nützliche Ratschläge, wenn ich sie brauchte. Durch ihre Hilfe konnte ich ein hohes Sprachniveau erreichen, was den Wert guter Lehrpersonen zeigt.

Was die Organisationen angeht, so denke ich, dass sie am besten mehr Kommunikation unter Sprachlernenden fördern sollten, indem sie Veranstaltungen und Camps wie jene, an denen ich teilnahm, oder zum Beispiel auch regelmäßige Spieleabende organisieren. Solche Möglichkeiten helfen den Lernenden, ihre Methoden auszutauschen, motiviert zu bleiben und regelmäßig weiterzumachen. Ich finde, das Goethe-Institut in Lettland leistet großartige Arbeit, die mir auf meinem Weg sehr geholfen hat.

Wenn du auf deine Schulzeit zurückblickst: Was würdest du der jungen Generation mit auf den Weg geben?

Den Wert von Bildung kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Die Möglichkeiten, die Bildung und Sprachenlernen bieten, sind wirklich bemerkenswert. Camps und neue Freundschaften sind nur ein kleiner Teil ihres Einflusses auf unser tägliches Leben. Sie formen unsere Weltanschauung und persönliche Philosophie zum Besseren. Ich würde den jungen Leuten raten, jede Bildungsgelegenheit voll auszunutzen und das Lernen auch genussvoll zu gestalten. Eine angenehme Lernreise bringt bessere Ergebnisse und unvergessliche Erinnerungen. Auf alles zurückzublicken, was man erreicht hat, bringt echte Freude.

Dieses Gespräch zeigt einmal mehr, dass internationale Bildungsreisen weit mehr sind als nur das Kennenlernen eines anderen Landes. Es sind Begegnungen, die den Blick auf die Welt verändern, die dabei helfen, andere und sich selbst besser zu verstehen, und die lange über die Reise hinaus in Erinnerung bleiben werden.

Ruslan Suleimanov, 27. Gymnasium, Almaty

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