Bei den russischen Militärs in Werny, dem heutigen Almaty, ging es lustig zu in den frühen Jahren der Stadt. Bis ein Erdbeben das beliebte Offizierskasino zerstörte. Der Architekt Andrej Senkow schuf zwar mit einem neuen Bau Abhilfe, doch der diente nicht mehr lange als Treffpunkt für die Offiziere.

Auf dem Gebiet des heutigen Almaty siedelten zwar schon vor rund 3000 Jahren die ersten Menschen. Die Geschichte der Stadt beginnt aber erst mit der Gründung der Militärfestung Wernoje durch Major Michail Peremyschelski am 4. Februar 1854. Das Russische Reich errichtete bei der Erschließung Zentralasiens diverse solcher militärischen Vorposten zur Verteidigung seiner südlichen Grenzen. Auch suchten die Kasachen den Schutz des russischen Zaren vor Stämmen, die aus der Mongolei einfielen. Stämmen, die bereits 500 Jahre zuvor unter Dschingis Khan mit harter Hand in der Region geherrscht hatten. Mit Verleihung der Stadtrechte am 11. April 1867 wurde aus der Militärfestung, die zu dieser Zeit bereits mehr als 10.000 Einwohner zählte, die Stadt Werny. Die neue Stadt war das Zentrum des Gebietes Semiretschje – des Siebenstromlandes.

Die Ursprünge der Stadt liegen also durchaus in der Militärstrategie des Russischen Reiches begründet. Die Generalgouvernements, in welche weite Teile des Herrschaftsgebietes des russischen Zaren aufgeteilt waren, waren militärisch organisiert. Somit gaben sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts russische Generäle und Offiziere am Fuße des Transili-Alatau-Gebirges die Klinke in die Hand. Und es muss lustig zugegangen sein im Offizierskasino jener Tage. Davon zeugen Erinnerungen eines A.K. Gaynes aus dem Jahre 1865, der bei dem Kommandeur des Alatauer Bezirkes N.A. Friderick zu Besuch war. Er berichtete von herrlichen Speisen, Wein aus den Petersburger Jelissejew-Feinkostläden, Generälen beim Kartenspiel und wilden Tänzen und Gesängen zu Pianomusik.

Neues, erdbebensicheres Offizierskasino

Dieser Spaß fand ein jähes Ende, als das schwere Erdbeben von 1887 das Gebäude zerstörte. Die Offiziere mussten sich in der Folgezeit in ihren Privatgemächern treffen. Ein neues Offizierskasino an jener Stelle wurde erst 1908 errichtet. Architekt war auch hier Andrej Pawlowitsch Senkow, der für viele andere Gebäude in der Stadt verantwortlich war und das Stadtbild des vorrevolutionären Werny wie kein anderer prägte. Auch in diesem Falle entschied er sich für eine Architektur im neorussischen Stil, angelehnt an die ursprüngliche, russische Holzbauweise. Einem weiteren Erdbeben im Jahr 1911 hielt das neue Holzgebäude stand.

Der markante Holzbau, dessen Mittelteil einem Wachtürmchen ähnelt, hatte seine Aufgabe als Treffpunkt der Offiziere nur wenige Jahre inne. Bereits 1913 wurde das Gebäude in den Ausstellungspavillon für die ersten landwirtschaftlichen und industriellen Ausstellungen des Gebietes Semiretschje umgewandelt. Seitdem hat sich seine Bestimmung mehrmals geändert. Ein paar Jahre lang befand sich darin eine Post– und Telegrafenstation. Zwischen 1927 und 1929 beherbergte es das Kino „Roter Stern“, eines der ersten der Stadt. In den Kriegsjahren fanden auch die Ensembles verschiedener evakuierter sowjetischer Theater hier Unterschlupf. Das „Haus der Offiziere“, als das es inzwischen bekannt war, fand seine endgültige Bestimmung jedoch erst in den 1980er Jahren.

Kein Lenin, dafür kasachische Volkskultur

Gegen Ende der 1970er Jahre befand man, dass Alma-Ata einen neuen Lenin-Platz brauche. An dessen östlichem Ende sollte sich ein gewaltiges, neues Haus der Offiziere erheben. Der Neubau von 1978, dem viele historische Gebäude aus der vorrevolutionären Zeit weichen mussten, blieb in seinen Ausmaßen hinter den Plänen zurück. Auch Lenin hielt hier nie Einzug. Stattdessen wurde ein Weltkriegs-Denkmal errichtet, dessen ewige Flamme auch heute noch brennt. Das alte Holzgebäude des Offiziershauses von 1908, welches seit 1979 unter staatlichem Denkmalschutz steht, überragt seitdem der riesige Verwaltungsbau.

In den frühen 1980er Jahren kommt so allerdings auch die wechselvolle Geschichte des alten Hauses der Offiziere zur Ruhe. Seit 1983 befindet sich das Nationale Museum der Volksinstrumente in dessen Räumen. Dieses trägt seit 1990 den Namen des kasachischen Volkskomponisten Yklas Dukenow. Das kleine Museum bietet auch heute noch einen sehenswerten Einblick in einen Teil kasachischer Volkskultur, und das in den Räumen eines der ältesten und historisch interessantesten Gebäude in der Stadtgeschichte Almatys.

Philipp Dippl