Stiftungen spielen eine wichtige Rolle in der Gesellschaft, da sie bedeutende und hilfreiche Projekte, Initiativen und Ideen fördern. Dazu gehören auch Stiftungen zum Schutz von Tieren, die sich um Tiere in schwierigen Lebenssituationen kümmern. Die Gesellschaftliche Stiftung für Tierhilfe „KOTOPES“ (russisch «КОТОПЁС») unterstützt Katzen und Hunde, wenn sie dringend Hilfe benötigen. Die Gründerin und Direktorin der Stiftung, Marina Lezhneva, beantwortet Fragen rund um die Arbeit von „KOTOPES“. Außerdem berichten Anastasia und Anna, Mitarbeiterinnen des Tierheims der Stiftung, aus ihrem Arbeitsalltag.

Frau Lezhneva, in welchem Jahr wurde die Stiftung „KOTOPES“ gegründet?

Die Stiftung wurde vor elf Jahren gegründet. Das Tierheim wurde vor gut sechs Jahren, im Jahr 2018 gegründet. 

Wie entstand die Idee, ein Tierheim zu gründen?

Anfangs hatten wir eine Stiftung. Lange Zeit konnten wir aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten und ohne freiwillige Helfer unseren Plan zur Eröffnung eines Tierheims nicht verwirklichen. Nach sechs Jahren des Bestehens der Stiftung aber haben wir beschlossen, ein Tierheim zu eröffnen, einfach weil man die Tiere sonst nirgendwo halten konnte.

Wie kann man ein Tierheim organisieren? Welche Gesetze, Regeln existieren, damit so ein Tierheim richtig funktioniert?

Es gibt in der Gesetzgebung keine Normen für ein Tierheim, zum Beispiel wie es aussehen sollte oder welche Standards eingehalten werden müssen. Vom juristischen Standpunkt aus betrachtet kann ein Tierheim zum Beispiel als Haustierzucht deklariert und angemeldet werden. Um ein Tierheim zu eröffnen, sollte man zunächst eine Wohltätigkeitsstiftung gründen. Wir haben uns an eine Agentur gewandt, die half, die Satzung des Tierheims auszuarbeiten. Wir haben alle Dokumente vorbereitet, die Räumlichkeit gekauft und dann diese Räumlichkeit auf die Bedürfnisse eines Tierheims umgebaut und eingerichtet.

Welche Schwierigkeiten gab es am Anfang und welche gibt es jetzt? 

Die Hauptschwierigkeiten waren es, eine Finanzierung und ein passendes Gebäude als neues Zuhause für die Tiere zu finden. Anfangs gab es Schwierigkeiten bei der Organisation der Arbeit des Tierheims: Wir mussten vor allem die Neuaufnahme von Tieren richtig planen, weil es anfangs bei uns sehr viele Epidemien gab.

Was braucht ein Tierheim, um seine Leistung zu verbessern?

Mehr Sponsoren und auch etwas Hilfe vom Staat können dem Tierheim helfen, aber die staatliche Hilfe sollte nicht nur durch eine Finanzierung, sondern auch durch staatliche Aufklärung der Menschen über die Vorteile einer Sterilisation von Haustieren geleistet werden. Diese Tiere benötigen eine verantwortungsvolle Herangehensweise und Pflege. Eine solche aufklärende Hilfe wäre seitens des Staates schon sehr gut.

Welche Spezialisten arbeiten im Tierheim?

In unserem Tierheim haben wir keine Spezialisten mit tierärztlicher Ausbildung. Wir haben eine Arzthelferin mit medizinischer Ausbildung. Sie beschäftigt sich mit der Behandlung von Tieren, dem Transport der Tiere aus Kliniken, kümmert sich voll und ganz um die Gesundheit der Tiere. Außerdem gibt es Administratorinnen, die mit der Reinigung, Pflege und anderen Aufgaben beschäftigt sind. Übrigens haben es die Administratorinnen auch gelernt, selbständig Injektionen zu machen oder Medikamente zu geben.

Was brauchen Tiere, damit sie glücklich werden?

Einen verantwortungsvollen Besitzer, gute Bedingungen für ihre Schlafstatt und gutes Futter. Wenn es das alles gibt, dann werden die Tiere auch glücklich sein.
 

Anastasia und Anna, welche Tiere leben im Tierheim?

Anastasia: Hauptsächlich leben Katzen und noch drei Hunde in unserem Tierheim. 
Anna: Das sind Tiere, die früher in einem ernsten Zustand waren und Operationen, Behandlungen und ernsthafte Pflege benötigten. Die Tiere kommen zu uns zur weiteren Behandlung und für die Suche nach Besitzern.

Wie kommen die Tiere zu Ihnen ins Tierheim? Erzählen Sie die Geschichten einiger Tiere.

Anastasia: Alle Tiere, die zu uns ins Tierheim gekommen sind, waren in einem ernsten Zustand und kamen direkt von der Straße. 
Anna: Entweder wir behandeln sie hier oder sie kommen nach einer Erstbehandlung in der Klinik zu uns. Aber sie brauchen zusätzliche Behandlung, um später eine liebevolle Familie zu finden oder weiter bei uns zu leben. 
Eine der sehr traurigen und bewegenden Geschichten ist die Geschichte des Katers Georg, der mit abgeschnittenen Pfoten gefunden wurde. Er hatte keine Vorderpfoten, jemand hat ihn so grausam verletzt. Viele Leute kennen Georg, sie fragen oft nach ihm. Er ist jetzt in einem guten Zustand, in Zukunft werden wir ihm Prothesen machen, aber jetzt heilen wir seine Pfoten. In Zukunft hoffen wir, dass wir mit den Pfoten alles klären, damit der Kater ein vollwertiges Leben führen kann. Bisher sind dies tägliche Verbände, Injektionen, Wundbehandlung.

Was passiert, nachdem ein Tier ins Tierheim gelangt ist?

Anastasia: Ein Notfalltier, das in das Tierheim gelangt ist, wird zuerst in einer Tierklinik behandelt, dann wird es zu uns gebracht und wir behandeln es weiter. Das Tier wird vollständig gegen Parasiten behandelt, wir impfen es und suchen danach für das Tier einen neuen Besitzer.

Wie entwickeln sich die Schicksale der Tiere aus dem Tierheim? Bleiben sie für immer im Tierheim? Findet man Familien für sie? Gibt es einen Test für eine neue Familie, bevor das Tier aus dem Tierheim übergeben wird? Werden die Tiere, die an neue Familien übergeben wurden, vom Tierheim noch weiter beaufsichtigt?

Anastasia: Unser Hauptziel ist es – jeden unserer Schützlinge in gute Hände zu übergeben. Es kommt jedoch vor, dass das Tier kein Zuhause findet und dann jahrelang bei uns im Tierheim lebt. 
Wir versuchen, für jedes Tier ein neues Zuhause zu finden und jeder potenzielle Tierhalter wird obligatorisch befragt. Wenn die erste Befragung gut verlaufen ist, laden wir die befragte Person zu uns ein, damit sie sich ein Tier aussuchen kann. Als nächstes beraten wir den zukünftigen Besitzer unbedingt über die Pflege und das weitere Verfahren. Danach überwachen wir unauffällig das Schicksal jedes Tieres, halten Kontakt mit dem Besitzer des Tieres.

Erzählen Sie bitte, wie sieht ein gewöhnlicher Tag im Tierheim „KOTOPES“ aus?

Anna: Der Morgen beginnt mit einem sehr hungrigen „Miau“. Wir füttern alle Katzen, beginnen dann mit der Behandlung und putzen. Wir haben auch Verwaltungsangelegenheiten: Wir erhalten Pakete, senden Pakete, treffen Gäste, zeigen die Katzen möglichen zukünftigen Besitzern, erzählen den Interessenten von den Tieren. Manchmal kommen auch Reporter zu uns. 
Dann haben wir die obligatorische Mittagsbehandlung, aber es gibt auch noch eine Abendbehandlung: Wir müssen die Haustiere füttern, heilen und danach endet der Tag für uns. Es scheint einfach zu sein, aber in Wirklichkeit ist alles ziemlich kompliziert. 
Anastasia: Wir werden sehr müde, aber die Arbeit gefällt uns sehr. Wir bemühen uns sehr, jedem Schützling Aufmerksamkeit zu schenken. Den ganzen Tag auf den Beinen, aber es lohnt sich.

Was denken Sie, was kann und soll man machen, damit es in unserem Land keine obdachlosen und leidenden Tiere gibt?

Anastasia: Meiner Meinung nach lohnt es sich, die Kultur der Sterilisation und der sorgfältigen Haltung der Tiere sowie die staatliche Kontrolle der Tierzuchtunternehmen zu entwickeln. Man sollte auch Aufklärungsmaßnahmen darüber durchführen, was mit Tieren passiert und man sollte zeigen, wie die Tiere auf den Straßen der Stadt leben, wo es viele Gefahren gibt.
Anna: Ich glaube, dass es sich lohnt, die Strafen für Tierquälerei zu verschärfen.

Wie kann man dem Tierheim helfen? Hat das Tierheim Freiwillige?

Anastasia: Dem Tierheim kann man mit Futter, Medikamenten helfen. Man kann auch kommen und beim Putzen helfen, die Tiere streicheln, Zeit mit ihnen verbringen und spielen. Ja, das Tierheim hat Freiwillige. Wir freuen uns auch immer auf neue Freiwillige, wir versuchen, niemandem abzusagen.
Anna: Und wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, was wir im Tierheim brauchen, können Sie auf unserer Instagram-Seite nachschauen. Dort gibt eine Liste, was jetzt am meisten benötigt wird und was das Tierheim ständig braucht.

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen der Stiftung und dem Tierheim „KOTOPES“ viel Erfolg und den geretteten Tieren gute Besitzer!

 
Das Interview haben Aida Yestemessova und Luisa Vatutina durchgeführt. Die Übersetzung des Interviews hat Luisa Vatutina (mit Unterstützung von Jamilya Tokhtarova) gemacht.
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