Am 11. Juni fand im Deutschen Bundestag der traditionelle Empfang zum Internationalen Parlamentsstipendium (IPS) statt. Rund 800 Gäste waren gekommen – Abgeordnete des Bundestages, Universitätspräsidentinnen und -präsidenten, Exzellenzen ausländischer Botschaften, IPS-Stipendiat:innen und Alumni.

Dieser Tag schlägt jedes Jahr aufs Neue eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Es wird an die Geschichte des Programms erinnert, gleichzeitig bietet der Empfang eine besondere Gelegenheit zum Vernetzen und Wiedersehen.

Was ist das Internationale Parlamentsstipendium?

Das Internationale Parlamentsstipendium (IPS) ist ein vom Deutschen Bundestag gefördertes Austauschprogramm für junge Fachkräfte mit unterschiedlichen Bildungsabschlüssen und Berufserfahrungen, die ein ausgeprägtes Interesse an deutscher Politik und Demokratie mitbringen und diese in der Praxis kennenlernen möchten. Das Programm wurde 1986 aus der deutsch-amerikanischen Parlamentsfreundschaft heraus ins Leben gerufen und danach zunächst auf Frankreich, später auch auf zahlreiche weitere Staaten ausgeweitet.

Heute nehmen Jugendliche und junge Erwachsene aus weltweit mehr als 50 Ländern am IPS teil. Während des Programms absolvieren alle Teilnehmenden einen umfangreichen Schulungsteil zur parlamentarischen Demokratie und zur Medienlandschaft in Deutschland sowie zur dortigen Erinnerungskultur, dem ein Praxisteil folgt. Im praktischen Teil werden sie einem Abgeordnetenbüro im Deutschen Bundestag zugeordnet und wirken über drei Monate hinweg als Büromitarbeiter:innen bei parlamentarischen Terminen, im Wahlkreis und in der wissenschaftlichen Arbeit mit.

Der Jubiläumsempfang 2026

Mit ihrer Begrüßungsrede eröffnete Josephine Ortleb, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, den Empfang. Auch sie hat in diesem Jahr selbst eine Stipendiatin in ihrem Büro aufgenommen und betonte, wie wichtig dieser Austausch für die internationale Zusammenarbeit und das sprichwörtliche Brückenschlagen zwischen den Ländern ist. Sie hob hervor, wie prägend eine solche Erfahrung für die persönliche und berufliche Entwicklung der IPS-Stipendiat:innen sein kann.

Im Anschluss sprach Professor Dr. Dr. h.c. Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität Berlin, die eine der Partneruniversitäten des IPS-Programms ist. Er ging auf den Austausch im Bildungsbereich ein und zeichnete die lange Geschichte der Kooperation zwischen Universitäten und Parlament nach. Die Stipendiat:innen, so betonte er, haben die Möglichkeit, neben ihrem Praktikum im Bundestag Universitätskurse zu besuchen und am Ende ein Zertifikat zu erhalten – eine Kombination aus Theorie und Praxis, die es in dieser Form nur selten gibt.

Anschließend ergriff Kerstin Radomski, Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Berichterstattergruppe für internationale Austauschprogramme, das Wort. Sie knüpfte an das vorher Gesagte an, sprach über die Rolle des IPS-Programms in der internationalen Bildungszusammenarbeit und gratulierte allen Mitwirkenden zum 40. Jubiläum. Wie bei jedem Geburtstag – und erst recht bei einem runden Jubiläum – durfte eine Geburtstagstorte nicht fehlen: Sie wurde von den Redner:innen gemeinsam angeschnitten und unter den Gästen verteilt, was für eine besonders feierliche Stimmung sorgte.

Eine Reise um die Welt

Die Stipendiat:innen hatten ein farbenfrohes Bühnenprogramm vorbereitet, das die Gäste auf eine Reise um die Welt mitnahm. Die Vielfalt reichte von Tänzen aus Borneo und Nordsumatra in Indonesien über Darbietungen aus Georgien und Ägypten bis hin zu Beiträgen aus Südafrika, Argentinien und verschiedenen europäischen Ländern. Es waren sowohl Volkslieder – etwa das ukrainische Volkslied „Die Sonne steht tief, der Abend ist nah“ – als auch klassische Werke wie die Arie „Mein Herr Marquis“ aus der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss zu hören. Die Stipendiat:innen führten gemeinsam eine polnische Polka und einen lettischen Gesellschaftstanz auf und zeigten damit, wie lebendig ein kultureller Austausch auf der Bühne werden kann.

Zum Abschluss sangen die „Stipis“, wie die Teilnehmenden des IPS-Programms liebevoll und in Kurzform genannt werden, ein Abschiedslied, das sie selbst zu „IPS cares for you“ umgestaltet hatten – angelehnt an das Lied aus der populären Serie „Friends“. Es war ein äußerst emotionaler Moment, sowohl für die Stipendiat:innen als auch für die Gäste: Auf den Bildschirmen liefen parallel Fotos und Videos, die die „Stipis“ während ihrer Zeit im Bundestag aufgenommen hatten und die am Ende des Empfangs die gemeinsamen Erlebnisse der vergangenen Monate noch einmal lebendig werden ließen.

Stipendiat:innen aus Kasachstan und Usbekistan

In diesem Jahr nehmen drei junge Menschen aus Kasachstan am Programm teil: Alisher Khassengaliyev, Zarina Yesbulatova und Zhamilya Köshek. Sie sind für fünf Monate aus Kasachstan nach Berlin gekommen, nachdem sie in ihrer Heimat bereits bei zahlreichen Projekten Verantwortung übernommen hatten. Während ihres Praktikums in den Abgeordnetenbüros kümmerten sie sich nicht nur um die alltägliche parlamentarische Arbeit, sondern auch darum, ihr Heimatland vorzustellen – etwa durch die Vorbereitung eines sogenannten Ländertisches. Besonders symbolisch war in diesem Jahr der Anblick der Ländertische von Kasachstan und von Usbekistan, die direkt nebeneinanderstanden. So wurde deutlich, wie sehr die Organisatoren die regionalen Verbindungen schätzen.

Auch aus Usbekistan sind derzeit drei Stipendiat:innen im Parlament: Dilshoda Xojamova, Mirjalol Adizov und Oyatullokh Irmatov. Die Jugendlichen, die an diesem Programm teilnehmen wollen, müssen mindestens drei Auswahlstufen durchlaufen, deren Gesamtheit ein recht anspruchsvolles Verfahren darstellt, das die hohe Qualität der Bewerber:innen sicherstellen soll. Jedes Jahr gibt es zahlreiche Bewerbungen, aber nur wenige schaffen es schließlich nach Berlin. Entsprechend groß ist die Freude in der Alumni-Community: Jede Einladung wird gefeiert, als hätte jemand einen ganz besonderen „Türöffner“ in der Hand.

Das Internationale Parlamentsstipendium lässt nicht nur neue Erfahrungen entstehen, sondern auch neue Netzwerke und Communities. Sowohl in Kasachstan als auch in Usbekistan haben sich bereits eigenständige Netzwerke und eine lange Geschichte von IPS-Bewerber:innen und Alumni entwickelt. Einige von ihnen arbeiten heute in der Politik – in Botschaften, Parlamenten oder anderen staatlichen Institutionen, während andere sind in Wirtschaft, Wissenschaft oder Technik tätig sind.

Sowohl während des Praktikums als auch nach dessen Ende besteht die Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu bleiben, Fragen zu stellen und Erfahrungen zu teilen. Die meisten Fragen entstehen zu Beginn des Praktikums, wenn vieles noch neu ist. So wächst über die Jahre hinweg ein enges, internationales Geflecht aus Menschen, die sich für demokratische Prozesse interessieren und diese in ihren Heimatländern mitgestalten wollen.

„Mein Jahrgang fühlt sich wie eine Familie an“

Für mich ist das IPS nicht nur ein Programm, sondern auch eine sehr persönliche Geschichte. Ich durfte im vergangenen Jahr als Praktikantin den parlamentarischen Alltag im Deutschen Bundestag miterleben und kann nach einem Jahr aus tiefster Überzeugung sagen: Am wichtigsten sind die Menschen, die während dieser fünf Monate miteinander in Verbindung treten.

Es sind Menschen voller Selbstbewusstsein, Unterstützung und Hilfsbereitschaft, die sich mit großer Energie für bürgerschaftliche Initiativen einsetzen und damit zu Vorbildern für viele andere werden. Mein Jahrgang fühlt sich bis heute wie eine Familie an – und etwa ein Drittel von uns ist bei diesem Empfang wieder zusammengekommen. Ganz ohne große Absprachen, ohne lange Planung, sind viele aus dem Ausland oder aus anderen Ecken Deutschlands nach Berlin zurückgekehrt, was ein Zeichen für die Stärke dieses Band ist.

Mein Ziel ist es, auch euch zu ermutigen, eine Bewerbung zu einzureichen! In vielen Ländern werden die Bewerbungen in der Regel bis Ende Juli entgegengenommen, je nach Herkunftsland können die Fristen jedoch leicht variieren. Viel mehr Informationen zum Programm und zu den konkreten Bewerbungsvoraussetzungen findet ihr auf der Website des Deutschen Bundestages. Diese Chance ist unbezahlbar – es ist eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

Darya Koppel

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