Bei einem Spaziergang durch Taschkent kann man ihn einfach nicht übersehen – den TV Tower von Taschkent. Er dominiert das gesamte Stadtbild. Von fast jedem Punkt der Stadt aus ist er sichtbar. Am Tage beinahe aussehend wie ein unbemanntes Raumschiff, entwickelt sich der TV Tower in der Nacht zu einem spektakulär illuminierten Fernsehturm, der mit der Erzeugung von vielen hellen Lichteffekten beinahe in den Nachthimmel emporgehoben wird. Er gilt zu Recht als eines der Symbole und Markenzeichen von Taschkent, ist zur Visitenkarte der Stadt geworden, zu einer erkennbaren Marke.

Seine Höhe beträgt 375 Meter und sein Fundament liegt 480 Meter über dem Meeresspiegel. Er ist das höchste Gebäude mit einer Aussichtsplattform im Freien in Zentralasien und das zweithöchste Gebäude in Zentralasien, nach dem 420 Meter hohen Schornstein des Wärmekraftwerks in Ekibastuz SDPP-2 in der Region Pawlodar von Kasachstan. Gleichzeitig ist er der zwölfthöchste Fernsehturm der Welt und das 38. höchste freistehende Bauwerk der Welt. Zum Zeitpunkt seiner Inbetriebnahme lag er noch auf Platz 9.

Ein einzigartiges Bauwerk

Das Datum der Inbetriebnahme war der 15. Januar 1985. Die gesamte Bauzeit betrug sechs Jahre. Er ist ein einzigartiges Bauwerk und die letzte bedeutende Sehenswürdigkeit der usbekischen Hauptstadt, die während der Sowjetzeit errichtet wurde. Zusammen mit der Taschkenter Metro ist er somit das letzte Denkmal einer vergangenen Ära.

Die Hauptfunktion des Taschkenter Fernsehturms, der in der Nähe der U-Bahn-Station Bodomzor im Bezirk Yunusabad von Taschkent liegt, ist die Ausstrahlung von Radio- und Fernsehsendungen. Das Signal wird für das Gebiet von Taschkent und die Region Taschkent, sowie teilweise für die Region Syrdarya und die südlichen Regionen Kasachstans, bereitgestellt. Das Sendezentrum ist seit über 20 Jahren in Betrieb und ist das größte in Zentralasien.

Das Zentrum ist mit Telekommunikations- und Produktionsanlagen führender Hersteller aus der ganzen Welt ausgestattet. Mehr als hundert hochqualifizierte Spezialisten sind rund um die Uhr zuständig. Zudem wird der Fernsehturm von vielen Ministerien und Behörden, kommerziellen Organisationen und einer komplexen Station für Höhenbeobachtungen des usbekischen hydro-meteorologischen Zentrums genutzt. Der Turm beherbergt aber auch eine meteorologische Station in 220 m Höhe. Die meteorologischen Höhensensoren des komplexen Beobachtungssystems ermöglichen es, auch die kleinsten Wetterveränderungen zu überwachen.

Um einen unterbrechungsfreien Betrieb zu gewährleisten, ist die Anlage mit einem hoch entwickelten Stromversorgungssystem der ersten Kategorie ausgestattet. Automatische Brandbekämpfungssysteme, Lüftungs-, Kühl- und Sanitäranlagen sowie Kommunikations- und Verständigungssysteme sind im Inneren obligatorisch.

Der TV Tower ist ein architektonisches und städtebauliches Denkmal Usbekistans, das seinesgleichen sucht.

Was die Höhe und die technische Ausstattung angeht, ist der Turm in Zentralasien unerreicht. Zum Zeitpunkt seines Baus stand der Turm an vierter Stelle in der Welt und an dritter Stelle in der Sowjetunion, nach Ostankinsk in Moskau (540 Meter) und der Sender in Kiew (385 Meter).

Die erste Direktorin des Turms war Umida Asrorovna Kadyrova. Sie leitete den Turm von 1984 bis 1999 und initiierte den Beitritt zur Föderation der höchsten Türme der Welt (The World Federation of Great Towers (WFGT(Melbourne/Australia)). Im Foyer befinden sich Modelle aller Türme, die der Vereinigung aller großen Türme der Welt angehören.

Erdbebensichere Architektur

Die Architekten des TV Towers waren N.G. Terziev-Tsarukov und Y.L. Semashko. Die technischen Lösungen und Berechnungen wurden unter der Aufsicht der Ingenieure E. P. Morozov und M.D. Musheev durchgeführt. Hinzu kam, dass während des Baus einzigartige künstlerische, architektonische und technische Entwicklungen angewandt wurden, die zu damaliger Zeit sehr innovativ waren.

Drei spezielle konische Ankerstützen– von je 93 Meter Höhe und Betonfundamente mit einer Höhe von 11 Metern sorgen für die Stabilität. Das Gesamtgewicht des Taschkenter Fernsehturms beträgt 6.000 Tonnen und besteht aus geschweißtem Stahl. Das Gesamtvolumen der Konstruktion beträgt 55.500 m3.

Das einzigartige architektonische Meisterwerk befindet sich in einem erdbebengefährdeten Gebiet. Nach den Erfahrungen des katastrophalen Erdbebens im Jahr 1966, das Taschkent fast zerstört hätte, wurden daher alle Bauteile mit einer großen Sicherheitsmarge gefertigt. Dies hatte zur Folge, dass die Verwendung von Gitter- und Massivwandstrukturen in Metall möglich gemacht wurde.

Die hohe Erdbebensicherheit dieses Bauwerks wurde dahingehend gewähr- leistet, dass während der Bauphase beschlossen wurde, den Turm in drei Hauptabschnitte zu unterteilen, von denen jeder unabhängig von den durch das Schwanken verursachten Belastungen, funktioniert. Dank dieser Konstruktion konnte der Turm seine seismische Wiederstandsfähigkeit bis zu Erdbeben der Stärke neun auf der Richter-Skala erhöhen.

Mit einer Geschwindigkeit von mindestens 4,8 m/s, gelangt man mit drei Schindler-Hochgeschwindigkeitsaufzügen zu den Aussichtsplattformen. Eine dieser besonderen Aussichtsplattformen befindet sich in 94 m Höhe, von der aus man das beste Panorama von Taschkent und einen perfekten Blick auf die Stadt aus der Vogelperspektive genießen kann. Zudem befindet sich das Koinot-Restaurant im Turm, welches seinen Gästen sowohl europäische als auch orientalische Küche anbietet.

Im Foyer des Fernsehturms befindet sich ein Mosaikbild aus Natursteinen, die in der ganzen Sowjetunion gesammelt wurden. Das Kunstwerk mit dem Titel „Heimat“ wurde vom usbekischen Künstler und Wandmaler Abdumalik Bukharbaev geschaffen. Es wurde in der Trommel des Fernsehturms geschaffen und besteht aus sechs separaten Tafeln, von denen drei im Stil eines römischen Volumenmosaiks und drei im schlichten florentinischen Stil gestaltet sind. Der Künstler reiste 2-3 Jahre lang durch die ganze Sowjetunion, um Natursteine in verschiedenen Farben für dieses Mosaik zu sammeln. 

Das kompositorische und ideologische Zentrum dieser Tafeln bildet eine Person, die herzlich ihre Gäste empfängt. Auf einer Tafel steigt ein Astronaut in den Himmel auf, fliegt und schwebt im Himmel. Auf einer anderen Tafel verkörpert die Silhouette einer weiblichen Figur die modernen Kommunikationstechnologien.

Entstehungsgeschichte des Fernsehturms

Der Fernsehturm war ursprünglich für den Irak geplant und von Premierminister Karim Qasim in Auftrag gegeben worden. Nach einem Militärputsch wurde das Projekt nicht realisiert und der Entwurf auf der All-Union-Ausstellung im VDNKh in Moskau gezeigt, wo ihn Sharof Rashidov, erster Sekretär der Kommunistischen Partei Usbekistans, besichtigte.

Der Architekt N.G. Terziev-Tsarukov schlug daraufhin vor, den Turm in Taschkent zu bauen, da die Regierung die Fernsehübertragung verbessern und die Zahl der Türme erhöhen wollte. Rashidov stimmte zu, doch der Bau gestaltete sich schwierig: Die Metro-Baustelle blockierte Ressourcen, und alle Stahlwerkstätten waren belegt.

Rashidov nutzte seine Beziehungen in Moskau und reiste nach Sibirien, um die dortigen Stahlwerksarbeiter zur Überstundenarbeit zu motivieren, die er im Gegenzug mit frischem Obst und Gemüse entlohnte. Dank ihres Einsatzes und der besten Hochhausbauer der Sowjetunion konnte der Turm fristgerecht fertiggestellt werden. 25 Beteiligte wurden für ihre Arbeit mit dem Orden der Sowjetunion ausgezeichnet.

Am 19. Juli 1986 verfing sich ein Hubschrauber des Typs Mi-8 unter dem Kommando von Kapitän Waleri Wassiljewitsch Lobankin, der eine Filmcrew des usbekischen Filmstudios an Bord hatte, am Bügel des Fernsehturms von Taschkent. Der Hubschrauber stürzte in der Nähe des Ankhor-Kanals ab, wobei alle sechs Menschen an Bord ums Leben kamen. Die aus dem abgestürzten Hubschrauber aufgenommenen Panoramabilder des sowjetischen Taschkent wurden in den Vor- und Nachspann des Films „Der Diamantengürtel“ eingefügt.

Was sich in der Nähe des Turms befindet

Die Umgebung des Fernsehturms von Taschkent wurde in ein Erholungsgebiet umgewandelt. Am Fuße des Turms liegt das beliebte Lokal „Besh Qozon“, das bekannt ist für seine usbekische Spezialitäten, darunter insbesondere die regional unterschiedlichen Zubereitungsarten des Plovs.

Beeindruckend ist auch der „Japanische Garten“ mit fünfzehn Sekitei-Steinen, der in Zusammenarbeit mit der japanischen Botschaft angelegt wurde. Und letztlich bietet „Tashkentland“ viele Attraktionen für Kinder und Erwachsene, während der nahegelegene Aquapark besonders an heißen Tagen beliebt ist.

Der Fernsehturm selbst bleibt ein einzigartiges architektonisches Wahrzeichen und zieht Besucher aus der ganzen Welt an.

Christian Grosse

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