Wenn ein Künstler aus einem einfachen Naturmaterial ein Kunstwerk macht, entsteht etwas Besonderes. Der verdiente Künstler der Republik Kasachstan, Mitglied des Künstlerverbandes und Pädagoge Haschimdschan Kurbanow beweist seit mehr als vierzig Jahren, dass es in der Kunst es keine zufälligen Formen gibt.
Der Weg zur monumentalen Kunst
Haschimdschan Kurbanow wurde 1957 in Taschkent geboren. Seit 1961 ist sein Leben eng mit Kasachstan verbunden. Er hat eine gute akademische Ausbildung.
Er studierte an der Kunstschule N.W. Gogol in Almaty und an der Fakultät für monumentale Malerei des Theater- und Kunstinstituts A.N. Ostrowski in Taschkent.
Die wichtigsten Themen seiner Malerei und Bildhauerei sind die Geschichte, die Verbindung zwischen den Generationen und die reichhaltigen nationalen Traditionen. Auf seinen Bildern und in seinen Skulpturen sieht man historische Persönlichkeiten. Ihre Gesichter und Details erfordern vom Künstler größte Genauigkeit. Jedes Werk ist das Ergebnis vieler Stunden Arbeit. Dafür braucht es viel Geduld, Ausdauer und Konzentration.
Eine wichtige Seite im Leben des Künstlers Kurbanow ist seine Arbeit als Lehrer, denn er unterrichtete an der Kunstschule N.W. Gogol, am Institut T.K. Dschurgenow und an der Akademie „Symbat“. Im Jahr 2018 bekam er dort den Titel eines assoziierten Professors.
Gleichzeitig gab er auch privaten Unterricht. In vielen Jahren hat er zahlreiche Schüler ausgebildet. Er teilte sein Wissen und seine Erfahrungen mit ihnen. Er lehrte sie die Grundlagen der Kunst, zeigte ihnen die Schönheit der Welt und weckte in ihnen Respekt vor ihren kulturellen Wurzeln. Dabei gab er seinen Schülern immer die Freiheit, ihren eigenen Weg zu gehen. Heute arbeiten sie in verschiedenen Bereichen der Kunst und haben ihren jeweils eigenen Stil entwickelt.
Nationale Uigurische Traditionen und das Geheimnis des Flaschenkürbisses
Eine besondere Rolle in der Arbeit von Haschimdschan Kurbanow spielt die Idee eines neuen nationalen Symbols. Der Künstler dachte darüber nach: Viele Völker haben bekannte handgemachte Symbole. Ein Beispiel sind die berühmten russischen Matrjoschkas. Warum sollte das uigurische Volk nicht auch ein eigenes, besonderes Kunstsymbol haben? Die Antwort fand er in der Geschichte.
Seit sehr alten Zeiten benutzten die Uiguren den Flaschenkürbis im Alltag. Daraus wurden Gefäße und verschiedene Haushaltsgegenstände hergestellt. Kurbanov wollte diesem einfachen Gegenstand neues Leben geben. Er machte aus dem Flaschenkürbis ein besonderes Kunstwerk.
Seit den 1980er Jahren entwickelte er als erster und bisher einziger Künstler diese besondere Kunstrichtung. Damals gab es kein Internet und keine fertigen Anleitungen. Alles lernte der Künstler selbst – durch Versuche, Experimente und sehr viel Arbeit. So entstand eine ganz eigene Kunst, die bis heute etwas Besonderes ist.
Kurbanow schuf Figuren uigurischer Mädchen, Prinzessinnen und anderer Personen. Seine Arbeiten dienen nicht nur der Dekoration: Mit ihnen zeigt der Künstler die Kleidung, den Alltag, den Charakter und die Traditionen seines Volkes. So wird der Flaschenkürbis zu einer Art kultureller Sprache. Eine Pflanze, die früher als einfaches Gefäß diente, erzählt heute die Geschichte eines ganzen Volkes.
In Kurbanows Werken finden sich zahlreiche symbolische Elemente. Seine Kompositionen enthalten Zahlen wie 3, 7 und 12, die in der uigurischen Kultur, aber auch in anderen Kulturen eine besondere Bedeutung haben. Ebenso spielen die vier Elemente – Erde, Wasser, Luft und Feuer – in seinen Arbeiten eine Rolle.
Auf den Kürbissen sind uigurische Ornamente, alte Häuser, traditionelle Kopfbedeckungen sowie Szenen aus dem ländlichen Leben und der Arbeit zu sehen. Deshalb ist Kurbanows Kunst nicht nur für Künstler interessant, sondern auch für Historiker, Ethnografen, Designer und Pädagogen. Sie zeigt, wie sich kulturelles Erbe in modernen Formen bewahren lässt.
Für diese besondere künstlerische Arbeit erhielt Kurbanow große Anerkennung: Er wurde in das kasachische Buch der Rekorde KInES
aufgenommen, denn er hat insgesamt mehr als tausend solcher Werke geschaffen.
Die Natur als Partner des Künstlers
Die Natur ist für den Künstler ein besonderer Partner. Für Haschimdschan Kurbanow gibt es keine „schlechten“ oder „fehlerhaften“ Kürbisse: Jeder Flaschenkürbis ist für ihn einzigartig. Was anderen vielleicht schief, krumm oder asymmetrisch erscheint, sieht er als besondere Form und als Möglichkeit für ein neues Kunstwerk.
Mit speziellen Werkzeugen arbeitet er die natürliche Form vorsichtig heraus und verwandelt sie in ein neues Bild. Im Laufe der Zeit entwickelte sich seine Arbeit vom Einfachen zum Komplexen. Anfangs gestaltete er feine Blumenmotive mit vielen kleinen Details. Später schuf er zunehmend anspruchsvollere Werke mit traditionellen Häusern, architektonischen Formen oder eleganten Vögeln.
Brücken zwischen den Kulturen und der Traum von einer Ausstellung in Europa
Heute befinden sich die Werke von Haschimdschan Kurbanow nicht nur in Museen in Kasachstan, sondern auch in privaten Sammlungen auf der ganzen Welt – von den USA und Deutschland bis nach Japan, Frankreich, Schweden und in die Schweiz. Hinter diesem internationalen Erfolg steckt viel organisatorische Arbeit, bei der ihn seine Familie unterstützt.
Sein Sohn studierte an der Kasachisch-Deutschen Universität in Almaty und lernte am Goethe-Institut Deutsch. Im dritten Studienjahr erhielt er ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung, das ihm 2015 eine Reise nach Berlin ermöglichte. Dort besuchte er den Deutschen Bundestag und nahm an verschiedenen Seminaren teil. Für die internationale Arbeit erwies sich Deutsch jedoch als weniger gefragt als Englisch.
Bei der Organisation von Ausstellungen im Ausland und der Vorbereitung von Dokumenten war Englisch besonders wichtig: Es wurde zum zentralen Werkzeug für die Kommunikation und die Übersetzung von Materialien. So konnte der Sohn seinem Vater helfen, neue Kontakte zu knüpfen und dessen Kunst auch außerhalb Kasachstans bekannt zu machen.
Die Organisation einer Ausstellung ist für viele Künstler heute eine große Herausforderung, denn häufig müssen sie hohe Mieten für Ausstellungsräume bezahlen. Deshalb sollten Gesellschaft und Staat den Künstlern mehr Aufmerksamkeit schenken und ihnen bessere Möglichkeiten bieten, ihre Arbeiten auszustellen.
Künstler erfüllen eine wichtige soziale Aufgabe: Sie präsentieren die Kultur ihres Landes und bringen zugleich die Kunst anderer Völker in ihre Heimat. Haschimdschan Kurbanow träumt von einer großen Einzelausstellung in Deutschland und in anderen europäischen Ländern. Dort möchte er dem Publikum die reiche und farbenfrohe uigurische Kunst näherbringen und seine Werke vorstellen.
Wir hoffen, bald eine Ausstellung von Haschimdschan Kurbanow in renommierten europäischen Ausstellungshäusern und auf deutschen Foren erleben zu können. Denn echte Kunst verdient es, auf der ganzen Welt gesehen und gehört zu werden.

























