Ab diesem Oktober wird das Leben zumindest für einige der Menschen mit Behinderung, die in Kirgisistan leben, etwas angenehmer. Denn dank des Teams „Djamila“ (DAZ berichtete) um André Nowak kann seit dieser Woche der erste behindertengerechte Kleinbus über die Straßen von Bischkek rollen und Personen mit eingeschränkter Mobilität befördern.

Das Projekt hat der Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften (BDWO) gemeinsam mit dem Allgemeinen Behindertenverband in Deutschland (ABiD) umgesetzt. Mithilfe von Spenden sowie finanzieller Unterstützung durch die deutsche Botschaft in Bischkek konnte das Fahrzeug am Montag dem kirgisischen Behindertenverband KROI übergeben werden. Dessen Vorsitzender Schukurbek Kuchkachow war vor drei Jahren mit der Rolli-Bus-Idee an Nowak herangetreten.

Einziger Wermutstropfen: Die Organisatoren hatten von ihrem ursprünglichen Plan abweichen müssen, den Bus in Deutschland zu erwerben und damit die ganze Strecke mit Zwischenhalts in mehreren Ländern bis nach Bischkek zurückzulegen. Die Stationen in Warschau, Minsk, Moskau, Samara und Almaty hätten unter anderem zur Vernetzung und zum Austausch mit örtlichen Behindertenorganisationen gedient. Vor allem Corona hatte diesem Vorhaben aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Wurde am Montag von Team Djamila und der deutschen Botschaft Bischkek an den KROI übergeben: Ein behindertengerechter Rolli-Bus.

Und so mussten Begegnungen und persönlicher Austausch auf Bischkek beschränkt bleiben. Dort organisierte der KROI am Wochenende zunächst einen Runden Tisch mit Partnern. Am heutigen Dienstag findet außerdem eine kirgisisch-deutsche Behindertenkonferenz mit kirgisischen Behindertenorganisationen sowie Vertretern aus Politik, Verwaltung und Medien statt. Im Vordergrund stehen bei den Gesprächen die Themen Mobilität, barrierefreie Infrastruktur und barrierefreier Tourismus.

Es geht um Menschenrechte

Bereits am Donnerstag hatten die Organisatoren des Projekts zu einem Gespräch in den Deutschen Bundestag geladen, um die Öffentlichkeit über die erfolgreiche Umsetzung zu informieren. Mit dabei waren neben anderen Rednern auch die Bundestagsabgeordneten André Hahn (Linke) und Johann Saathoff (SPD), die in ihrer jeweiligen Funktion das Projekt ebenfalls unterstützt haben. Hahn ist stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Zentralasiatischen Parlamentariergruppe, während Saathoff als Regierungskoordinator für die zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit Deutschlands mit der Region die Schirmherrschaft über Djamila übernommen hatte.

Die Pressekonferenz des Teams Djamila im Deutschen Bundestag (v. l . n . r.): André Hahn, Johann Saathoff, André Nowak, Erlan Abdyldaev, sowie Peter Franke vom BDWO und Klaus Heidrich vom ABiD

Der SPD-Politiker, der bei der Bundestagswahl in seinem niedersächsischen Wahlkreis den bundesweit höchsten Anteil an Erststimmen holte, hob am Donnerstag vor allem die Bedeutung des Erfahrungsaustauschs durch die Bischkek-Reise hervor. „Es geht nicht nur um den Transport von A nach B, sondern es geht auch darum, dass Menschen sich begegnen“, sagte Saathoff. „Und es geht um nicht weniger als Menschenrechte.“ Djamila sei ein „Pilotprojekt, das die Rechte von Menschen mit Behinderung voranbringt“.

Bedeutender Beitrag zur Entwicklung des Landes

Für die kirgisische Seite drückte Erlan Abdyldaev, Botschafter der Republik Kirgisistan in Deutschland, den Organisatoren von Djamila seinen Dank aus. Er sprach von einem Projekt, das „der weiteren Annäherung unserer Länder“ diene. Außerdem gab er einen Einblick in die Situation der rund 196.000 Menschen mit Behinderung in Kirgisistan, das am 14. März 2019 der UN-Behindertenrechtskonvention beigetreten ist. Für die Umsetzung der nationalen Verpflichtungen gemäß der Konvention sind jährlich 7 Millionen Euro vorgesehen.

Abdyldaev dazu: „In unserem Land werden erhebliche Anstrengungen dafür unternommen, die Rechte von Menschen mit Behinderung zu wahren, für ihre soziale Rehabilitation einzutreten, für ihre Integration, und auch für ihre Eingliederung in den Arbeitsmarkt.“ Zugleich wolle er betonen, dass die Betroffenen „sich auch selbst aktiv einbringen und nicht die Hände in den Schoß legen“. Sie leisteten damit „ihren bedeutenden Beitrag sowohl zur sozial-ökonomischen als auch zur intellektuellen und kulturellen Entwicklung unseres Landes“.

Christoph Strauch

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