Täglich sind in Almaty mehr als 600.000 Fahrzeuge unterwegs. Der Straßenverkehr ist die wichtigste Quelle für Stickstoffdioxid-Emissionen (NO₂) in der Stadt. Vor dem Hintergrund der kürzlich verabschiedeten neuen Regeln zum Schutz der Luftqualität, die weitere Einschränkungen für den Autoverkehr vorsehen, hat die Almaty Air Initiative eine neue Studie zum Einfluss des Straßenverkehrs auf die Luftqualität in Almaty vorgestellt.

Die Studie zeigt, dass die Motorisierung in der Stadt weiterhin rasant zunimmt. Laut Angaben des Innenministeriums der Republik Kasachstan waren im September 2025 in Almaty 797.000 Fahrzeuge registriert – rund 150.000 mehr als ein Jahr zuvor. Davon sind 714.000 Pkw. Die Zahl der Elektroautos hat sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt (von 6.410 auf 12.401), ihr Anteil am gesamten Fahrzeugbestand liegt jedoch weiterhin bei nur rund 2 %. Gleichzeitig ist der Fuhrpark stark veraltet: 30 % der Fahrzeuge sind älter als 20 Jahre, weitere 25 % zwischen 10 und 20 Jahre alt.

Der wachsende Fahrzeugbestand belastet sowohl die Umwelt als auch die Verkehrsinfrastruktur. Staus verlängern die Fahrzeiten, erhöhen den Kraftstoffverbrauch und steigern die Emissionen pro gefahrenem Kilometer. Besonders in den Hauptverkehrszeiten nimmt die Belastung durch Schadstoffe wie NO₂ sowie Feinstaub (PM2.5 und PM10) entlang stark befahrener Straßen um ein Vielfaches zu. Nach Daten der Almaty Air Initiative überschreiten die durchschnittlichen Jahreskonzentrationen von NO₂ die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation um das 6,1-Fache im Jahr 2023 und um das 5,9-Fache im Jahr 2024.

Langfristige Belastung durch verkehrsbedingte Luftverschmutzung steht nachweislich im Zusammenhang mit einer Zunahme von Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schwangerschaftskomplikationen, kognitiven Beeinträchtigungen und erhöhter Sterblichkeit. Besonders gefährdet sind Menschen, die in einem Umkreis von 100 bis 500 Metern zu stark befahrenen Straßen leben. Auch Fahrzeuginsassen sind hohen Belastungen ausgesetzt: In Staus kann die Schadstoffkonzentration im Innenraum bis zu 40 % höher sein als bei fließendem Verkehr.

Die Analyse von 1,8 Millionen Fahrzeugen, die gemeinsam mit der Sergek Group durchgeführt wurde, zeigt eine deutliche Disproportion innerhalb des Verkehrsaufkommens. Jedes zweite Fahrzeug in Almaty gehört zu veralteten Umweltklassen (0–4). Diese Fahrzeuge verursachen 78 % der gefährlichen Emissionen, obwohl sie nur rund ein Drittel der gesamten Fahrleistung erbringen. Lkw, die lediglich 3 % des Verkehrs ausmachen, sind für etwa ein Drittel der NO₂-Emissionen verantwortlich.

Szenarien der Almaty Air Initiative zeigen, dass gezielte Maßnahmen erhebliche Effekte erzielen könnten. Der Umstieg von Fahrzeugen der Klassen 0–4 auf den Euro-5-Standard würde die NOx-Emissionen um 67 % und die Feinstaubemissionen um 62 % senken. Eine Modernisierung des Güterverkehrs allein könnte die PM-Emissionen um 50 % reduzieren. Der Ausbau eines elektrischen öffentlichen Verkehrs hätte das Potenzial, die Belastung durch PM2.5 um bis zu 86 % zu verringern.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das Wachstum des Fahrzeugbestands und der hohe Anteil alter Fahrzeuge einen doppelten Druck auf Almaty ausüben – auf die Luftqualität und auf die Verkehrsinfrastruktur. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass ein systemischer Ansatz erforderlich ist: die gezielte Erneuerung des Fahrzeugbestands, der Ausbau eines umweltfreundlichen öffentlichen Verkehrs und die Einführung von Niedrigemissionszonen sollten sich gegenseitig ergänzen.

Hintergrund:

Die Almaty Air Initiative ist ein privater Fonds, der Technologie, Wissenschaft und Gesellschaft für saubere Luft in Almaty zusammenbringt und als Expertzentrum für Verkehrs-, Energie- und Umweltpolitik tätig ist.

Pressekontakt:

Anna Nikitenko, pr@air.org.kz, +7 777 055 19 92
www.air.org.kz | Instagram: @air.org.kz

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