Kasachstans Außenminister Mukhtar Tleuberdi fordert in einem Artikel die Beseitigung von Atomwaffen bis 2045. Dann feiern die Vereinten Nationen ihr 100. Gründungsjubiläum. Sein Anliegen fällt in eine Zeit, in der immer häufiger mit dem Einsatz der tödlichen Waffen gedroht wird.

Von Dienstag bis Donnerstag findet in Wien die erste Konferenz der Mitgliedstaaten des Atomwaffensperrvertrags statt, der im Januar 2021 in Kraft trat. Aus diesem Anlass hat sich Kasachstans Außenminister Mukhtar Tleuberdi in einem ausführlichen Artikel mit dem Thema Atomwaffen befasst. Konkret fordert er darin die Ausarbeitung eines Plans zum Verbot und der Beseitigung von Atomwaffen bis 2045. Als Grund nennt er die erhöhte Wahrscheinlichkeit ihres Einsatzes durch die Vielzahl an aktuellen Konflikten in der Welt, allen voran den Kampfhandlungen in der Ukraine.

„Der aktuelle militärische Konflikt auf dem Territorium der Ukraine, das Gerede über die Rückgabe von Atomwaffen und die gegenseitige Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen lassen uns mehr denn je über die kollektive Verwundbarkeit der Menschheit und die dringende Notwendigkeit nachdenken, diese tödlichen Waffen zu verbieten und zu beseitigen“, so Tleuberdi wörtlich.

Kasachstan hat Vertrag als einziges GUS-Land unterzeichnet

Das Jahr 2045 wird für die Vereinten Nationen ein symbolisches sein. Sie feiert dann ihr 100. Gründungsjubiläum. Für Tleuberdi also ein gutes Zieldatum für die Schaffung einer atomwaffenfreien Welt. Die Vereinbarungen, die auf dem Weg dorthin nötig seien, könnten sich dagegen bereits in den Abschlussdokumenten der Konferenz diese Woche wiederfinden. Er verwies in diesem Kontext auf Aussagen von UN-Generalsekretär Antonio Guterres, dass über die Welt 13.400 nukleare Gefechtsköpfe über die Welt verteilt seien, und die Gefahr ihres Einsatzes „reeller als in den dunkelsten Tagen des Kalten Krieges“ sei.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion war Kasachstan selbst kurzzeitig im Besitz von Atomwaffen. Es entschied sich allerdings, ebenso wie die Ukraine, auf sein Arsenal zu verzichten. Zudem ist es das einzige GUS-Land, das den Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnet hat. Dieser praktische Beitrag zur nuklearen Abrüstung gebe Kasachstan laut Tleuberdi „das moralische Recht, die Völker und Regierungen weiterhin aufzufordern, ihre Bemühungen zu verdoppeln, um unseren Planeten von der Gefahr der nuklearen Selbstzerstörung zu befreien“.

Auch Tokajew rief zu Atomwaffenverzicht auf

Einige europäischen Partner, die den Vertrag nicht ratifiziert haben, lobt Tleuberdi in seinem Beitrag ebenfalls. Besonders begrüßenswert sei, dass Deutschland und Norwegen als Nato-Mitglieder eine Beobachterrolle bei der ersten Mitgliederkonferenz übernommen haben.

Neben Tleuberdi hat sich in der Vergangenheit auch Präsident Tokajew bereits für ein Verzicht auf Atomwaffen ausgesprochen. Manchmal sei es besser, keine davon zu besitzen, so Tokajew 2019 auf dem bekannten Waldaj-Forum. Stattdessen solle man lieber Investitionen in die eigene Wirtschaft anziehen sowie gute Beziehungen in der Welt zu fördern und zu entwickeln – „so wie Kasachstan das in der Praxis tut“.

cstr.

Teilen mit:

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein