Wer die Wirtschaftsnachrichten verfolgt, hört seit einigen Monaten immer wieder von Gold. Sein Preis ist in den letzten 10 Jahren gestiegen und hat kürzlich bisher ungeahnte Höhen erreicht. Was sich für Verbraucher ungünstig auf Schmuckkäufe und die goldverarbeitende Industrie auswirkt, freut den Investor, der bereits Gold besitzt. Aber lohnt es sich, jetzt in Gold zu investieren? Und in welchen Fällen kann das sinnvoll sein? Dies untersuchen wir in dieser Kolumne.

Gold ist allseits beliebt – in Kasachstan werden jährlich mehrere tausend kleine Goldbarren mit einem Gewicht von bis zu 100 Gramm an private Investoren verkauft – allein im dritten Quartal 2025 rund 8.300 Stück. Was steckt dahinter?

Wie kann man in Gold investieren?

Ein Investor kann mit Goldmünzen oder Goldbarren physisch in Gold investieren. Viele der großen kasachischen Geschäftsbanken verkaufen und kaufen seit 2017 Goldbarren. Angeboten wurden zunächst Barren zwischen 10 und 100 Gramm, seit 2018 auch 5 Gramm. Um das Gold zu schützen, wird es in einer hermetischen Schutzhülle verkauft – wer also Gold anfassen will, müsste sie öffnen. Allerdings kann dies problematisch beim Verkauf an die Bank werden, da die Hülle auch als Echtheitsgarantie dient. Wer Gold anfassen möchte, sollte daher eher Goldschmuck wählen.

Ein 5-Gramm-Barren lässt sich leicht verstecken und weckt weniger Begehrlichkeiten. Ein 100-Gramm-Barren kostet aktuell rund 8,7 Mio. KZT (ca. 14.450 EUR) und seine unsachgemäße Aufbewahrung zu Hause gilt als riskant. Ein Bankschließfach kann hier helfen, denn große Banken bieten sie ab etwa 3.000 KZT pro Monat an.

Doch auch Schließfächer sind nicht völlig sicher. Zudem sollten größere Goldmengen im Tresor zusätzlich versichert werden. Diese laufenden Kosten verteuern das Gold erheblich. Schon die Mietgebühr von 3.000 KZT monatlich summiert sich in zehn Jahren auf 360.000 KZT.

Teuer wird es auch, wenn man sich den Geld- bzw. Briefpreis anschaut – beim Verkaufen werden nur knapp 7,9 Mio. KZT erzielt. Diese Differenz nennt man Spread oder die Spanne. Sie stellt den Unterschied zwischen dem Kaufpreis (Briefpreis) und dem Verkaufspreis (Geldpreis) dar.

Die Bank zahlt einem beim Rückkauf eines 100-Gramm-Barrens mehr als 800.000 KZT weniger als ursprünglich bezahlt wurde. Während der Spread beim Kauf und Verkauf eines Euro bei rund 1% liegt (beim Dollar etwas weniger), muss man bei Gold fast 10% berappen. Um also nominal mit einem Investment in Gold bei null rauszukommen, muss der Preis – der zwischen Brief- und Geldpreis liegt – um die Hälfte des Spreads steigen.

Das bedeutet, dass der Preis für einen 100-Gramm-Barren um mehr als 400.000 KZT steigen müsste, um nominal auf null herauszukommen. Steigt der Preis nicht, war es nominal ein Verlustgeschäft. Um real einen Gewinn zu erzielen, muss nicht nur der Preis um die Hälfte des Spreads steigen, sondern auch um die zwischenzeitliche Inflation und auch um die gegebenenfalls angefallenen Lagerungs- und Versicherungskosten.

Neben einem physischen Investment kann man auch über die Börse in Gold investieren. Man kann von der Wertentwicklung profitieren, zum Beispiel mit ETFs. ETF steht für Exchange Traded Fund, also für ein Wertpapier, das tagtäglich an der Börse gehandelt wird und verschiedene Vermögenswerte und Strategien enthalten kann. An der kasachischen Börse KASE gibt es einen Gold-ETF (Ticker: GLD_KZ, ISIN: US78463V1070), allerdings beträgt der Spread auch hier über 9%. Eine Investition in ein Wertpapier auf Gold ist also teuer. Dies ist vergleichbar mit dem Investieren in physisches Gold.

Wer den Gold-ETF, der aus den USA stammt, wie man an der ISIN „US“ erkennen kann, allerdings an der Frankfurter Börse oder gar direkt an der NYSE Arca kauft, kann den Spread auf 0,1% oder sogar auf 0,005% senken. Praktischerweise sind beide Börsen auch über einen kasachischen Broker zugänglich. Ein Kauf dort dürfte trotz der entstehenden Kosten geringer sein. Bevor man jedoch den erstbesten Broker nutzt, empfiehlt es sich, die Transaktionskosten zu vergleichen. Kasachische Broker sind im internationalen Vergleich teilweise sehr teuer.

Der Spread an der KASE ist größer als an der NYSE Arca, weil die Liquidität an der kasachischen Börse geringer ist, Währungsrisiken bestehen und es einen Zeitversatz zum US-Markt gibt. An der NYSE Arca wird der ETF sehr liquide gehandelt. Händler in Kasachstan müssen sich stärker absichern. Daher steigt die Geld-/Brief-Spanne auf bis zu 9-10%, während sie in den USA meist nahe null liegt.

Was ist der Unterschied zu anderen Finanzprodukten?

Gold ist historisch betrachtet ein Instrument gewesen, das in Krisenzeiten aktiv nachgefragt und über sehr lange Zeiträume häufig, aber nicht immer, ein guter Wertspeicher war. Einige glauben – ob zurecht oder nicht das muss die Zukunft zeigen –, dass es mit Bitcoin ein digitales Gold gibt, das hilft, Kaufkraft in die Zukunft zu transportieren. Dazu siehe auch meine Kolumne vom 12.04.2024.

Im Vergleich zu anderen Instrumenten wie Aktien, Anleihen oder auch Immobilien erzeugt Gold allerdings keinen Cashflow, sein Preis wird allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Ein Investment in Gold führt also nicht dazu, dass sich die gekaufte Menge vermehrt oder man etwas dafür bekommt, dass man Gold besitzt. Bei Aktien hält ein Investor Anteile an einem Unternehmen, das Gewinn erzielen möchte. Ist dies der Fall, wird ein Gewinn entweder an die Aktionäre ausgeschüttet oder ins Unternehmen reinvestiert, um dessen Wert zu steigern. Anleihen, mit deren Hilfe ein Investor dem Staat oder einem Unternehmen einen Kredit gibt, wenn er die Anleihe kauft, generieren Zinsen, die Coupons genannt und an den Investor ausgezahlt werden. Immobilien können durch ihren Käufer vermietet werden und dann erzeugen auch sie mit der Miete einen Cashflow für den Immobilieninvestor. Diese Eigenschaft ist ein weiterer wichtiger Faktor, der den Preis dieser Vermögenswerte bestimmt: wie viel bin ich heute bereit, für einen künftigen Cashflow zu zahlen? Ebenso wie ein sich aufgrund veränderter Nachfrage steigender oder sinkender Preis entscheidet dieser Cashflow über den Erfolg meiner Investition.

Die erwarteten Cashflows lassen sich berechnen. Daher ist es leichter einzuschätzen, ob eine Investition erfolgreich war. Bei Vermögenswerten wie Gold, die keine Erträge erzielen, ist diese Beurteilung schwieriger. Einige sprechen daher davon, dass der Preis hier nur auf „Vibes“ (vom Engl. vibrations) beruht, also auf einer bestimmten Stimmung unter den Investoren.

Welche Rolle übernimmt Gold in einem diversifizierten Portfolio?

Eine Investition in Gold ist also aufwändiger und kostspieliger als eine Investition in andere Vermögenswerte. Wann lohnt es sich trotzdem? Wissenschaftler und Praktiker beschäftigen sich schon lange mit der Frage, was ein optimales Portfolio – eine Kombination verschiedener Vermögenswerte – sein könnte. Ein relativ bekanntes Beispiel aus der Praxis ist das sog. „Goldene-Schmetterlings-Portfolio“ (Engl. – Golden Butterfly Portfolio), das als solide Grundlage für langfristige Investmententscheidungen gilt. Es enthält 40 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen und 20 Prozent Gold. Ob nun in dieser Verteilung oder etwas weniger Gold und Anleihen – das ist Geschmackssache. Aber alle guten Portfolios sind meiner Meinung nach sehr einfach aufgebaut. Komplexität zahlt sich für einen Privatanleger regelmäßig nicht aus.

Die Funktion von Gold in einem breit diversifizierten Portfolio ist dabei die einer Stabilisierung seines Wertes in Zeiten von Inflation und Panik. Gold ist also eine „glänzende“ Idee, wenn es um die Absicherung und die Verringerung von Schwankungen des Gesamtvermögens geht. Da insbesondere Aktien stark und über lange Zeiträume im Wert schwanken können, kann Gold – wie auch Anleihen – diese Schwankungen glätten. Da in Krisenzeiten Gold gerne – aber nicht immer – im Preis steigt, kann es sinkende Aktienkurse ausgleichen und einem Investor ruhigere Nächte verschaffen. Nicht jeder hält es gut aus, wenn das Anlagevermögen um 20% oder mehr gesunken ist.

Bevor man jedoch zu viel Geld in Gold steckt, sollte man bedenken, dass sogenannte Crash-Propheten, die vom Untergang der Weltwirtschaft ausgehen, es oft als einzigen Ausweg anpreisen – idealerweise in physischer Form, zu Hause eingelagert. Tatsächlich hängt der Goldpreis ausschließlich von Angebot und Nachfrage ab. Letztlich beruht er auf dem Glauben der Investoren, dass sie Gold irgendwann gegen etwas Nützliches eintauschen können. Ob man diesem Glauben folgen möchte, ist eine persönliche Entscheidung. Dabei hat es sich in der Praxis bewährt, nicht alles auf eine Karte zu setzen: Schon mit rund 10% des Portfolios kann man „ein bisschen glauben“ – und genau dieses kleine Stück Vertrauen hat Privatanlegern historisch erstaunlich gute Ergebnisse gebracht. Es geht aber auch ohne das glänzende Metall.

Tobias Stüdemann

Dieser Artikel ist keine Investmentberatung. Fragen, Kritik, Anregungen: daz.finanzkolumne@gmx.de.

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