Vor 30 Jahren wurde der Verband der deutschen Jugend Kasachstans (VDJK) gegründet, der im ganzen Land 27 Clubs vereint. Anlässlich dieses Jubiläums sprechen wir mit den Leiterinnen und Leitern über ihre Motivation für die Jugendarbeit und über die Herausforderungen, denen sie heute begegnen. Diesmal im Gespräch: Galina Koptelowa, Leiterin des Clubs „Vorwärts” in Almaty.

Liebe Galina, wie bist du selbst in deinen Jugendclub gekommen und was hat dich dort gehalten?

Zum ersten Mal kam ich 2016 zum Jugendklub der Deutschen in Semei. Damals brauchte ich einfach nur eine Tracht für meinen Auftritt beim Wettbewerb „Miss NIS“ (Nasarbayev Intellectual School, Anm. d. Red). Ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese zufällige Begegnung fast zehn Jahre lang ein Teil meines Lebens werden würde. Natürlich gab es kleine Pausen, aber jedes Mal kam ich zurück, weil ich mich hier zugehörig fühlte.

Später setzte sich meine Geschichte bereits in Almaty fort. Zum Jugendclub kam ich in einer schwierigen Lebensphase – nach einer schweren Trennung von einem geliebten Menschen. Ich wollte mich ablenken und Menschen finden, die mich unterstützen und inspirieren konnten. Genau hier habe ich mich selbst wiedergefunden und wurde einige Zeit später zur Leiterin des Clubs.

Welche Aufgaben hast du als Leiterin und wie sieht dein Alltag im Jugendclub aus?

Neben meiner Tätigkeit als Leiterin des Jugendklubs der Deutschen in Almaty arbeite ich auch als Organisatorin des Netzwerks der Begegnungszentren bei der regionalen „Wiedergeburt“ in Almaty. Deshalb verbringe ich die meiste Zeit im Deutschen Haus, besonders wenn ich keine Veranstaltungen an der Universität habe.

Ich komme gern etwas früher als die anderen. Für mich ist es wichtig, den Tag in Ruhe zu beginnen: meinen Arbeitsplatz in Ordnung zu bringen und Staub in unserem kleinen, aber für uns sehr wertvollen Museum zu wischen. Danach folgen Besprechungen, die Vorbereitung von Veranstaltungen, die Arbeit mit dem Team, Dokumente und der Austausch mit Jugendlichen. Jeder Tag ist anders, und genau das gefällt mir.

Was ist aktuell die größte Stärke eures Jugendclubs?

Die größte Stärke unseres Clubs sind die Menschen. Wir sind nicht einfach Bekannte oder Kolleginnen und Kollegen. Wir sind ein echtes Team, in dem jedes Team-Mitglied die Stärken und Schwächen der anderen gut kennt. Dadurch können wir Aufgaben leicht verteilen, uns gegenseitig unterstützen und selbst in schwierigen Situationen gemeinsam Lösungen finden. Gerade unser Vertrauen und unser Zusammenhalt ermöglichen es uns, gemeinsam voranzukommen.

Welche Herausforderungen begegnen euch in der Jugendarbeit vor Ort?

Unsere wichtigste Aufgabe besteht heute darin, ältere Jugendliche und junge Erwachsene stärker einzubeziehen. Wir haben sehr aktive Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren. Nach der Volljährigkeit fällt es vielen jedoch schwerer, Zeit und Motivation für die Teilnahme an den Aktivitäten des Klubs zu finden. Deshalb suchen wir ständig nach neuen Formaten, die auch für die reifere Jungend interessant sind.

Welche Bedeutung hat der Jugendclub für junge Menschen in deiner Region?

Ich denke, dass der Jugendclub der Deutschen einen wichtigen Platz im Leben der Jugend von Almaty einnimmt. Selbst diejenigen, die nie an unseren Veranstaltungen teilgenommen haben, wissen von unserer Existenz und haben von uns gehört. Das ist zu einem großen Teil das Ergebnis unserer aktiven Arbeit in der Jugendversammlung „Assambleja Schastary“ sowie unserer Beteiligung an verschiedenen städtischen Projekten.

Für viele ist unser Club ein Ort, an dem man Freunde finden und eigene Ideen verwirklichen kann. Daneben kann man sich auch als Organisator ausprobieren oder sich einfach als Teil einer großen Gemeinschaft fühlen.

Was bedeutet dir persönlich das 30-jährige Jubiläum des Verbandes der Deutschen Jugend Kasachstans?

Für mich ist das 30-jährige Jubiläum des Verbandes der deutschen Jugend Kasachstans ein ganz besonderes Datum. Es erfüllt mich mit Wärme und Dankbarkeit. Es sind dreißig Jahre voller Erinnerungen, großer Arbeit, beeindruckender Erfolge und nicht immer einfacher Herausforderungen. Es sind Tausende von Menschen, die ihre Zeit, ihre Kraft und ihr Herz in die Entwicklung unserer Organisation investiert haben.

Es ist für mich eine große Ehre, Teil dieser Geschichte zu sein. Viele sagen, dass der Verband der deutschen Jugend Kasachstans die Gegenwart ist. Ich möchte jedoch glauben, dass wir die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft unserer Organisation miteinander verbinden, indem wir die Arbeit derjenigen fortführen, die vor uns da waren, und indem wir Möglichkeiten für diejenigen schaffen, die nach uns kommen werden.

Wenn du in die Zukunft blickst: Was wünschst du dir für deinen Jugendclub und für die Jugend in Kasachstan?

Ich wünsche mir von Herzen, dass sich die Selbstorganisation der Deutschen in Kasachstan weiterhin so dynamisch entwickelt. Einst gehörten wir zu den ersten ethnokulturellen Vereinigungen des Landes, und ich wünsche mir, dass wir auch künftig ein Vorbild für andere bleiben – stark, initiativreich und geeint.

Der Jugend wünsche ich, keine Angst davor zu haben, Verantwortung zu übernehmen. Sie soll weiter Eigeninitiative zeigen und an ihre Ideen glauben. Denn unsere größte Stärke war und bleibt unser Zusammenhalt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Annabel Rosin.

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