Ende April reiste die Bundestagsabgeordnete Dr. Saskia Ludwig (CDU) mit einer Delegation nach Kasachstan. Die Brandenburgerin und Wirtschaftsausschuss-Abgeordnete sieht in neuen Rohstoffpartnerschaften eine Chance für mehr Versorgungssicherheit – auch mit Blick auf den Industriestandort Brandenburg.
Frau Dr. Saskia Ludwig, mit welcher konkreten Zielsetzung reist Ihre Delegation nach Kasachstan? Geht es primär um politische Signale oder um konkrete Geschäftsabschlüsse?
Kasachstan ist ein junges, aufstrebendes Land. Wenn man hier ist, merkt man den Willen zum Fortschritt und Wachstum. Unsere Delegation, der vor allem Mittelständler aus Deutschland angehören, hatte konkrete Projekte für eine Zusammenarbeit im Gepäck, und wir haben zu diesen konkreten Vorhaben sehr fruchtbringende Gespräche führen können und freuen uns jetzt auf eine gute Zusammenarbeit. Aber natürlich ging es auch um Politik und eine mögliche Intensivierung der kasachisch-deutschen Zusammenarbeit.
Ein großer Teil Ihrer Delegation kommt aus dem Rohstoff- und Technologiesektor. Welche strategische Rolle spielt Kasachstan für Deutschland bei kritischen Rohstoffen?
Mit einem Anteil von 12 % ist Kasachstan bereits ein bedeutender Lieferant für den europäischen Rohölmarkt. Das Unternehmen PCK Schwedt in Brandenburg, dem Bundesland, in dem ich beheimatet bin, ist unmittelbar davon betroffen – die Frage der Versorgungssicherheit ist für mich daher keine rein theoretische Debatte. Die Zusammenarbeit hinsichtlich seltener Erden und Rohstoffe eröffnet uns zusätzliche Möglichkeiten, die Abhängigkeiten von anderen Ländern zu minimieren. Das ist eine strategische Diversifizierung, die wir im deutschen und europäischen Interesse vorantreiben wollen.
Wie wollen Sie verhindern, dass diese Zusammenarbeit als einseitige Rohstoffpartnerschaft wahrgenommen wird?
Für eine langfristig tragfähige Beziehung zählen gemeinsame Werte und politischer Dialog – nicht nur Lieferverträge. Das Rohstoffabkommen zwischen Deutschland und Kasachstan wurde ja unter dem Slogan „Rohstoffe für Technologien“ ins Leben gerufen. Wir hatten Vertreter eines Unternehmens mit Technologieführerschaft in seismischer Erkundung in unserer Delegation, dessen Know-how für die kasachische Wirtschaft und die hiesigen Explorationsaufgaben sehr gewinnbringend sein kann. Für uns ist es selbstverständlich, dass Partnerschaft nur auf Gegenseitigkeit beruhen kann. Dazu tragen natürlich auch die parlamentarischen Kontakte bei, die wir bei unserer Reise unter anderem auch mit der Ak Shol-Partei intensivieren konnten.
Wie bewerten Sie die aktuellen Rahmenbedingungen vor Ort – was sagen Sie zu den Stichworten Bürokratie, Rechtssicherheit und Korruptionsbekämpfung?
Mit einem Schmunzeln haben wir festgestellt, dass es hier durchaus Parallelen zur deutschen Bürokratie gibt. Seit der Unabhängigkeit hat sich Kasachstan überaus bewundernswert entwickelt und seine heutige Realität passt nicht mehr in alte Klischees. Mit seiner neuen Verfassung geht das Land konsequent den Weg der Modernisierung und der Eigenständigkeit. Auch bei der Korruptionsbekämpfung gab es große Fortschritte.
Welche Branchen sehen Sie aktuell als besonders attraktiv für deutsche Investoren in Kasachstan?
Vor Ort wurde sehr deutlich: Kasachstan ist ein junges und aufstrebendes Land mit soliden Grundlagen. Rohstoffe bilden zwar weiterhin den Kern der Wirtschaft, oft sind sie aber nur der Einstieg für neue Kooperationsmöglichkeiten. Große Chancen sehe ich vor allem im Tourismus und in der Landwirtschaft: Es ist ein unglaublich vielfältiges Land mit einer bisher noch stark ausbaufähigen Infrastruktur. Gleichzeitig kommt das starke landwirtschaftliche Potenzial hinzu. In Kasachstan, das einer der weltweit größten Weizenexporteure ist, besteht ein großer Bedarf an Technologie und Wertschöpfung vor Ort. Aber auch die Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten ist zweifellos ein Zukunftsmarkt.
Was wäre für Sie persönlich ein Erfolg dieser Reise? Was ist aus Ihrer Sicht derzeit das größte Hindernis für eine engere Zusammenarbeit?
Der menschliche Austausch vor Ort und das gegenseitige Verständnis waren für mich persönlich eine absolute Bereicherung. Aber natürlich ist es ein großer Erfolg, dass alle Teilnehmer der Delegation erfolgreiche Gespräche haben führen können. Man darf ja die erheblichen Distanzen zwischen unseren Ländern nicht unterschätzen. Aber wenn diese erst einmal überwunden wurden, steht einer engeren Zusammenarbeit nichts im Wege. Die größte Herausforderung ist eher das fehlende Wissen übereinander und wir arbeiten aktiv daran, diesen Mangel zu beseitigen.























