Eine Schülerin aus Filderstadt hat den Hauptpreis beim renommierten Projektwettbewerb 2025/26 „Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn“ gewonnen, der in diesem Schuljahr unter dem Motto „Kasachstan und Deutschland – Geschichte und Perspektiven“ stattfand.

Nach Ansicht der Organisatoren des Wettbewerbs für Schülerinnen und Schüler beider Länder bestand die Hauptaufgabe darin, das Interesse an der vielschichtigen Geschichte und dem kulturellen Erbe zu wecken, die Deutschland – insbesondere das Land Baden-Württemberg – mit Kasachstan verbinden.

Das Wissen um diese Geschichte fördert zweifellos das gegenseitige Verständnis und stärkt damit die Freundschaft zwischen den Völkern, denn historische Prozesse und Ereignisse vergangener Jahrhunderte wirken bis heute nach.

Der Schulwettbewerb wurde vom Innenministerium gemeinsam mit dem Bildungsministerium sowie der Gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans ‚Wiedergeburt‘“ organisiert und vom „Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg“ durchgeführt.

Zur Siegerin des Wettbewerbs wurde die 16-jährige Elftklässlerin Fiora Marte vom Elisabeth-Selbert-Gymnasium gekürt. Die Jugendliche wurde in Deutschland geboren und ist dort aufgewachsen. Schon seit ihrer Kindheit interessiert sie sich für historische Literatur und Kunst.

Ihr Wissen über Kasachstan

Über Kasachstan wusste die Gewinnerin des Grand Prix bereits vieles dank ihres Geschichtslehrers Andreas Fuchs – unserem ehemaligen Landsmann, der vor 30 Jahren aus Almaty in die Bundesrepublik Deutschland übersiedelte. Übrigens ist der Anteil des Lehrers am Erfolg seiner Schülerin groß. Fiora Marte wählte das moderne Format eines Podcasts, um dieses schwierige Thema darzustellen, und schaffte es, in nur sieben Minuten Audiomaterial eine enorme Menge wertvoller und verlässlicher Informationen unterzubringen.

So verweist die Schülerin in ihrer Arbeit auf ein Buch des Russlanddeutschen und katholischen Priesters des Erzbistums Köln, Alexander Krylow, der in seinen Forschungen die grausamen Lebensbedingungen als Form wirtschaftlicher Ausbeutung und sozialer Erniedrigung beschreibt. Der Autor zeigt, wie man versuchte, durch schwerste Zwangsarbeit die menschliche Identität zu unterdrücken.

Im Podcast von Fiora Marte finden sich auch echte Erinnerungen an jene schrecklichen Ereignisse, etwa die Geschichte der Wolgadeutschen Irina Albul über ihre traumatische Ankunft in Kasachstan, einem ihr bis dahin völlig fremden Land: „Man hat uns einfach mitten in der Steppe abgeladen. Wir standen dort völlig erschöpft und konnten kein Wort Russisch. Wir waren Ausgestoßene. Aber es geschahen auch Wunder: Eine russische Frau, die selbst fast nichts hatte, nahm uns auf. Vier Frauen, fünf Kinder – in einem einzigen Zimmer. Ohne solche Menschen hätten wir nicht überlebt.“

Bewahrung der eigenen Identität

Obwohl es streng verboten war, Deutsch zu sprechen oder religiöse Bräuche zu pflegen, gaben Mütter und Großmütter die Traditionen flüsternd an die nächste Generation weiter. Zum Symbol dieser Standhaftigkeit wurde ein einfaches Tischgebet, das fast jedes Kind auswendig kannte und das bis heute die Generationen verbindet.

Solche Gebete, heimliche Weihnachtsfeiern im Familienkreis oder traditionelle Speisen wie Strudel und Stritzel waren Akte der Bewahrung der eigenen Identität. Man konnte ihnen ihre Häuser nehmen – doch diesen inneren Halt konnte der Staat nicht kontrollieren.

Die Geschichte der Russlanddeutschen ist voller tragischer Ironie: In der Sowjetunion wurden sie als „Deutsche“ oder sogar als „Faschisten“ verfolgt. In Deutschland hingegen nahm man sie oft als „Russen“ wahr.

„Die Geschichte der Russlanddeutschen ist kein vergessenes Archivmaterial“, resümiert die Podcast-Autorin Fiora Marte. „Sie lebt weiter in den Familien, die heute neben uns leben. Identität ist kein Pass, sondern Erinnerung. Wenn Sie mehr erfahren möchten, besuchen Sie das Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte.“

Der Hauptpreis wird im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung im Juli im Innenministerium des Landes Baden-Württemberg überreicht. Allerdings wird die Schülerin selbst nicht an der Zeremonie teilnehmen können, da sie sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Exkursion mit ihrer Klasse befindet. Der Preis wird der Familie nach der Veranstaltung per Post zugesandt.

Die Arbeiten der Gewinnerinnen und Gewinner werden außerdem im Foyer des Innenministeriums in Stuttgart öffentlich ausgestellt.

Elena Paschke

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