In vielen Regionen der Welt sind Klimagipfel bereits zur Routine geworden – Ankündigungen stoßen nur noch selten auf echte Aufmerksamkeit. Umso bemerkenswerter ist der „Regional Ecological Summit 2026“ (RES 2026) in Astana. Denn Zentralasien will nicht länger nur beobachten und übernehmen, sondern selbst verhandeln, definieren und neue Rahmenbedingungen setzen.

Der Gipfel von Astana, der vom 22. bis 24. April stattfand, ging auf eine Initiative des kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew zurück. Dieser hatte die RES 2026 erstmals 2023 vor der UN-Generalversammlung angekündigt. Später bekräftigte er diesen Vorschlag dann 2025 nochmals. Unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen und mit Partnern wie der OECD, der IEA oder der IRENA sollte der Gipfel eine offene Plattform für gemeinsame Antworten auf die Klima- und Umweltkrisen der Region werden.

Rund 1.500 Teilnehmende aus den Ländern Zentralasiens, der EU, den Staaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und dem Nahen Osten waren angereist – von Ministerien über internationale Organisationen bis zur Wissenschaft.

Seit Jahren hatten Expert:innen vor einer Zuspitzung der Klimakrise in Zentralasien gewarnt: steigende Durchschnittstemperaturen, degradierte Böden, schmelzende Gletscher. Wasserressourcen werden knapper. Der Aralsee wie das Kaspische Meer stehen sinnbildlich für ökologische Kipppunkte. Vor diesem Hintergrund versteht sich der Gipfel RES 2026 als Antwortversuch. Er sollte gemeinsame, umsetzbare Lösungen entwickeln. Außerdem sollten die vielen nationalen Strategien mit einer regionalen Perspektive zusammengeführt werden.

In Astana sind dafür wichtige Grundlagen gelegt worden. Insgesamt wurden am ersten Tag der RES‑EXPO in Astana 17 Memoranden und Abkommen mit einem Volumen von über 2,3 Milliarden US‑Dollar unterzeichnet. Die Bandbreite dieser Vereinbarungen reicht von Großprojekten im Bereich der Wind- und Solarenergie über Waste‑to‑Energy‑Anlagen in mehreren Städten bis hin zu Verträgen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und der grünen Industrie.

Hinzu kommen sektorale Absprachen zwischen Ministerien – etwa zu Klima- und Umweltpolitik oder nachhaltigem Ressourcenmanagement – sowie neue Kooperationsverträge mit Universitäten und Forschungsinstituten, die das gemeinsame Arbeiten an Klimarisiken, Wasserfragen und wirtschaftlicher Transformation festschreiben. Je mehr derartige Verträge und institutionelle Partnerschaften entstehen, desto enger rücken die Staaten der Region zusammen. Damit wird auch die gemeinsame Infrastruktur der Zusammenarbeit immer dichter.

Neue Begegnungen und Projekte

Doch allein mit Gipfelerklärungen lässt sich die Realität noch nicht verändern. Entscheidend ist, welche Strukturen und Allianzen in ihrem Umfeld entstehen und wer sich daran beteiligt. Eine davon wächst derzeit in Astana. Dort entsteht mit dem UfU Central Asia eine neue wissenschaftlich unabhängige Struktur des Berliner Unabhängigen Instituts für Umweltfragen (UfU). Sie soll die Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Kasachstan und Zentralasien in den Bereichen Umwelt, Klima, Wasser und nachhaltige Landwirtschaft langfristig stärken.

Um persönliche Eindrücke von diesem Gipfel zu gewinnen, sprach ich mit Sami Celtikoglu. Er ist als stellvertretender Fachgebietsleiter beim UfU in Berlin für den Aufbau von UfU Central Asia verantwortlich. So erfuhr ich, dass auch weitere Vertreter des UfU vor Ort waren. Sie haben an den RES 2026 Veranstaltungen teilgenommen:

Dr. Michael Zschiesche, Geschäftsführer des Instituts, Dr. Arne Reck, Fachgebietsleiter beim UfU, sowie Sami Celtikoglu. Während auf dem RES 2026 Summit hochrangige Paneldiskussionen stattfanden, nutzte das UfU-Team die Tage in Astana vor allem für etwas, das nicht im offiziellen Programm stand, aber ein Kernbestandteil solcher Gipfel ist. Dabei handelt es sich um Beziehungsarbeit. Statt großer Bühnenauftritte setzte das Institut auf bilaterale Gespräche und institutionelle Termine in unterschiedlichen Austauschformaten. Diese Strategie zeitigte bereits während des Gipfels konkrete Ergebnisse.

Ein sichtbares Ergebnis dieser Tage sind vier Absichtserklärungen (Memoranda of Understanding), die im Rahmen des Gipfels unterzeichnet wurden. So wurde mit dem Ministerium für Ökologie und natürliche Ressourcen der Republik Kasachstan vereinbart, die Zusammenarbeit in den Bereichen Umwelt, Klima und nachhaltige Entwicklung institutionell zu stärken.

Mit dem Ministerium für Wasserressourcen und Bewässerung sowie dem Informations- und Analysezentrum für Wasserressourcen geht es um den Aufbau eines Kazakh-German Water Hubs. Dieser Hub soll eine Plattform für Wissenstransfer, Pilotprojekte, klimafreundliche Technologien und die Ausbildung von Fachkräften im Wasserbereich werden. Das vierte MoU mit Chapter Zero Kazakhstan zielt auf eine langfristige Kooperation in den Bereichen Klimapolitik und wissenschaftsbasierte Dialogformate ab.

Die Themen, die die Gesellschaft bewegen

Im Rahmen des Summits stellte Dr. Arne Reck das Projekt „CarbonIQ: Carbon Farming in Kasachstan als Flaggschiffprojekt für Klimaschutz und Anpassung“ vor. Im Mittelpunkt seines Vortrags standen erste Erfahrungen aus dem Projekt, aktuelle Herausforderungen und die Frage, wie Carbon Farming in Kasachstan so weiterentwickelt werden kann, dass es wissenschaftlich fundiert ist und gleichzeitig in der Praxis der landwirtschaftlichen Betriebe umgesetzt werden kann.

Ein anderes Ereignis spielte sich fernab der großen Konferenzsäle ab – in einem Schulgebäude in Astana. Dort sprachen Dr. Michael Zschiesche und Dr. Arne Reck mit rund 200 Schüler:innen über Klimawandel, Klimapolitik und Klimaforschung. Die Fragen der Schüler:innen drehten sich vor allem darum, was die junge Generation konkret tun kann. Auch wollten sie wissen, welche Rolle Kasachstan international spielt und wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse in politische Entscheidungen übersetzen lassen.

Für das UfU-Team war dies einer der eindrücklichsten Momente der Reise. Das sichtbare Interesse der jungen Menschen hatte erneut gezeigt, dass Klimathemen längst nicht mehr nur ein Diskurs unter Expert:innen sind. Sie sind vielmehr im Alltag einer neuen Generation angekommen. Im Rückblick wirkt die Reise nach Astana laut Sami Celtikoglu wie ein komprimierter Blick in die ökologische Zukunft der Region. Besonders sei deutlich geworden, wie groß das Interesse an einer langfristigen, wissenschaftlich unabhängigen Zusammenarbeit in Kasachstan ist.

Und so führt ein eher unschöner Anlass wie die Klimaänderung zur Bildung eines dichten Netzwerks neuer Kooperationen zwischen Staaten, internationalen Organisationen und einer Zivilgesellschaft. Diese will mit unorthodoxen Strukturen wie dem UfU Central Asia eigene Akzente setzen. Der RES 2026 Summit war daher wesentlich mehr als nur eine weitere internationale Umweltkonferenz im Kalender der Fachwelt. Der Gipfel bündelt zentrale Zukunftsfragen einer Region. Diese leidet besonders stark unter der Klimakrise, hat aber auch ein enormes Potenzial für erneuerbare Energien, nachhaltige Landwirtschaft und regionale Kooperation.

Ich hoffe, dass wir in naher Zukunft viele neue, mutige Projekte sehen – und dass sie dazu beitragen werden, die Klimakrise zumindest auszubremsen und ihre Folgen für Menschen und Ökosysteme spürbar zu begrenzen. Rückgängig machen lässt sich der Klimawandel nicht, aber die Richtung, in die sich die Region entwickelt, lässt sehr wohl beeinflussen.

Darya Koppel

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