Wer nach Usbekistan fährt, sollte es nicht versäumen in die Hauptstadt von Usbekistan, nach Taschkent zu fahren. Die circa 3,1 Millionen Einwohner zählende Stadt liegt nördlich der großen Seidenstraße unweit der Grenze zu Kasachstan, am westlichen Rand des Tian-Shan Gebirges und ist für ihre Mischung aus moderner und sowjetischer Architektur bekannt.

Taschkent hat sich zu einer quirligen Metropole entwickelt. Zum einen ist sie Industriestadt mit Energiewirtschaft, Baumwollverarbeitung, Maschinen- und Flugzeugbau, aber auch mit einer bedeutenden Lebensmittelindustrie. Andererseits ist sie ein Zentrum der Kultur mit Hochschulen, Universitäten, Forschungsinstituten, Theatern, Observatorium, Zoo und zahlreichen Museen.

Zu letzteren gehört beispielsweise das Amir-Timur-Museum, welches Manuskripte, Waffen und andere Relikte der Timuriden-Dynastie beherbergt, aber auch das nahe gelegene imposante Staatliche Museum für Geschichte von Usbekistan, welches jahrhundertealte buddhistische Artefakte zeigt. Keinesfalls vergessen sollte man in dieser Aufzählung jedoch das Islam-Karimov-Museum.

Erinnerung an den ersten Präsidenten

Zum Gedenken an den Ersten Präsidenten der Republik Usbekistan wurde das Museum 2017 auf Initiative von Präsident Schawkat Mirsijojew eingerichtet und eröffnet. Es befindet sich im Zentrum der Stadt in der Afrosiab-Straße und ist besser bekannt als die “Oqsaroy-Residenz”, als „Weißer Palast“. Die primäre Aufgabe des Museums ist es, die Erinnerung an den Ersten Präsidenten der Republik Usbekistan, an Islam Abdugʻaniyevich Karimov, zu bewahren.

Nachdem er zunächst als erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Usbekischen SSR tätig war, regierte Islam Karimow ununterbrochen 27 Jahre lang, von 1991 bis 2016, als Erster Präsident die unabhängige Republik Usbekistan.

Der „Weiße Palast“ ist ein luxuriöses Gebäude mit einer Gesamtfläche von 5.460 Quadratmetern und diente zu Lebzeiten des Präsidenten als Arbeits-residenz. Nur in ihr empfing er Diplomaten aus der ganzen Welt oder aber hochrangige Politiker anderer Staaten, die Tashkent besuchten.

Zum Anwesen gehört ebenfalls eine große Parkanlage mit mehr als 1000 Bäumen, die von Islam Karimow mit konzipiert wurde. Bäume sind unterschied-lichster Art und wurden aus der ganzen Welt in den Park gebracht, um die große Vielfalt der Natur aufzuzeigen. Der Park diente dem Ersten Präsidenten Usbekistans als Rückzugs- und Erholungsgebiet. Gleichzeitig diente der Park aber auch als Ort der Kommunikation mit ausländischen Staatsgästen bei ausgedehnten Spaziergängen.

Ein damals unzugänglicher Bereich

Das Anwesen, auf dem sich der „Weiße Palast“ befindet, war zu Lebzeiten des Präsidenten ein nach allen Seiten gesicherter, geschlossener Bereich, der für die Bevölkerung unzugänglich blieb.

Das gesamte Territorium des Oqsaroy war mit einem Betonzaun umgeben und sorgfältig bewacht. Den Bürgern war es verboten, das Gebiet zu durchqueren, die Durchfahrt für Autos war eingeschränkt, und die Treppe, die einst zum Ankhor-Ufer geführt hatte, wurde im Rahmen der Ausgestaltung des Parks mit Erde bedeckt. Entlang der Afrosiab-Straße war die Sicht auf den Palast durch hohe Sichtschutzschilder versperrt und alle Durchgänge wurden von Wachen kontrolliert.

Dies änderte sich jedoch mit der Errichtung bzw. mit der Umwidmung des Gebäudekomplexes der ehemaligen Residenz des Ersten Präsidenten Usbekistans, was auch eine Neuordnung des Raumes um das Museum herum erforderte.

Nach der Entscheidung das Islam-Karimow-Museum zu eröffnen, wurden die Sichtschutzzäune abgebaut, entlang der Uferstraße und um den Palast herum wurden Gehwege angelegt, Bänke aufgestellt und Blumenbeete bepflanzt. Mit dieser Vorgehensweise wollte man den Bürgerinnen und Bürgern von Usbe-kistan aufzeigen, dass positive Veränderungen hinsichtlich mehr Transparenz auf den Weg gebracht werden.

Vor dem Haupteingang des Museumkomplexes befindet sich heute ein 11,45 m hohes Bronzedenkmal von Islam Karimow, welches vom preisgekrönten usbekischen Bronzebildhauer, Ilhom Zhabbarow, dessen Denkmäler auch in Samarkand oder in Karshi zu bewundern sind, geschaffen wurde. Das Denkmal wurde im August 2017 in Anwesenheit des Präsidenten Schawkat Mirsijojew und der Witwe des Staatsgründers Tatjana Karimowa eingeweiht.

Die Struktur des Gedenkkomplexes umfasst neben dem Museum ein Wissen-schafts- und Bildungszentrum, eine Bibliothek mit Lesesaal und einen Konferenzsaal. Der Museumskomplex am Oqsaroy wurde mit Unterstützung der Republikanischen Islam-Karimov-Wohltätigkeitsstiftung geschaffen, die von seiner Witwe Tatjana Karimowa und seiner Tochter Lola Karimowa-Tillijaewa geleitet wird.

Eine dreiteilige Ausstellungshalle

Die Ausstellungshalle besteht insgesamt aus drei Teilen. Die große Halle mit ihren 375 Quadratmetern umfasst eine Kunstsammlung. In diesem Bereich sind Gemälde ausgestellt, auf denen bekannte usbekische oder türkische Künstler, aber auch noch unbekannte Nachwuchstalente den Präsidenten in verschiedenen Phasen seines Lebens festgehalten haben.

Interessanterweise hat Islam Karimow nie für Künstler posiert, sondern sie haben seine Porträts nach Fotos gemalt. In der Ausstellung sind Gemälde zu sehen, auf denen der Erste Präsident vor der UNO spricht, sich mit Kindern unterhält oder gemeinsam mit den Ältesten Gebete rezitiert. Zu sehen sind aber auch seine Visionen und seine Träume.

Auf anderen Bildern erscheint er als mythologischer Bogatyr, als ein Recke aus mittelalterlichen Sagen, der in verschiedenen Heldenliedern besungen wird, wie er mit bloßen Händen einen Tiger besiegt oder gegen Geier und Falken kämpft, die hier als Symbole für Terrorismus und Extremismus gelten.

Auf vielen Gemälden ist immer wieder das Motiv des Tigers zu sehen. Das Tier verkörpert in der Mythologie die Eigenschaften eines leidenschaftlichen, wilden, individuellen und mächtigen Wesens. Das sind die Eigenschaften, mit denen sich der Erste Präsident identifizieren konnte.

Der kleinere Saal mit seinen 200 Quadratmetern umfasst Fotografien, die aus dem persönlichen Archiv Islam Karimows freigegeben wurden. Hier kann sich der Besucher einen umfassenden Überblick über die vielen Persönlichkeiten verschaffen, die der erste Präsident im Laufe seiner Regierungszeit kennen-gelernt hat. Gleichzeitig erhält man auch einen Überblick über viele politische Ereignisse, an denen der Erste Präsident mitgewirkt, als auch über Entscheidungen, die er mit herbeigeführt hat.

Der Besucher des Museums kann sich in Begleitung eines Guides durch die Ausstellung begeben, was sehr zu empfehlen ist. Viele Hintergrundinfor- mationen und Details zu den Ausstellungsobjekten werden dem Besucher erst durch eine professionelle Führung vermittelt, was den Besuch umso lohnender macht.

Neben Gemälden, seltenen Fotografien und persönlichen Gegenständen des Ersten Präsidenten Usbekistans verfügt das Museum auch über interaktive Monitore, auf denen man alle Informationen über das Leben und die Arbeit von Islam Karimow finden kann.
Der dritte Raum mit 400 Quadratmetern befindet sich im Außenbereich und ist vor allen Dingen den schönen Künsten gewidmet, und zwar für literarische und poetische Abende.

Die gesamte Ausstellung, die unter dem Motto steht, „ein Herz, welches das Universum umarmt“, hat es in kurzer Zeit geschafft, zu einem der meistbesuchten Orte in der Hauptstadt Taschkent zu werden. Die Menschen kommen dort hin, um mehr über die wenig bekannten Seiten des Ersten Präsidenten Usbekistans kennenzulernen. Besonderen Ehrengästen ist es vorbehalten, eine Eintragung einer persönlichen Widmung in das Gästebuch des Islam-Karimow-Museums vorzunehmen.

Christian Grosse

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