Seit 30 Jahren besteht der Verband der deutschen Jugend Kasachstans (VDJK), der 27 Clubs im ganzen Land vereint. Anlässlich dieses Jubiläums sprechen wir mit den Leiterinnen und Leitern über ihre Motivation für die Jugendarbeit und über die Herausforderungen, denen sie heute begegnen. Diesmal im Gespräch: Anastasia Kirejewa, Leiterin des Clubs „Diamant“ in Astana.
Liebe Anastasia, wie bist du selbst in deinen Jugendclub gekommen und was hat dich dort gehalten?
Von dem Jugendclub „Diamant“ habe ich zum ersten Mal im Jahr 2017 durch meine Klassenkameradin Regina Liskowa erfahren, die heute als Koordinatorin für Bildungsprojekte bei der Stiftung „Wiedergeburt“ tätig ist. Sie erzählte oft von den Veranstaltungen, Projekten und Reisen des Clubs. Damals fand ich das zwar interessant, traute mich aber noch nicht, selbst vorbeizukommen.
2018 begann Julia Gonschtein, eine weitere Klassenkameradin von mir, den Club zu besuchen. Gemeinsam luden sie mich zu einem Clubtreffen ein. Meine erste Veranstaltung war ein Theaterkarussell, bei dem eine Jugendtheatergruppe aus Karaganda zu Gast war.
Damals wurde mir schnell klar, dass ein Jugendclub viel mehr ist als nur Veranstaltungen. Ich lernte dort Jugendliche nicht nur aus meiner Stadt, sondern auch aus anderen Regionen Kasachstans kennen.
Mich begeisterten die Offenheit der Menschen, die Möglichkeit, neue Freundschaften zu schließen und immer wieder etwas für mich völlig Neues zu entdecken. Wahrscheinlich waren die Menschen und die besondere Atmosphäre der wichtigste Grund dafür, warum ich geblieben bin und mich bis heute als Teil des Clubs fühle.
Welche Aufgaben hast du als Leiterin und wie sieht dein Alltag im Jugendclub aus?
Als Leiterin des Jugendclubs arbeite ich vor allem mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Meine Tätigkeit besteht in erster Linie in der Organisation und Durchführung von Clubtreffen, Teambuilding-Aktivitäten, Bildungsveranstaltungen, kreativen Abenden und verschiedenen Jugendprojekten.
Für mich ist es wichtig, nicht einfach nur eine Veranstaltung durchzuführen, sondern eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich jeder wohlfühlt und seine Stärken zeigen kann. Deshalb nehmen Gespräche mit den Jugendlichen, die Entwicklung neuer Ideen und die Suche nach interessanten Formaten für unsere Treffen einen wichtigen Platz in meinem Alltag ein.
Kein Tag im Jugendclub gleicht dem anderen. Manchmal bereite ich eine Veranstaltung vor, manchmal leite ich ein Clubtreffen oder arbeite mit einer kleinen Gruppe der aktivsten Mitglieder des Clubs an neuen Initiativen und Plänen. Am schönsten ist es jedoch zu sehen, wie die Jugendlichen selbstbewusster werden, neue Freundschaften schließen und beginnen, ihre eigenen Ideen umzusetzen.
Was ist aktuell die größte Stärke eures Jugendclubs?
Ich bin überzeugt, dass die größte Stärke unseres Jugendclubs in den Menschen liegt, die sich regelmäßig an unseren Veranstaltungen beteiligen. Wir haben ein sehr kreatives, engagiertes und talentiertes Team. Jedes Mitglied bringt eigene Ideen, Fähigkeiten und Sichtweisen mit.
Dadurch entstehen immer wieder neue Veranstaltungsformate und Projekte. Wir entwickeln uns ständig weiter und haben keine Angst davor, etwas Neues auszuprobieren. Genau diese Vielfalt an Talenten und der von allen geteilte Wunsch, gemeinsam etwas zu gestalten, machen unseren Club besonders.
Welche Herausforderungen begegnen euch in der Jugendarbeit vor Ort?
Wie viele andere Jugendorganisationen stehen auch wir vor der Herausforderung, dass junge Menschen heute sehr beschäftigt sind. Schule, Studium, Arbeit und das Privatleben nehmen viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch.
Gleichzeitig müssen wir ständig nach neuen Ansätzen suchen, da sich die Interessen und Bedürfnisse junger Menschen schnell verändern. Deshalb bemühen wir uns, unsere Treffen und Veranstaltungen modern, spannend und sinnvoll zu gestalten, damit jede und jeder etwas für sich entdecken kann.
Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Förderung der nächsten Generation von Aktivmitgliedern und Führungskräften. Es ist uns überaus wichtig, nicht nur die heutigen Projekte umzusetzen, sondern auch einige junge Menschen gezielt darauf vorzubereiten, diese Jugendarbeit in der Zukunft weiterzuführen.
Welche Bedeutung hat der Jugendclub für junge Menschen in deiner Region?
Für mich ist der Jugendclub ein Ort voller Möglichkeiten. Hier kann man Freundschaften schließen, Gleichgesinnte finden, neue Rollen ausprobieren und eigene Talente entdecken, von denen man vielleicht selbst noch nichts wusste.
Für viele Jugendliche wird der Club zu einem Ort, an dem sie Unterstützung erfahren und erkennen, dass ihre Ideen wirklich umgesetzt werden können. Hier lernen sie Teamarbeit, übernehmen Verantwortung und gewinnen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Was bedeutet dir das 30-jährige Jubiläum des Verbandes der Deutschen Jugend Kasachstans persönlich?
Für mich ist dieses Jubiläum eine Gelegenheit, mit Dankbarkeit auf den Weg zurückzublicken, den viele Generationen von Aktivmitgliedern vor uns gegangen sind. Durch ihr Engagement gibt es heute Jugendclubs, Bildungsprojekte, Foren und zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten für junge Menschen in ganz Kasachstan.
Persönlich hat mir der Verband der Deutschen Jugend Kasachstans viele Begegnungen, Erfahrungen, Kenntnisse und Chancen zur persönlichen Entwicklung geschenkt. Deshalb ist dieses Jubiläum für mich nicht nur ein schönes Datum, sondern auch eine Erinnerung daran, wie wichtig der Beitrag jedes einzelnen Menschen für die Entwicklung der Jugendbewegung ist.
Wenn du in die Zukunft blickst: Was wünschst du dir für deinen Jugendclub und für die Jugend in Kasachstan?
Meinem Jugendclub wünsche ich, dass er die Atmosphäre von Offenheit, Freundschaft und gegenseitiger Unterstützung bewahrt, die ihn seit vielen Jahren auszeichnet. Ich hoffe, dass auch künftig neue engagierte und kreative Jugendliche zu uns kommen, die ihre Ideen einbringen und verwirklichen möchten.
Der Jugend Kasachstans wünsche ich Mut, neue Wege zu gehen, Verantwortung zu übernehmen und die Chancen zu nutzen, die sich ihnen bieten. Junge Menschen gestalten die Zukunft, und ich wünsche mir eine Generation, die selbstbewusst nach vorne blickt, sich weiterentwickelt und die Welt um sich herum positiv verändert.























